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DOI: 10.1055/a-1857-1504
Fragen für die Facharztprüfung
Als Auffrischung oder für die Vorbereitung auf die Facharztprüfung veröffentlichen wir in der „Aktuellen Dermatologie“ ab jetzt regelmäßig Fragen aus dem Buch „Facharztprüfung Dermatologie und Venerologie. 1000 kommentierte Prüfungsfragen“.
Entzündliche Dermatosen – Lichenoide Dermatosen 2
Was versteht man unter einer lichenoiden Dermatose?
Erkrankungen, die hinsichtlich des klinischen oder histologischen Bildes einem Lichen
ruber ähneln.
Der Lichen ruber hat ein sowohl klinisch als auch histologisch charakteristisches
Krankheitsbild. Ähnliche Hautveränderungen können z. B. auch im Rahmen von Arzneimittelexanthemen
oder viralen Infekten auftreten.
Was sind die wesentlichen klinischen Charakteristika eines Lichen ruber?
Flache, meist polygonale Papeln an der Haut und weißliche netzförmige Zeichnung, insbesondere
an der Mundschleimhaut (Wickham-Streifen) ([Abb. 1]).
Leiteffloreszenzen des Lichen ruber sind die charakteristischen polygonalen flachen
Papeln mit violett-rötlicher Farbe. Diese Hautveränderungen treten hauptsächlich an
den Handgelenkbeugeseiten auf. Zusätzlich finden sich zumeist Veränderungen der Mundschleimhaut,
bei denen die charakteristische Wickham-Streifung – eine weiße netzförmige Zeichnung
– besonders gut zu sehen ist.
Welche internistische Erkrankung ist häufig mit dem Lichen ruber assoziiert?
Hepatitis B und C.
Ätiopathogenetisch finden sich ein Th1-dominiertes Infiltrat sowie zytotoxische T-Zellen,
die letztendlich zu einer reaktiven Hyperkeratose führen. Es wird angenommen, dass
es sich beim Lichen ruber um eine T-Zell-vermittelte Autoimmunerkrankung handelt.
Bei Patienten mit Lichen ruber zeigt sich gehäuft eine Virushepatitis, wobei sowohl
die Infektion als auch eine Therapie der Infektion durch Interferon einen Lichen ruber
auslösen kann.
Beschreiben Sie die histologischen Veränderungen bei Lichen ruber.
Es zeigen sich eine Hyperkeratose mit Hypergranulose sowie eine klassische Interface-Dermatitis
mit sägezahnartiger Ausfransung der Epidermis und einem dichten bandförmigen subepidermalen
Infiltrat.
Zusätzlich lassen sich häufig sog. „Civatte Bodies“ (zytoide Körperchen) identifizieren.
Dies sind apoptotische Zellen, die durch die vorzeitige terminale Differenzierung
mit verstärkten Zell-Zell-Adhäsionen weniger leicht durch die Epidermis nach oben
ausgeschleust werden können und sich daher an den „Sollbruchstellen“ der beschädigten
dermoepidermalen Junktionszone finden.
Bei welcher Form des Lichen ruber kann es zu einer Alopezie kommen?
Beim Lichen planopilaris (syn. Lichen ruber follicularis).
Hierbei handelt es sich um einen Lichen ruber der Haarfollikel. Am Kopf kann es hierbei
zu einer vernarbenden Alopezie kommen ([Abb. 2]). Bei gemeinsamem Auftreten von follikulärem Lichen ruber, vernarbender Alopezie
sowie Nageldystrophie spricht man vom Graham-Little-Lasseur-Syndrom.
Welche Therapiemöglichkeiten gibt es beim Lichen ruber?
Abhängig von der Ausprägung des Befalls kommen topische Steroide der Klasse III–IV
zum Einsatz, Bade- oder Creme-PUVA-Therapien sowie bei einem exanthematischen Lichen
ruber systemische Retinoide (Acitretin).
Grundsätzlich ist die Erkrankung selbstlimitierend, jedoch muss aufgrund des ausgedehnten
klinischen Befundes bzw. des ausgeprägten Juckreizes i. d. R. eine symptomatische
Therapie durchgeführt werden. Bei schwerem und therapieresistentem Verlauf empfiehlt
sich eine kurzfristige intensive Kombinationstherapie aus topischen Steroiden der
Klasse IV unter Okklusion, PUVA-Therapie und systemischen Retinoiden, z. B. Acitretin.
Beschreiben Sie das klinische Bild eines Lichen nitidus.
Weißliche bis rot-bräunliche, sehr kleine, perlmuttartig glänzende, gruppiert stehende
Papeln ohne wesentliche Symptome.
Der Lichen nitidus wird von einigen Autoren als eine Sonderform des Lichen ruber bezeichnet,
es bestehen jedoch üblicherweise keine klinischen Beschwerden und eine Therapie ist
zumeist nicht notwendig. Die Prädilektionsstellen der kleinen Papeln sind Unterarme,
Abdomen, Penis und Glutealregion.
Bei welchen lichenoiden Dermatosen treten lineare Hautveränderungen auf?
– Lichen striatus
– Lichen ruber planus linearis
Auch bei einem Lichen ruber können linear angeordnete Papeln auftreten. Hier entstehen
sie im Rahmen des Köbner-Phänomens durch das Reiben der Haut, primär sind beim Lichen
ruber jedoch keine linearen Hautveränderungen festzustellen. Beim Lichen striatus
und dem Lichen ruber planus linearis hingegen finden sich linear angeordnete lichenoide
Papeln im Verlauf von Blaschko-Linien (Lichen striatus) oder häufig an den Unterschenkeln
(Lichen ruber planus linearis). Beide Erkrankungen treten meist bei Kindern auf.




Prof. Dr. med. Martin Metz, Berlin
Zitierweise für diesen Artikel
Dieser Beitrag ist ein Auszug aus dem Kapitel: Metz M. Allergische Dermatosen – Ekzeme. In: von Stebut E, Maurer M, Berneburg M, Steinbrink K, Hrsg. Facharztprüfung Dermatologie und Venerologie – 1000 kommentierte Prüfungsfragen. Stuttgart: Thieme; 2020: 50–57. doi:10.1055/b000000044.
Publication History
Article published online:
22 July 2022
© 2022. Thieme. All rights reserved.
Georg Thieme Verlag KG
Rüdigerstraße 14, 70469 Stuttgart, Germany




