Aktuelle Dermatologie 2022; 48(07): 198-200
DOI: 10.1055/a-1857-1504
Facharztfragen

Fragen für die Facharztprüfung

 

Als Auffrischung oder für die Vorbereitung auf die Facharztprüfung veröffentlichen wir in der „Aktuellen Dermatologie“ ab jetzt regelmäßig Fragen aus dem Buch „Facharztprüfung Dermatologie und Venerologie. 1000 kommentierte Prüfungsfragen“.

Entzündliche Dermatosen – Lichenoide Dermatosen 2


Was versteht man unter einer lichenoiden Dermatose?

Erkrankungen, die hinsichtlich des klinischen oder histologischen Bildes einem Lichen ruber ähneln.

Der Lichen ruber hat ein sowohl klinisch als auch histologisch charakteristisches Krankheitsbild. Ähnliche Hautveränderungen können z. B. auch im Rahmen von Arzneimittelexanthemen oder viralen Infekten auftreten.

Was sind die wesentlichen klinischen Charakteristika eines Lichen ruber?

Flache, meist polygonale Papeln an der Haut und weißliche netzförmige Zeichnung, insbesondere an der Mundschleimhaut (Wickham-Streifen) ([Abb. 1]).

Leiteffloreszenzen des Lichen ruber sind die charakteristischen polygonalen flachen Papeln mit violett-rötlicher Farbe. Diese Hautveränderungen treten hauptsächlich an den Handgelenkbeugeseiten auf. Zusätzlich finden sich zumeist Veränderungen der Mundschleimhaut, bei denen die charakteristische Wickham-Streifung – eine weiße netzförmige Zeichnung – besonders gut zu sehen ist.

Welche internistische Erkrankung ist häufig mit dem Lichen ruber assoziiert?

Hepatitis B und C.

Ätiopathogenetisch finden sich ein Th1-dominiertes Infiltrat sowie zytotoxische T-Zellen, die letztendlich zu einer reaktiven Hyperkeratose führen. Es wird angenommen, dass es sich beim Lichen ruber um eine T-Zell-vermittelte Autoimmunerkrankung handelt. Bei Patienten mit Lichen ruber zeigt sich gehäuft eine Virushepatitis, wobei sowohl die Infektion als auch eine Therapie der Infektion durch Interferon einen Lichen ruber auslösen kann.

Beschreiben Sie die histologischen Veränderungen bei Lichen ruber.

Es zeigen sich eine Hyperkeratose mit Hypergranulose sowie eine klassische Interface-Dermatitis mit sägezahnartiger Ausfransung der Epidermis und einem dichten bandförmigen subepidermalen Infiltrat.

Zusätzlich lassen sich häufig sog. „Civatte Bodies“ (zytoide Körperchen) identifizieren. Dies sind apoptotische Zellen, die durch die vorzeitige terminale Differenzierung mit verstärkten Zell-Zell-Adhäsionen weniger leicht durch die Epidermis nach oben ausgeschleust werden können und sich daher an den „Sollbruchstellen“ der beschädigten dermoepidermalen Junktionszone finden.

Bei welcher Form des Lichen ruber kann es zu einer Alopezie kommen?

Beim Lichen planopilaris (syn. Lichen ruber follicularis).

Hierbei handelt es sich um einen Lichen ruber der Haarfollikel. Am Kopf kann es hierbei zu einer vernarbenden Alopezie kommen ([Abb. 2]). Bei gemeinsamem Auftreten von follikulärem Lichen ruber, vernarbender Alopezie sowie Nageldystrophie spricht man vom Graham-Little-Lasseur-Syndrom.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es beim Lichen ruber?

Abhängig von der Ausprägung des Befalls kommen topische Steroide der Klasse III–IV zum Einsatz, Bade- oder Creme-PUVA-Therapien sowie bei einem exanthematischen Lichen ruber systemische Retinoide (Acitretin).

