Aktuelle Dermatologie 2022; 48(11): 482
DOI: 10.1055/a-1857-2847
Derma-Fokus

Kontaktsensibilisierung auf essentielle Öle

Authors

    Contributor(s):
  • Judith Lorenz

Geier J. et al.
Contact sensitization to essential oils: IVDK data of the years 2010–2019..

Contact Dermatitis 2022;
DOI: 10.1111/cod.14126
 

Essentielle Öle kommen in Kosmetika, Massageölen, Parfums sowie in Aromatherapie- und Naturmedizin-Produkten vor. Einige dieser Öle oder deren Inhaltsstoffe können bei den Anwenderinnen und Anwendern Kontaktallergien hervorrufen. Wie häufig treten Kontaktallergien auf essentielle Öle sowie Begleitreaktionen auf andere Duftstoffe auf? Und welche Personengruppen sind diesbezüglich besonders gefährdet?


Diese und andere Fragen beleuchtete ein Forscherteam aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler analysierten Daten des Informationsverbunds Dermatologischer Kliniken (IVDK) der Jahre 2010 bis 2019. Am IVDK-Netzwerk beteiligen sich 58 dermatologische Kliniken in Deutschland, Österreich und der Schweiz, die sich auf die Erfassung und wissenschaftliche Auswertung von Kontaktallergien spezialisiert haben, berichten sie. Die Datenbank bildet die medizinische Vorgeschichte, klinische Informationen sowie die Ergebnisse der Epikutantestung ab. In ihrer Analyse berücksichtigten die Forschenden alle Patch-Tests, die entsprechend der Empfehlungen der Deutschen Kontaktallergie-Gruppe (DKG) durchgeführt worden waren.

Ergebnisse

Während des Studienzeitraums absolvierten 10930 Patientinnen und Patienten die DKG-Testreihe Nr. 44 „Weitere Duftstoffe und etherische Öle“. 908 (8,3%) dieser Personen reagierten dabei auf mindestens eines der 14 getesteten essentiellen Öle und 823 von diesen (90,6%) reagierten zusätzlich auf mindestens einen Marker der Basisreihe (Duftstoff-Mix I oder II oder Perubalsam). Nur 6 essentielle Öle riefen mehr als 1% positive Patch-Test-Reaktionen hervor. Dabei handelte es sich um Ylang Ylang (I + II) Öl (3,9% positive Reaktionen), Lemongrasöl (2,6%), Jasmin absolut (1,8%), Sandelholzöl (1,8%), Nelkenöl (1,6%) sowie Orangenöl (1,1%). 10376 der Studienpatientinnen und -patienten absolvierten zusätzlich einen Test mit Natriumlaurylsulfat, mit dessen Hilfe irritative Hautreaktionen objektiviert wurden. Dieser fiel in 3155 Fällen (30,4%) positiv aus. Im Vergleich zu den Personen mit negativem Irritationstest stellten die Forschenden bei den Personen mit positivem Irritationstest häufiger zweifelhafte und irritative Reaktionen auf die getesteten essentiellen Öle fest. Ferner fanden sie heraus, dass Personen, welche auf essentielle Öle reagierten, häufig zusätzlich auch auf Duftstoffkomponenten dieser Öle reagierten. Auch Mehrfachreaktionen auf essentielle Öle waren häufig: 493 Personen (54,3%) reagierten auf ein essentielles Öl, 183 (20,2%) auf 2, 112 (12,3%) auf 3 und 120 (13,2%) auf 4 oder mehr. Abschließend verglichen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die 908 Personen, die auf mindestens ein essentielles Öl Hautreaktionen gezeigt hatten, mit den 10022 Personen, deren Epikutantest negativ ausgefallen war: Die Personen mit einer Kontaktallergie waren signifikant häufiger Frauen (76,6 vs. 70,1%), meist älter als 40 Jahre (73,9 vs. 68,5%), litten häufiger an einer Dermatitis der unteren Extremität (6,1 vs. 3,1%) und übten überproportional häufig eine Massage-/Physiotherapie- (8,9 vs. 3,0%) bzw. Kosmetik-Tätigkeit (1,7 vs. 0,6%) aus.

Fazit

Im Vergleich zu früheren IVDK-Analysen haben sich die Häufigkeit und das Muster von Kontaktallergien auf essentielle Öle kaum verändert, schließen die Autorinnen und Autoren. Insgesamt sind Sensibilisierungen gegen essentielle Öle oder ihre Inhaltsstoffe selten. Da bislang nicht alle Komponenten der Öle als Reinsubstanz für die Epikutantestung verfügbar sind, kann in vielen Fällen das kausale Allergen nicht eindeutig identifiziert werden, berichten sie.


Dr. med. Judith Lorenz, Künzell



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Dr. med. Judith Lorenz
Künzell
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Article published online:
14 November 2022

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