Kearsley-Fleet L.
et al.
Outcomes of SARS-CoV-2 infection among children and young people with
pre-existing rheumatic and musculoskeletal diseases.
Ann Rheum Dis 2022;
81: 998-1005
Diesen Frage ging ein internationales Forscherteam mithilfe einer Register-basierten
Studie nach. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler identifizierten anhand des
von der European Alliance of Associations for Rheumatology (EULAR) etablierten
COVID-19-Registers, des US-amerikanischen Childhood Arthritis and Rheumatology
Research Alliance (CARRA)-Registers sowie der CARRA-geförderten COVID-19
Global Paediatric Rheumatology Database (GPRD) 607 Kinder und Jugendliche mit
rheumatischen oder muskuloskelettalen Erkrankungen aus 25 Ländern, die im
Alter unter 19 Jahren eine vermutete oder bestätigte SARS-CoV-2-Infektion
erlitten hatten. Die Forschenden analysierten die Charakteristika dieser
Patientinnen und Patienten, beschrieben den COVID-19-Verlauf in diesem Kollektiv und
identifizierten Faktoren, die für einen schweren Infektionsverlauf
prädisponierten.
Ergebnisse
Die Kinder und Jugendlichen waren im Median 14 Jahre alt und 66% waren
weiblich. 62% litten an einer juvenilen idiopathischen Arthritis (JIA),
13% an einem autoinflammatorischen Syndrom, 8% an einem systemischen
Lupus erythematodes (SLE) oder einer Mischkollagenose, 3% an einer
Vaskulitis und 2% an einer inflammatorischen Myopathie. In 83% der
Fälle bestanden keine weiteren Komorbiditäten. Bei 140 Patientinnen
und Patienten (23%) verlief die Infektion asymptomatisch. Eine
stationäre Behandlung wurde in 43 Fällen (7%) erforderlich
und 3 dieser Patientinnen und Patienten verstarben, 2 davon in ressourcenschwachen
Regionen. Die häufigsten Symptome umfassten Fieber und Husten. Zum
Infektionszeitpunkt standen 70% der Kinder und Jugendlichen unter DMARD
(disease-modifying anti-rheumatic drug)-Therapie. 44% erhielten
konventionelle synthetische DMARDs (meist Methotrexat), 46% biologische oder
gezielt wirkende DMARDs (meist Tumornekrosefaktor-Hemmer) und 11%
Glukokortikoide. Im Vergleich zur JIA begünstigten folgende Faktoren eine
Hospitalisation: Die Diagnose SLE, Mischkollagenose, Vaskulitis bzw. andere
rheumatische und muskuloskelettale Erkrankungen (Odds Ratio 4,3; 95% KI
1,7-11), autoinflammatorische Syndrome (Odds Ratio 3,0; 95% KI 1,1-8,6)
sowie die Adipositas (Odds Ratio 4,0; 95% KI 1,3-12).
Bei Kindern und Jugendlichen mit rheumatischen und muskuloskelettalen
Erkrankungen verläuft COVID-19 in der Regel leicht, fassen die
Autorinnen und Autoren ihre Beobachtungen zusammen. Biologika scheinen dabei
nicht für schwerere Verläufe zu prädisponieren. Bei
schweren systemischen Erkrankungen sowie bei Adipositas bestehe dagegen offenbar
ein höheres Hospitalisationsrisiko. Diese besonders vulnerable Gruppe
bedürfe daher strenger Infektionschutzmaßnahmen, betonen
sie.
Dr. med. Judith Lorenz, Künzell