Reichenbach S.
et al.
Effect of transcutaneous electrical nerve stimulation (TENS) on knee pain
and physical function in patients with symptomatic knee osteoarthritis: the
ETRELKA randomized clinical trial.
Osteoarthritis Cartilage 2022;
30: 426-435
An der randomisierten Doppelblindstudie beteiligten sich 6 Ambulanzkliniken in
der Schweiz. Das Studienkollektiv bildeten 220 Männer und Frauen mit
einer symptomatischen, radiologisch bestätigten Kniegelenkarthrose.
Gemäß Randomisierung absolvierten 108 Personen über
einen Zeitraum von 3 Wochen 9 TENS-Sitzungen unter professioneller Anleitung.
Die 112 Patientinnen und Patienten der Kontrollgruppe erhielten dagegen eine
Scheinintervention. Als primären Studienendpunkt definierten die
Forschenden die mittels WOMAC (Western Ontario and McMaster Universities
Osteoarthritis Index) objektivierte Schmerzbelastung im Kniegelenk am Ende der
dreiwöchigen Interventionsphase. Zusätzlich erfassten sie
zahlreiche sekundäre Endpunkte wie die Gelenkfunktion und -steifigkeit,
den Analgetikabedarf, die emotionale Verfassung der Behandelten sowie die
Nebenwirkungen der Behandlung.
Ergebnisse
Die mit TENS bzw. Placebo-TENS behandelten Personen waren im Schnitt 65 bzw. 66
Jahre alt und 48 bzw. 54% waren Frauen. Nach der dreiwöchigen
Studienphase unterschieden sich die beiden Behandlungsgruppen im Hinblick auf
die mittels WOMAC objektivierten Schmerzbelastung nicht wesentlich. Auch nach 15
Wochen stellten die Forschenden diesbezüglich keine signifikanten
Unterschiede fest. Verschiedene Subgruppenanalysen ergaben keine Hinweise auf
Interaktionen zwischen Patienten- bzw. Therapieeigenschaften und dem
analgetischen Therapieeffekt am Ende der Behandlungsphase, das heißt,
die Forschenden konnte keine Subgruppe identifizieren, die
möglicherweise von der TENS profitiert. Auch im Hinblick auf die
funktionellen Parameter und den Analgetikabedarf sowie sämtliche weitere
sekundäre Endpunkte stellten die Forschenden keine wesentlichen
Unterschiede zwischen der TENS- und der Scheinintervention fest.
Unerwünschte Ereignisse erlitten 10,4% der mit TENS und
10,6% der mit Placebo behandelten Patientinnen und Patienten (p
= 0,95) und eine bzw. 2 Personen dieser beiden Gruppen beendeten die
Behandlung nebenwirkungsbedingt (p = 0,60).
Die TENS lindert Gonarthrose-Schmerzen nicht besser als eine
Placebo-Intervention, schlussfolgern die Autorinnen und Autoren. Angesichts
der schlüssigen Studienergebnisse raten sie von einer weiteren
Prüfung der Methode gegen Placebo ab. Für die klinische
Praxis empfehlen sie den Einsatz wirksamerer Therapiestrategien zur
Linderung von Gonarthrosebeschwerden inklusive der Motivation der
Betroffenen zu Kräftigungsübungen und aerobem Training.
Dr. med. Judith Lorenz, Künzell