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DOI: 10.1055/a-1925-6033
Glomustumoren: Charakteristika in der Dermatoskopie
Authors
Dermoscopy of glomus tumour: a cross-sectional study of 86 cases.
JEADV 2022;
DOI: 10.1111/jdv.18432
Der Glomuskörper ist eine neuromyoarterielle Struktur der Haut mit thermoregulatorischer Funktion. Subunguale und extraunguale GT müssen von anderen und v.a. von malignen Neubildungen abgegrenzt werden. Die Dermatoskopie kann hierzu mit typischen Mustern einen wertvollen Beitrag leisten, meinen Álvarez-Salafranca et al.
Glomustumoren (GT) präsentieren sich überwiegend als violette/rote Papeln oder Knoten <20 mm im Bereich der distalen Extremitäten. An den Händen sind die Nägel reich an Glomuskörpern und somit Prädilektionsstellen für GT. Paroxysmal können Schmerzen auftreten. Eine andere GT-Gruppe betrifft Kinder, die oft multiple und schmerzlose GT aufweisen. Familiäre GT mit autosomal-dominantem Erbgang kommen vor. Differenzialdiagnosen von subungualen GT (SUGT) sind u.a. Onychopapillome und myxoide Pseudozysten. Extraunguale GT (EUGT) stellen eine größere klinische Herausforderung dar. Sie sind seltener und häufig weniger empfindlich als SUGT. Abzugrenzen sind u.a. Leiomyome, Neurome, Angiome, amelanozytische Melanome und Kaposi-Sarkome. Die wesentliche Diagnostik besteht bei GT in der histopathologischen Aufarbeitung. Als nichtinvasive Ergänzung gibt die präoperative Dermatoskopie Hinweise auf einen möglichen Glomustumor. Die Arbeitsgruppe ermittelte Muster für SUGT und Charakteristika von EUGT. Im zweiten Studienteil werteten die Autoren dermatoskopische Aufnahmen anderer Nageltumoren aus (n=189; z.B. Plattenepithelkarzinome, myxoide Pseudozysten, Fibrokeratome, pyogene Granulome, M. Bowen) und überprüften die diagnostische Güte der SUGT-Muster.
40 Männer und 46 Frauen im Alter von 22–87 Jahren hatten einen GT. 41 SUGT befanden sich an den Händen und 6 an den Füßen. Von 39 EUGT waren 24 an den oberen Extremitäten und davon 6 an den Fingern lokalisiert. 10 EUGT bestanden an den Beinen, 2 am Stamm und 2 am Hals.
SUGT stellten sich dermatoskopisch mit 4 Mustern dar:
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Muster 1: strukturloser violett-rötlicher subungualer Fleck mit oder ohne Gefäße, Sensitivität 78,7% und Spezifität 79,4%;
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Muster 2: strukturloser violett-rötlicher subungualer Fleck und longitudinale Erythronychie, Sensitivität 40,4% und Spezifität 96,3%;
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Muster 3: strukturloser violett-rötlicher proximaler subungualer Fleck, longitudinale Erythronychie und V-förmige distale Einkerbung, ausschließlich im Bereich der Matrix, Sensitivität 27,7% und Spezifität 98,9%;
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Muster 4: strukturloser Fleck im Nagelbett und distale Onycholyse, Sensitivität und Spezifität 21,3% und 98,4%.
Daraus resultierten positiv prädiktive Werte (PPV) von 48,7%, 76%, 86,7% und 76,9%. Die negativen prädiktiven Werte (NPV) betrugen 93,8%, 86,7%, 84,6% und 83,4%.
Die auffälligsten Befunde von EUGT waren solitäre, nicht ulzerierte Papeln oder Knoten, die sich strukturlos, violett-weiß, rötlich-weiß und homogen darstellten. Es fanden sich lineare, ungeordnete Gefäße und keine Lakunen. Mit diesen Charakteristika wurden EUGT mit einer Sensitivität von 61,5% und einer Spezifität von 95,7% diagnostiziert. Der PPV und der NPV betrugen 75% und 92,2%.
Die Dermatoskopie sei ein nützliches adjuvantes Hilfsmittel für die Diagnostik von Glomustumoren. Die Autoren sehen den Wert in der Abgrenzung von anderen Hauttumoren und der präoperativen Lokalisationsdiagnostik. Differenzialdiagnosen könnten aber ausschließlich dermatoskopisch nicht sicher ausgeschlossen werden. Die Methode ersetze die histopathologische Diagnostik daher nicht.
Dr. med. Susanne Krome, Melle
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Article published online:
14 November 2022
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