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DOI: 10.1055/a-1856-6986
Systemische Sklerose: Neues Verfahren zur Analyse der Mikrovaskulopathie
Authors
Nailfold Microvascular Imaging by Dynamic Optical Coherence Tomography in Systemic Sclerosis: A Case-Controlled Pilot Study.
J Invest Dermatol 2022;
142: 1050-1057
DOI: 10.1016/j.jid.2021.08.436
Die systemische Sklerose zeichnet sich u.a. durch Gefäßanomalien, eine Immundysregulation sowie Fibrose der Haut und der inneren Organe aus. Derzeit gilt die Nagelfalz-Videokapillaroskopie (NVC) als Goldstandard zum Nachweis mikrovaskulärer Veränderungen an der Nagelfalz, jedoch gibt es Hinweise darauf, dass die dynamisch-optische Kohärenztomografie (D-OCT) bei der Beurteilung der Mikrovaskulopathie eine vielversprechende Alternative sein könne.
Die D-OCT ermöglicht neben den Bildern eines herkömmlichen OCT-Scans zusätzlich eine Visualisierung des Blutflusses innerhalb der kutanen Mikrogefäße durch die Erkennung schneller Veränderungen im interferometrischen Signal des Blutflusses. Eine kürzlich durchgeführte Studie konnte dabei belegen, dass die D-OCT in der Lage ist, die Kapillarmorphologie, die umgebende Hautarchitektur und den Flussstatus der Kapillaren im Nagelfalz zu visualisieren.
Nachdem diese Ergebnisse die Verwendung der D-OCT für die In-vivo-Bildgebung der Mikrozirkulation in der Haut unterstreichen, untersuchten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nun, ob die D-OCT bei Patienten mit systemischer Sklerose Informationen zur Mikrovaskulopathie liefern kann. Dafür rekrutierten sie zwischen August 2016 und März 2017 in der Ambulanz des Chapel Allerton Hospital (Leeds, Vereinigtes Königreich) 40 Patienten mit systemischer Sklerose, die anhand des NVC-Musters in 4 alters- und geschlechtsspezifische Gruppen (normal/unspezifisch, früh, aktiv, spät) eingeteilt wurden, wobei sich in jeder Gruppe jeweils 10 Patienten befanden. Eine 5. Gruppe bestand aus gesunden Kontrollen, die hinsichtlich Alter und Geschlecht mit den NVC-Gruppen übereinstimmten. Alle Teilnehmer der fallkontrollierten Studie unterzogen sich einer NVC und einer D-OCT.
Für den ausgewählten Finger wurde ein semiquantitatives und quantitatives NVC-Scoring durchgeführt. Dabei wurde der Mikroangiopathie-Evolutions-Score (= Summe aus 3 Scores für den Verlust von Kapillaren, die Desorganisation der mikrovaskulären Anordnung und abnorme Formen) als semiquantitativer NVC-Score berechnet. Die quantitative Bewertung der NVC-Bilder umfasste die Zählung der folgenden 4 Parameter innerhalb der distalen Reihe des Nagelfalzes: Anzahl der Kapillaren, Riesenkapillaren, Mikroblutungen und abnorme Formen (jeweils pro linearem mm). Die Ergebnisse wurden anschließend mit denen des D-OCT-Scoring verglichen. Darüber hinaus bewerteten die Forschenden die Reliabilität der D-OCT in einer Untergruppe von Teilnehmern.
Ergebnisse
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Die NVC-Muster der untersuchten Probanden korrelierten signifikant mit der Klassifizierung der D-OCT-Bilder der Nagelfalz (r=0,9, p<0,0001).
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Die D-OCT-Bilder visualisierten die entsprechenden NVC-Muster.
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Die mikrovaskuläre Flussdichte im D-OCT unterschied sich zwischen den 5 NVC-Gruppen (p=0,0114) mit einem signifikanten Trendtest (p=0,0006).
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Die mikrovaskuläre Flussdichte der Haut am Nagelfalz korrelierte mit dem semiquantitativen NVC-Score (r=–0,7, p<0,0001), der Anzahl der abnormen Formen/mm (r=−0,3, p=0,0264) und der Anzahl der Kapillaren/mm (r=0,6, p<0,0001). Dagegen korrelierte die mikrovaskuläre Flussdichte nicht mit der Anzahl der Riesenkapillaren/mm und der Mikroblutungen/mm.
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Die Zuverlässigkeit der D-OCT war ausgezeichnet (Intraklassen-Korrelationskoeffizient >0,9).
Die Studienergebnisse deuten darauf hin, dass die D-OCT bei Patienten mit systemischer Sklerose qualitative und quantitative Informationen über die Mikrovaskulopathie der Nagelfalz liefern kann. Zudem korrelierte die mikrovaskuläre Flussdichte mit dem NVC-Score. Die D-OCT eigne sich daher als quantitatives Ergebnismaß in klinischen Studien, so die Autorinnen und Autoren. In Zukunft gelte es nun, die Anwendung der D-OCT auf andere Hautbereiche bei systemischer Sklerose zu untersuchen.
Leandra Metzger, Stuttgart
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Publication History
Article published online:
22 July 2022
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