Grundsätzlich ist die Erkrankung selbstlimitierend, jedoch muss aufgrund des ausgedehnten klinischen Befundes bzw. des ausgeprägten Juckreizes i. d. R. eine symptomatische Therapie durchgeführt werden. Bei schwerem und therapieresistentem Verlauf empfiehlt sich eine kurzfristige intensive Kombinationstherapie aus topischen Steroiden der Klasse IV unter Okklusion, PUVA-Therapie und systemischen Retinoiden, z. B. Acitretin.

Beschreiben Sie das klinische Bild eines Lichen nitidus.

Weißliche bis rot-bräunliche, sehr kleine, perlmuttartig glänzende, gruppiert stehende Papeln ohne wesentliche Symptome.

Der Lichen nitidus wird von einigen Autoren als eine Sonderform des Lichen ruber bezeichnet, es bestehen jedoch üblicherweise keine klinischen Beschwerden und eine Therapie ist zumeist nicht notwendig. Die Prädilektionsstellen der kleinen Papeln sind Unterarme, Abdomen, Penis und Glutealregion.

Bei welchen lichenoiden Dermatosen treten lineare Hautveränderungen auf?

– Lichen striatus
– Lichen ruber planus linearis

Auch bei einem Lichen ruber können linear angeordnete Papeln auftreten. Hier entstehen sie im Rahmen des Köbner-Phänomens durch das Reiben der Haut, primär sind beim Lichen ruber jedoch keine linearen Hautveränderungen festzustellen. Beim Lichen striatus und dem Lichen ruber planus linearis hingegen finden sich linear angeordnete lichenoide Papeln im Verlauf von Blaschko-Linien (Lichen striatus) oder häufig an den Unterschenkeln (Lichen ruber planus linearis). Beide Erkrankungen treten meist bei Kindern auf.

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Abb. 1 a Polygonale, flache Papeln an den Handgelenken eines 30-jährigen Patienten. b Weißliche netzförmige Zeichnung an der Mundschleimhaut (Wickham-Streifen) eines 70-jährigen Patienten. Quelle: Metz M. Lichenoide Dermatosen. In: von Stebut-Borschitz E, Maurer M, Berneburg M, Steinbrink K, Hrsg. Facharztprüfung Dermatologie und Venerologie. 2., aktualisierte Auflage. Stuttgart: Thieme; 2020.
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Abb. 2 Vernarbende Alopezie bei einer 65-jährigen Patientin. Quelle: Metz M. Lichenoide Dermatosen. In: von Stebut-Borschitz E, Maurer M, Berneburg M, Steinbrink K, Hrsg. Facharztprüfung Dermatologie und Venerologie. 2., aktualisierte Auflage. Stuttgart: Thieme; 2020.

Prof. Dr. med. Martin Metz, Berlin

Zitierweise für diesen Artikel

Dieser Beitrag ist ein Auszug aus dem Kapitel: Metz M. Allergische Dermatosen – Ekzeme. In: von Stebut E, Maurer M, Berneburg M, Steinbrink K, Hrsg. Facharztprüfung Dermatologie und Venerologie – 1000 kommentierte Prüfungsfragen. Stuttgart: Thieme; 2020: 50–57. doi:10.1055/b000000044.




Publication History

Article published online:
22 July 2022

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Georg Thieme Verlag KG
Rüdigerstraße 14, 70469 Stuttgart, Germany


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Abb. 1 a Polygonale, flache Papeln an den Handgelenken eines 30-jährigen Patienten. b Weißliche netzförmige Zeichnung an der Mundschleimhaut (Wickham-Streifen) eines 70-jährigen Patienten. Quelle: Metz M. Lichenoide Dermatosen. In: von Stebut-Borschitz E, Maurer M, Berneburg M, Steinbrink K, Hrsg. Facharztprüfung Dermatologie und Venerologie. 2., aktualisierte Auflage. Stuttgart: Thieme; 2020.
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Abb. 2 Vernarbende Alopezie bei einer 65-jährigen Patientin. Quelle: Metz M. Lichenoide Dermatosen. In: von Stebut-Borschitz E, Maurer M, Berneburg M, Steinbrink K, Hrsg. Facharztprüfung Dermatologie und Venerologie. 2., aktualisierte Auflage. Stuttgart: Thieme; 2020.