Teunissen JS.
et al.
The prevalence, incidence, and progression of radiographic thumb base
osteoarthritis in a population-based cohort: the Rotterdam Study.
Osteoarthritis Cartilage 2022;
30: 578-585
Diesen Fragen ging ein Forscherteam aus den Niederlanden nach. Die
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werteten die Daten von 7792 Männern
und Frauen aus, die zwischen 1990 und 2001 im Alter von 55 Jahren oder höher
in die Kohorte I bzw. II der Rotterdam-Studie eingeschlossen worden waren. Diese
noch andauernde prospektive Bevölkerungsstudie untersucht das Auftreten
chronischer Erkrankungen und die damit verbundenen Faktoren bei älteren
Menschen. Von allen Personen waren bei Studieneinschluss Röntgenaufnahmen
beider Hände angefertigt worden. Im weiteren Beobachtungszeitraum –
nach 12 Jahren (Kohorte I) bzw. nach 4 Jahren (Kohorte II) – hatten 3804
Personen erneut eine Röntgendiagnostik absolviert. Anhand der
Röntgenaufnahmen objektivierten die Forschenden das Arthrosestadium mithilfe
der Klassifikation nach Kellgren-Lawrence. Von einer radiologisch
bestätigten Arthose im Daumensattelgelenk bzw. im Skaphotrapezialgelenk
gingen sie bei einem Kellgren-Lawrence-Grad ≥ 2 aus. Sie prüften,
wie viele Personen bereits bei Studieneinschluss entsprechende
Röntgenveränderungen aufwiesen, welche Progression diese
Läsionen im weiteren Beobachtungszeitraum zeigten und bei wie vielen der
initial gesunden Personen im Verlauf erstmals Arthrosezeichen auftraten.
Ergebnisse
Die Studienteilnehmeden waren im Schnitt 65,3 Jahre alt und 56,2% waren
Frauen. Bei Studieneinschluss wiesen 1977 Personen (25,3%) radiologische
Zeichen der Rhizarthrose und 1133 (14,5%) radiologische Zeichen der
Skaphotrapezialgelenkarthrose auf. Bei beiden Erkrankungen war die
Prävalenz bei den Frauen signifikant höher als bei den
Männern (altersadjustierte Odds Ratio 1,98; 95% KI
1,77–2,21 bzw. 2,00; 95% KI 1,74–2,29) und nahm mit
jedem Jahr um 8 bzw. 6% zu (geschlechtsadjustierte Odds Ratio 1,08;
95% KI 1,07–1,08 bzw. 1,06; 95% KI 1,05–1,07).
512 Personen entwickelten im Verlauf eine radiologisch bestätigte
Rhizarthrose und 167 eine Skaphotrapezialgelenkarthrose. Frauen waren
diesbezüglich erneut häufiger betroffen als Männer. Die
Mehrzahl (85,4%) der inzidenten Rhizarthrosen war leichtgradig
(Kellgren-Lawrence-Grad 2), wogegen die Mehrzahl (86,8%) der
Skaphotrapezialgelenkarthrosen eine mäßige bis schwere
Ausprägung zeigte (Kellgren-Lawrence-Grad 3/4). 100 Personen mit
einer vorbestehenden Rhizarthrose und 17 Personen mit vorbestehender
Skaphotrapezialgelenkarthrose erlitten im Verlauf der Beobachtungsphase einen
Krankheitsprogress. In 88 bzw. 23,5% dieser Fälle handelte es
sich dabei um Personen mit einem initialen Kellgren-Lawrence-Grad 2. Eine
vorbestehende Sattelgelenkarthrose erhöhte das Risiko für eine
simultane Skaphotrapezialgelenkarthrose um das Vierfache und umgekehrt (alters-
und geschlechtsadjustierte Odds Ratio 4,06; 95% KI 3,54–4,66).
Ferner stieg bei einer initialen Sattelgelenkarthrose die Wahrscheinlichkeit
für eine spätere Skaphotrapezialgelenkarthrose.
Ein erheblicher Anteil der älteren niederländischen
Bevölkerung weist radiologische Arthrosezeichen im Daumensattel-
oder Skaphotrapezialgelenks auf, so das Fazit der Autorinnen und Autoren.
Eine Rhizarthrose stellt dabei offenbar einen starken Prädiktor
für eine spätere Skaphotrapezialgelenkarthrose dar. Ihrer
Ansicht nach muss nun unter anderem geklärt werden, bei welchen
Betroffenen die radiologische zu einer symptomatischen Arthrose
fortschreitet.
Dr. med. Judith Lorenz, Künzell