Aktuelle Dermatologie 2022; 48(11): 484-486
DOI: 10.1055/a-1857-2863
Derma-Fokus

Botulinumtoxin verbessert die Narbenheilung an der Stirn

Authors

    Contributor(s):
  • Judith Lorenz

Lin MJ. et al.
Botulinum toxin improves forehead scars after Mohs surgery: A randomized, double-blinded, controlled study.

J Am Acad Dermatol 2022;
86: 964-966
DOI: 10.1016/j.jaad.2021.03.110
 

Exzisionen an der Stirn stellen angesichts der exponierten Lage der entstehenden Narbe eine große chirurgische Herausforderung dar. Die postoperative chemische Denervierung der Stirnmuskulatur mittels großflächigen Botulinumtoxin-Injektionen reduziert – so die Theorie – die Spannungen auf dem Narbengewebe. Ob sich dies tatsächlich auch im späteren kosmetischen Ergebnis niederschlägt, untersuchte nun ein Forscherteam aus New York.


Botulinumtoxin lähmt nicht nur die Muskulatur, sondern führt zudem vermutlich zu einer Downregulation von an der Entwicklung hypertophen Narbengewebes beteiligten Wachstumsfaktoren, erläutern die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. An der von ihnen initiierten randomisierten Doppelblindstudie nahmen 42 erwachsene Personen kaukasischer Abstammung teil, die sich einer Hautexzision an der Stirn unter Einsatz der Mohs-Technik unterziehen mussten. In allen Fällen hatte das Wundbett einen Durchmesser von mehr als 10mm. Unmittelbar nach dem chirurgischen Wundverschluss applizierten die Operateurinnen und Operateure bei 20 Personen multiple subkutane Injektionen von Onabotulinumtoxin A in Form eines standardisierten Protokolls in die Stirn bzw. den Glabellakomplex. Die 20 Personen der Kontrollgruppe erhielten an den entsprechenden Lokalisationen Placebo-Injektionen (Kochsalzlösung). Eine Botulinumtoxin-Überempflindlichkeit, eine Schwangerschaft, Stillen sowie neurologische Vorerkrankungen stellten Ausschlusskriterien dar. Nach 6 Monaten beurteilte ein Chirurg einer anderen Abteilung – ohne Kenntnis der Gruppenzuteilung – das kosmetische Ergebnis. Er erhob dabei die Modified Manchester Scar Scale sowie die Visual Analog Scar Scale und objektivierte die Narbenbreite.

Ergebnisse

Zum Nachbeobachtungszeitpunkt erreichten die mit Botulinumtoxin behandelten Patientinnen und Patienten auf der Modified Manchester Scar Scale einen medianen Punktwert von 8, die Kontrollen dagegen von 11,5 (p = 0,02). Auch im Hinblick auf die Visual Analog Scar Scale (median 2 vs. 3,5; p = 0,02) sowie die Narbenbreite (2,2 vs. 3,2mm; p = 0,04) erwies sich die Injektion des Nervengifts als vorteilhaft. Bei einer Person der Verumgruppe, die an einer vorbestehenden Blepharoptose litt, verschlechterte sich nach dem Eingriff die Ptose. Diese Problematik bildete sich jedoch innerhalb von 3 Wochen wieder zurück.

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Abb. 1 In der Theorie reduziert die postoperative chemische Denervierung der Stirnmuskulatur mittels Botulinumtoxin-Injektionen die Spannungen auf dem Narbengewebe. Ob sich dies im späteren kosmetischen Ergebnis niederschlägt, wurde in einer aktuellen Studie untersucht. (Symbolbild; Bildquelle: 9ronstik/stock.adobe.com - Stock photo. Posed by a model)
Fazit

Eine großflächige, hochdosierte Behandlung der Stirn mit Botulinumtoxin sorgt für eine maximale symmetrische Muskelruhigstellung, unterstreichen die Forschenden. Bei einer vorbestehenden Ptose raten sie jedoch von dieser Behandlung ab bzw. empfehlen eine Dosisreduktion. Weitere Studien müssen nun ihrer Ansicht nach die Behandlungsergebnisse nach längerer Nachbeobachtungszeit beleuchten und klären, ob neuere Neurotoxine, die meist schneller wirken, eine noch effektivere Immobilisation gewährleisten.


Dr. med. Judith Lorenz, Künzell



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Dr. med. Judith Lorenz
Künzell
Deutschland

Publication History

Article published online:
14 November 2022

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Abb. 1 In der Theorie reduziert die postoperative chemische Denervierung der Stirnmuskulatur mittels Botulinumtoxin-Injektionen die Spannungen auf dem Narbengewebe. Ob sich dies im späteren kosmetischen Ergebnis niederschlägt, wurde in einer aktuellen Studie untersucht. (Symbolbild; Bildquelle: 9ronstik/stock.adobe.com - Stock photo. Posed by a model)