Liebling EJ.
et al.
Temporal Relationship Between Juvenile Idiopathic Arthritis Disease Activity
and Uveitis Disease Activity.
Arthritis Care Res 2022;
74: 349-354
Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werteten die Daten von 98 Kindern
und Jugendlichen im Alter ≤ 21 Jahre aus, die zwischen 2013 und 2019 am
Children’s Hospital of Philadelphia rheumatologisch betreut worden
waren. Alle Patientinnen und Patienten litten an einer JIA mit
Uveitis-Komponente. Während des Studienzeitraums hatten sie sich im
Median 13 mal in der Klinik vorgestellt, wobei bei jedem Termin die
Arthritisaktivität objektiviert worden war. Nun prüften die
Forschenden, bei wie vielen Betroffenen innerhalb von 45 Tagen vor oder nach der
rheumatologischen Untersuchung ophthalmologisch eine aktive Uveitis
diagnostiziert worden war und inwiefern – unter Berücksichtigung
zahlreicher potenzieller demografischer, krankheitsspezifischer bzw.
therapieassoziierter Störvariablen – ein zeitlicher Zusammenhang
zwischen der Gelenk- und der Augenproblematik bestand.
Ergebnisse
83% der Studienpatientinnen und -patienten waren weiblich, 60%
litten an dem oligoartikulären JIA-Subtyp, 13% an einer
Enthesitis-assoziierten Arthritis und 69% wiesen antinukleäre
Antikörper (ANA) auf. Während des Beobachtungszeitraums
erhielten 70% mindestens ein biologisches krankheitsmodifizierendes
antirheumatisches Medikament, 83% erhielten nicht biologische
krankheitsmodifizierende antirheumatische Medikamente und 65% eine
Kombinationstherapie. Insgesamt werteten die Forschenden 1229 rheumatologische
Patientenvorstellungen aus. Bei 17% dieser Termine lag eine aktive
Arthritis vor. Innerhalb von 45 Tagen vor bzw. nach dem Rheumatologietermin
wurde in 18% der Fälle eine aktive Uveitis diagnostiziert und in
59% eine inaktive Uveitis. In 23% der Fälle hatte
innerhalb des 45-Tage-Zeitfensters keine augenärztliche Untersuchung
stattgefunden. Eine aktive Uveitis innerhalb von 45 Tagen vor bzw. nach der
Diagnose einer aktiven Arthritis stellte die Arbeitsgruppe bei 6% der
Untersuchungstermine fest und eine inaktive Uveitis innerhalb des
45-Tage-Zeitfensters vor bzw. nach der Diagnose einer inaktiven Gelenkerkrankung
in 51% der Fälle. Bei 73% der Termine stimmten die
Krankheitsaktivität an den Gelenken und die Krankheitsaktivität
an den Augen überein. Den Berechnungen der Forschenden zu Folge bestand
ein unabhängiger zeitlicher Zusammenhang zwischen der Arthritis- und der
Uveitis-Aktivität (Odds Ratio 2,47; 95% KI 1,72–3,54).
Weibliches Geschlecht, eine Kombinationstherapie aus biologischen und nicht
biologischen krankheitsmodifizierenden antirheumatischen Medikamenten,
HLA-B27-Positivität, eine Enthesitis-assoziierte Arthritis sowie der
polyartikuläre (Rheumafaktor-negative)Subtyp gingen mit einem
signifikant geringeren Uveitis-Risiko einher.
Bei Patientinnen und Patienten mit einer JIA mit Uveitis-Komponente, so das
Fazit der Autorinnen und Autoren, besteht ein starker zeitlicher
Zusammenhang zwischen der Aktivität der Gelenkentzündung und
der Uveitis-Aktivität. Sie empfehlen daher, bei Auftreten von
Gelenkmanifestationen umgehend eine ophthalmologische Vorstellung der
Betroffenen einzuleiten, damit ein Uveitis-Schub frühzeitig erkannt
und entsprechend behandelt werden kann.
Dr. med. Judith Lorenz, Künzell