Holten K.
et al.
Fatigue in patients with early rheumatoid arthritis undergoing
treat-to-target therapy: predictors and response to treatment.
Ann Rheum Dis 2022;
81: 344-350
Patienten mit RA litten insbesondere zu Beginn der Erkrankung an starker
Müdigkeit. Während der Behandlung ging diese meist rasch und
nachhaltig zurück. Eine niedrige objektive Krankheitsaktivität
und eine hoher Globalbewertung durch die Patienten bei Studienbeginn erwiesen
sich als Prädiktoren für eine klinisch relevante
Müdigkeit nach 24 Monaten. Die Forscher werteten Daten der Aiming for
Remission in Rheumatoid Arthritis: a Randomised Trial Examining the Benefit
of Ultrasound in a Clinical Tight Control Regime (ARCTIC)-Studie aus.
Die Probanden der Studie wurden zwischen 2010 und 2013 in 11 norwegischen
Rheumazentren 1:1 zu einer Treat-to-Target-Strategie mit oder ohne Anwendung der
muskuloskelettalen Ultraschalluntersuchung bei klinischen Untersuchungen und
Behandlungsentscheidungen randomisiert. Die Experten behandelten alle Patienten
mit einer Kombination aus Methotrexat (15 mg/Woche, eskaliert
auf 20–25 mg/Woche) und Prednisolon (15 mg,
ausgeschlichen auf 0 mg) während der ersten 7 Wochen. Alle
Patienten hatten eine Symptomdauer von weniger als 24 Monaten und keine
vorherige Behandlung mittels krankheitsmodifizierenden Antirheumatika (DMARDs).
Mittels visueller Analogskala (VAS; 0–100 mm) erfassten die
Forscher die Müdigkeit der Patienten bei allen Visiten mit der Frage
„Hatten Sie in der letzten Woche Probleme mit
Müdigkeit?“. Ein Wert<20 mm indizierte keine,
Werte≥20 mm eine klinisch relevante Müdigkeit.
Zusätzlich erhoben die Forscher zahlreiche klinische Parameter,
demografische Angaben, ermittelten die Krankheitsaktivität mittels DAS
und Laborwerte.
Insgesamt 205 Patienten bezogen die Experten in die Analyse ein. 69% der
Probanden berichteten zu Studienbeginn über eine Müdigkeit
von≥20 mm, der Median lag bei 37 mm. Ein
durchschnittlicher DAS-Wert von 3,4 entsprach einer moderaten
Krankheitsaktivität bei Studienbeginn. Die Müdigkeit ging mit
dem Beginn der Therapie rasch und nachhaltig zurück, wobei die
Wissenschaftler den größten Rückgang innerhalb der
ersten 3 Monate beobachteten. Nach 24 Monaten war der Median der
Müdigkeit von 37 mm auf 9 mm signifikant gesunken.
Parallel zur Verbesserung der Müdigkeit verbesserte sich auch die
Krankheitsaktivität. Jene Patienten, die angaben, unter starker
Müdigkeit zu leiden, wiesen auch eine hohe Krankheitsaktivität
auf. Als Baseline-Prädiktoren für Müdigkeit nach 24
Monaten identifizierten die Forscher eine geringere Anzahl geschwollener
Gelenke, ein niedrigerer Ultraschall-Power-Doppler-Score und eine höhere
globale Patientenbewertung.
Eine frühe Remission der RA verringert Müdigkeit bei
RA-Patienten. Ein höheres Risiko für Müdigkeit
besteht bei RA-Patienten mit niedrigen objektiven Messwerten der
Krankheitsaktivität und einer hohen von den Patienten berichteten
Gesamtbeurteilung der Krankheit zu Beginn der Behandlung. Bei diesen
Patienten könnte ein nicht-pharmakologischer Ansatz zur Behandlung
von Müdigkeit in Betracht gezogen werden, so die Experten.
Dr. Maddalena Angela Di Lellis, Tübingen