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DOI: 10.1055/a-1862-0395
Hautantisepsis bei Neugeborenen: Welche Chlorhexidinkonzentration ist sicher?
Authors
Aqueous chlorhexidine 1% versus 2% for neonatal skin antisepsis: a randomised non-inferiority trial.
Arch Dis Child Fetal Neonatal Ed 2021;
106: 643-648
DOI: 10.1136/ archdischild-2020-321174
Um Infektionskrankheiten vorzubeugen, ist die Desinfektion der Haut durch ein geeignetes Antiseptikum von entscheidender Bedeutung. Bei Neugeborenen kommt zur Hautantisepsis häufig Chlorhexidin in wässriger Lösung (0,5–2% w/v) zum Einsatz – obwohl dessen Wirksamkeit und Sicherheit nicht belegt ist. Durch die perkutane Absorption von Chlorhexidin besteht zudem die Gefahr einer Hautdermatitis und einer systemischen Toxizität.
Derzeit wird auf Neonatalen-Intensivstationen zur Hautantisepsis v.a. Chlorhexidingluconat (CHG) in wässriger und alkoholischer Lösung (0,5%–2% w/v) bei Neugeborenen eingesetzt. Jedoch berichten einige Studien über lokale Hautreaktionen im Zusammenhang mit CHG bei Frühgeborenen. Darüber hinaus gibt es Bedenken hinsichtlich der systemischen Absorption und der potenziellen Neurotoxizität, und es besteht bei einer alkoholischen Zubereitung möglicherweise ein höheres Risiko für Dermatitis und systemische Absorption von Chlorhexidin als bei einer wässrigen Zubereitung. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Indien verglichen daher nun die Wirksamkeit von CHG in wässriger Lösung in einer Konzentration von 1% und 2% bei der Hautantisepsis bei Früh-/Neugeborenen. Dafür führten sie eine parallele, verblindete, randomisierte Nichtunterlegenheitsstudie mit Früh-/Neugeborenen durch, die zwischen Juni und Dezember 2019 mit einem Gestationsalter zwischen 260/7 und 426/7 zur Welt kamen und für mindestens 48 h auf eine NICU aufgenommen werden mussten. Nach Aufnahme in die Studie wurden die Teilnehmenden randomisiert (1:1) und erhielten entweder eine Hautantisepsis mit 1%igem oder 2%igem CHG in wässriger Lösung. Jeweils vor und nach dem Auftragen der antiseptischen Lösung entnahmen die Forschenden einen Hautabstrich.
Das primäre Studienergebnis war der Anteil der negativen Hautabstrichkulturen nach der Hautantisepsis. Zu den sekundären Ergebnissen gehörten lokale unerwünschte Hautreaktionen nach 0 h, 6 h, 12 h und 24 h sowie die Chlorhexidin-Konzentration im Plasma in einer Untergruppe der Studienpopulation.
Während des Studienzeitraums wurden 308 Frühgeborene mit einem mittleren Schwangerschaftsalter von 34 (31–37) Wochen und einem mittleren Geburtsgewicht von 2029 g in 685 Fällen randomisiert (1%-CHG: n=341; 2%-CHG: n=344).
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Der Anteil der negativen Hautabstriche nach Anwendung von 1%-CHG und 2%-CHG betrug 93,0% bzw. 95,6% (Risikodifferenz –2,7%, 95%-KI –6,2%–0,8%).
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Die untere Grenze des 95%-KI überschritt die vordefinierte absolute Nichtunterlegenheitsgrenze von 5%, d.h. Unterlegenheit von 1%igem-CHG konnte nicht nachgewiesen werden.
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Bei den Frühgeborenen trat in 16 Fällen (2,3%) eine leichte Dermatitis auf. Das Risiko war in beiden Gruppen mit jeweils 2,3% ähnlich (Risikodifferenz +0,02%, 95%-KI 2,2%–2,2%).
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Der Chlorhexidin-Plasmaspiegel wurde bei 59 Frühgeborenen bestimmt. Dabei differierten die medianen CHG-Plasmakonzentrationen 24 h nach dem Eingriff nicht zwischen den beiden Gruppen: 1%-CHG: 19,6 ng/ml; 2%-CHG 12,6 ng/ml.
Laut den Autoren belege die Studie, dass 1%iges CHG in wässriger Lösung bei der Hautantisepsis von Frühgeborenen der 2%igen CHG-Konzentration nicht unterlegen sei. In beiden Konzentrationen verursachte das Chlorhexidin in wässriger Lösung zudem keine schwerwiegenden unerwünschten Hautreaktionen bei Frühgeborenen. Bei allen Frühgeborenen, von denen Blutproben entnommen wurden, war Plasma-Chlorhexidin nachweisbar, wobei die Chlorhexidin-Plasmaspiegel in beiden Gruppen ähnlich waren.
Leandra Metzger, Stuttgart
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Article published online:
22 July 2022
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