Aktuelle Dermatologie 2022; 48(05): 191-194
DOI: 10.1055/a-1799-7236
Derma-Fokus

Knapp die Hälfte der Auszubildenden in der Pflege leidet an Hautirritationen

Authors

    Contributor(s):
  • Maddalena Angela Di Lellis

Šakić F. et al.
Characteristics of hand eczema in final-year apprentice nurses during the COVID-19 pandemic.

Contact Dermatitis 2022;
86: 98-106
DOI: 10.1111/cod.14006
 

Zu den größten Risikofaktoren für die Entwicklung eines Handekzems bei Pflegepersonal gehören häufiges Händewaschen, Tragen von Schutzhandschuhen und eine atopische Dermatitis. Zudem kommen aufgrund der häufigen Verwendung von Latexhandschuhen Naturkautschuklatexallergien hinzu. Šakić et al. evaluierten die Häufigkeit der irritativen und allergischen Handkontaktdermatitis, auch hinsichtlich einer Häufung im Zuge der COVID-19-Pandemie.


Während der COVID-19-Pandemie traten bei kroatischen Krankenpflegeschülern im letzten Ausbildungsjahr häufig Handekzeme auf. Diese waren meist irritativ und standen in Zusammenhang mit der Dauer der praktischen Ausbildung. Die Experten luden alle 264 Auszubildenden in der Krankenpflege aus drei Berufsschulen in der kroatischen Stadt Zagreb, die sich im letzten (fünften) Ausbildungsjahr befanden, zur Teilnahme an der Studie von November bis Dezember 2020 sowie von Februar bis Mai 2021 ein. Das Studienprotokoll umfasste für alle Probanden die Erhebung von Daten mittels Fragebögen und klinischer Untersuchung der Haut an den Händen/Handgelenken. Jene Teilnehmer mit einer Anamnese von Handekzemen, die länger als 3 Monate andauerten, definierten die Forscher als Gruppe mit chronischem Handekzem. Diese Probanden luden die Wissenschaftler zu allergologischen Hauttests ein. Die Teilnehmer füllten einen Fragebogen auf der Grundlage des Nordic Occupational Skin Questionnaire (NOSQ-2002) aus, um:

  • eine Vorgeschichte von Hautsymptomen an den Händen zu erfassen,

  • den selbst angegebenen Schweregrad des Ekzems zum Zeitpunkt seiner schlimmsten Ausprägung und zum jetzigen Zeitpunkt auf einer Skala von 0 (kein Ekzem) bis 10 (extrem schlechtes Ekzem) zu bewerten,

  • arbeitsbedingte Risikofaktoren (Häufigkeit des Händewaschens, Verwendung von Händedesinfektionsmitteln und Schutzhandschuhen bei der Arbeit) zu ermitteln,

  • zu ermitteln, ob das Hand-/Handgelenksekzem vor oder nach Beginn der Ausbildung begann

  • und die Vorgeschichte der atopischen Dermatitis zu erfassen.

Zur klinischen Untersuchung der Haut an den Händen/Handgelenken verwendeten Arbeitsmediziner den validierten Osnabrücker Handekzem-Schweregrad-Index (OHSI), der das Ausmaß der von Erythem, Schuppung, Papeln, Bläschen, Infiltration und Fissuren betroffenen Haut bewertet. Zudem führten die Experten einen Standard-Hautpricktest (SPT) mit einem handelsüblichen Latexallergen, einer Positivkontrolllösung mit Histamin und einer negativen Pufferkontrolllösung durch.

Die Forscher schlossen 240 Auszubildende, 181 Frauen und 59 Männer, in die Studie ein. Insgesamt 60 Teilnehmer wiesen Handekzeme über mindestens 3 Monate auf. Unter diesen zeigten 50 Probanden auch klinische Hautveränderungen bei der Untersuchung. Klinisch beobachtete und selbstberichtete Handekzeme traten bei den Krankenpflegeschülern während der COVID-19-Pandemie mit einer Prävalenz von 46% auf. Als häufigste Hautveränderungen an den Händen kamen Erytheme (88% der Studienteilnehmer), Infiltrationen (75%) und Schuppungen (28%) vor. Papeln stellten die Experten bei 1%, Bläschen bei 1% und Fissuren bei 13% der Probanden fest. Nur bei einem Auszubildenden waren die Risse tief und hämorrhagisch. Jene Personen mit Hautveränderungen waren signifikant älter und gaben an, mehr Tage pro Monat mit praktischer Arbeit zu verbringen als diejenigen mit gesunder Haut. Es gab keine positiven SPTs auf Latex. Insgesamt 26% Krankenpflegeschüler hatten positive Patch-Test-Reaktionen auf ein oder mehrere getestete Allergene, meist Nickel.

Fazit

Klinisch beobachtete und selbstberichtete Handekzeme traten bei kroatischen Krankenpflegeschülern während der COVID-19-Pandemie mit einer Prävalenz von 46% häufig auf. Die Handekzeme äußerten sich irritativ und von leichtem bis mittlerem Schweregrad. Die Experten unterstreichen, wie wichtig die Förderung eines gesunden Schutzverhaltens ist, insbesondere bei Auszubildenden und jungen Arbeitnehmern in Hochrisikoberufen.

Maddalena Angela Di Lellis, Tübingen



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Article published online:
19 May 2022

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