AkupunkturPraxis 2022; 3(03): 184-186
DOI: 10.1055/a-1797-1416
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Elektroakupunktur als zusätzliche Methode zu manueller, Bewegungs- und Stoßwellentherapie bei Patienten mit plantarer Fasziitis

    Hintergrund Eine separate Anwendung von Elektroakupunktur (EA), manueller, Bewegungs- und Stoßwellentherapie hat sich bei plantarer Fasziitis (PF) als effektiv erwiesen. Allerdings fehlen noch Studien, die eine kombinierte Wirkung dieser Interventionen bei Patienten mit PF untersuchen.

    Zielsetzung Die Effekte einer Kombinationstherapie von EA mit einem Programm aus manueller, Bewegungs- und Stoßwellentherapie (Standardtherapie) auf Schmerzen, Fußfunktion und damit verbundene Behinderungen bei Patienten mit PF sollen untersucht werden.

    Methoden 111 Teilnehmer mit PF wurden in 2 Gruppen randomisiert: die eine Gruppe (n=58) erhielt EA in Kombination mit der Standardtherapie, die andere Gruppe (n=53) erhielt lediglich eine Standardtherapie (manuelle, Bewegungs- und Stoßwellentherapie). Das primäre Outcome war der morgendliche Anlaufschmerz, gemessen anhand der Numerischen Rating-Skala (NRS). Zu den sekundären Endpunkten gehörten die Schmerzintensität in Ruhe und bei Bewegung, gemessen mit der NRS, die „Lower Extremity Functional Scale“ (LEFS), der „Foot Functional Index“ (FFI), das „Global Rating of Change“ (GROC) und die Einnahme der Medikation. Die Behandlungsdauer betrug 4 Wochen mit Follow-up-Untersuchungen 1 Woche, 4 Wochen und 3 Monate nach der 1. Behandlungssitzung. Beide Gruppen erhielten 6 Sitzungen manueller Therapie, fokussiert auf die untere Extremität, die von einer Selbstdehnung der Plantarfaszie und der Achillessehne, Kräftigungsübungen für die intrinsische Fußmuskulatur und Stoßwellentherapie begleitet wurden. Darüber hinaus erhielt die EA-Gruppe 6 Sitzungen mit elektrischer perkutaner Nadelstimulation mit einem standardisierten 8-Punkte-Protokoll für 20 Minuten. Das primäre Ziel wurde mit einer 2-Wege-mixed-Kovarianzanalyse (ANCOVA) mit Behandlungsgruppe und Zeitpunkt der Intervention als Kovariablen nach Anpassung an die Ausgangsergebnisse untersucht.

    Ergebnisse Die Kovarianzanalyse ergab, dass 3 Monate nach Intervention die Patienten, die eine Kombination aus EA und Standardtherapie erhalten hatten, über eine Verbesserung der morgendlichen Anlaufschmerzen (F=22,0; P<0,001), Fußschmerzen in Ruhe (F=23,9; P<0,001), Schmerzen bei Bewegung (F=7,6; P=0,007) berichteten und bei LEFS (F=13,1; P<0,001), FFI-Schmerz-Subskala (F=13,6; P<0,001), FFI-Behinderungs-Subskala (F=8,8; P<0,001) und FFI-Gesamtwert (F=10,65; P<0,001) bessere Werte als diejenigen aufwiesen, die nur eine Standardtherapie bekommen hatten. Es wurden keine Unterschiede bei der Subskala der FFI-Aktivitätseinschränkung (F=2,7; P=0,104) beobachtet. Ebenso hielten mehr Patienten nach der EA+Standardtherapie ihre Schmerzen ohne analgetische Medikation aus im Vergleich mit der Standardtherapie-Gruppe (χ2=9,512; P=0,023). Basierend auf dem Cut-off-Score von≥5 auf der GROC-Skala bewerteten mehr Patienten nach EA+Standardtherapie (n=46) ihre Behandlung als erfolgreich im Vergleich mit der Standardtherapie-Gruppe (n=11) (χ2=45,582; P<0,001). Die Effektgrößen, gemessen als standardisierte mittlere Differenz (SMD), reichten von mittel bis groß (0,53<SMD<0,85) nach 3 Monaten zugunsten der Kombination aus EA und Standardtherapie.

    Schlussfolgerung Die Anwendung der EA im Rahmen einer Kombinationstherapie, bestehend aus manueller, Bewegungs- und Stoßwellentherapie, ist mittelfristig (3 Monate nach Therapie) effektiver als die alleinige Anwendung von manueller, Bewegungs- und Ultraschalltherapie zur Linderung von Schmerzen, Verbesserung der Fußfunktion und damit verbundenen Behinderungen bei Patienten mit einer Plantarfasziitis.



    Publication History

    Article published online:
    15 August 2022

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