Boers M.
et al.
Low dose, add-on prednisolone in patients with rheumatoid arthritis aged
65+: the pragmatic randomised, double-blind placebo-controlled
GLORIA trial.
Ann Rheum Dis 2022;
81: 925-936
Die Gabe von niedrig dosiertem Prednisolon wirkt sich bei älteren
Patienten mit etablierter RA langfristig positiv aus, wobei die Anzahl meist
leichter Nebenwirkungen zunimmt. Im Rahmen der randomisierten, doppelblinden,
placebokontrollierten, multizentrischen GLORIA (Glucocorticoid LOw-dose in
RheumatoId Arthritis)-Studie schlossen die Forscher RA-Patienten aus 28
klinischen Zentren in sieben EU-Ländern ein. Einschlussfähige
Patienten wiesen ein Alter von mindestens 65 Jahren auf und hatten eine RA mit
einem 28-Gelenke-Krankheitsaktivitäts-Score (DAS28) von≥2,60.
Die Wissenschaftler randomisierten die Patienten 1:1 in 2 Gruppen, eine Gruppe
erhielt über 2 Jahre hinweg 5 mg/Tag Prednisolon, die
andere Gruppe erhielt ein Placebo. Zusätzlich zur Studienmedikation
erhielten alle Patienten eine antirheumatische Standardbehandlung. Als
primären Endpunkt betrachteten die Experten den DAS28; für
eventuell nachteilige Effekte des Prednisolons untersuchten die Forscher
außerdem die Gesamtzahl der Patienten, die mindestens ein
unerwünschtes Ereignis (AE) hatten. Das Fortschreiten von
Gelenkschäden (Röntgenbilder der Hände und
Füße) und die Knochengesundheit untersuchten die Wissenschaftler
als sekundäre Endpunkte.
Zwischen dem 27. Juni 2016 und dem 31. Dezember 2018 schlossen die Forscher 451
Patienten aus den Niederlanden (286), Italien (60), Rumänien (56) und 49
in Portugal, Ungarn, Deutschland und der Slowakei in die Studie ein. In beiden
Gruppen ging die Krankheitsaktivität in den ersten 3 Monaten
zurück und stabilisierte sich nach 1 Jahr. Über einen Zeitraum
von 2 Jahren führte die Prednisolon-Therapie zu einem um
durchschnittlich 0,37 niedrigeren DAS28 als Placebo. Eine Änderung der
medikamentösen Behandlung bei Studienbeginn wirkte sich signifikant auf
die Krankheitsaktivität aus und trug mit 0,57 zum Rückgang der
Krankheitsaktivität bei. Zu Beginn der Studie wiesen die meisten
Patienten Anzeichen von Gelenkschäden auf. Das Fortschreiten der
Erkrankung war in der Prednisolon-Gruppe deutlich geringer. Insgesamt traten bei
60% der Prednisolon-Patienten gegenüber 49% der
Placebo-Patienten Schäden auf. Am häufigsten traten Infektionen
auf. Im Laufe von 2 Jahren nahm die Knochendichte der Wirbelsäule bei
den Prednisolon-Patienten um etwa 1% ab, während sie bei den
Placebo-Patienten um 3% zunahm, ein Unterschied, der sich in der
statistischen Analyse als signifikant erwies. Ekchymosen, Hämatome und
Hautatrophien traten überwiegend in der Prednisolon-Gruppe auf.
Diese Studie liefert Belege für den Nutzen von Glukokortikoiden auf
die RA-Krankheitsaktivität und die Verlangsamung des Fortschreitens
von Gelenkschäden, so die Autoren. Damit einher geht jedoch ein
Anstieg unerwünschter Ereignisse, meist leichte bis mittelschwere
Infektionen, die eine Behandlung erforderten. Die Experten argumentieren,
dass dies jedoch die Obergrenze der zu erwartenden Schäden
darstellt, die bei einer Prednisolondosis von 5 mg/Tag zu
erwarten ist.
Dr. Maddalena Angela Di Lellis, Tübingen