Aktuelle Dermatologie 2022; 48(11): 482-484
DOI: 10.1055/a-1857-2898
Derma-Fokus

Transpositionslappenplastik bei großen Kopfhautdefekten vor Strahlentherapie

Authors

    Contributor(s):
  • Judith Lorenz

Mittank-Weidner T. et al.
Covering of large scalp defects prior to postoperative irradiation.

J Dtsch Dermatol Ges 2022;
20: 611-616
DOI: 10.1111/ddg.14687
 

Ausgedehnte Plattenepithelkarzinome der Kopfhaut stellen häufig eine große chirurgische Herausforderung dar. Bei Patientinnen und Patienten mit Strahlentherapieindikation muss zudem zur Defektdeckung eine Methode gewählt werden, die anschließend eine frühzeitige Radiatio des Tumorbetts erlaubt. Forscherinnen und Forscher aus Leipzig berichten ihre Erfahrungen mit einer transversalen Transpositionslappenplastik.


Die Entnahmestelle des Rotationslappens wird mittels eines von der Rückseite des Kopfes entnommenen Spalthauttransplantats gedeckt, erläutert die Arbeitsgruppe aus der Klinik und Poliklinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie der Universitätsklinik Leipzig. Zwischen 2013 und 2020 wurden auf diese Weise 76 Patientinnen und Patienten mit einem histologisch bestätigten Plattenepithelkarzinom der Kopfhaut behandelt. In allen Fällen erfolgte die mikroskopisch kontrollierte Tumorexzision unter Einsatz des La Galette-Verfahrens. Nun analysierten die Forschenden die Daten von 11 dieser Personen, welche sich nach dem operativen Eingriff einer Strahlentherapie unterzogen hatten. Sie beleuchteten dabei insbesondere die onkologische Sicherheit des chirurgischen Vorgehens im Hinblick auf die Rezidivrate. Ferner objektivierten sie die Häufigkeit postoperativer Wundheilungsstörungen sowie die Nebenwirkungen der Radiatio.

Ergebnisse

Das Studienkollektiv umfasste 10 Männer und eine Frau im Durchschnittsalter von 81 Jahren. In 2 Fällen erwies sich der basale Resektionsrand nicht als tumorfrei. Bei allen Operierten zeigten sich histologisch jedoch die lateralen Resektionsränder frei von invasivem Tumor. Der vertikale Tumordurchmesser betrug durchschnittlich 6,9mm, in 9 Fällen lag eine Perineuralscheideninfiltration und in 2 Fällen eine lymphovaskuläre Invasion vor. Trotz des fortgeschrittenen Altes und der Komorbiditäten der Patientinnen und Patienten war in allen Fällen eine Resektion und Defektdeckung in Tumeszenz-Lokalanästhesie möglich. In einem Fall musste einige Tage nach der Operation ein Hämatom unterhalb des Rotationslappens ausgeräumt werden. Die Radiatio begann im Schnitt 64 Tage nach der Tumorexzision. 3 Personen erlitten eine zweitgradige Strahlendermatitis und eine Person entwickelte eine Alopezie Grad 2. Spätkomplikationen, insbesondere Lappennekrosen, traten nicht auf. Die Dauer der Nachbeobachtungszeit nach Radiatio variierte zwischen 72 Tagen und 3,7 Jahren. 3 Patientinnen und Patienten waren zum Zeitpunkt der retrospektiven Analyse verstorben. Alle therapiebedingten Nebenwirkungen hatten sich im Verlauf zurückgebildet. Lokalrezidive oder Fernmetastasen traten im Studienkollektiv nicht auf.

Fazit

Das Autorenteam schlussfolgert: Bei Personen mit ausgedehnten Plattenepithelkarzinomen der Kopfhaut kann das bis zur Schädelkalotte reichende Tumorbett einzeitig in Tumeszenz-Lokalanästhesie durch eine transversale Transpositionslappenplastik in Kombination mit einer Defektdeckung durch Spalthaut verschlossen werden. Die anschließend eingeleitete Radiatio verläuft – bei hoher onkologischer Sicherheit – im Hinblick auf die Wundheilung und die Nebenwirkungen in der Regel unproblematisch.


Dr. med. Judith Lorenz, Künzell



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Dr. med. Judith Lorenz
Künzell
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Article published online:
14 November 2022

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