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DOI: 10.1055/a-1925-6172
Tertiäre lymphatische Strukturen eignen sich als Tumor-Marker
Authors
Features and clinical significance of tertiary lymphoid structure in cutaneous squamous cell carcinoma.
J Eur Acad Dermatol Venereol 2022;
DOI: 10.1111/jdv.18464
Die systemische Therapie des fortgeschrittenen kutanen Plattenepithelkarzinoms (cSCC) mittels Antikörpern ist mit Ansprechraten von 34–47% nicht ausreichend wirksam. Die tertiäre lymphatische Struktur spielt eine wichtige Rolle bei der Antitumor-Immunität und bestimmt weitgehend die Prognose. Wu et al. untersuchten die Merkmale der tertiären lymphatischen Struktur bei cSCC und ihren Zusammenhang mit klinisch-pathologischen Merkmalen.
Die tertiäre lymphatische Struktur (TLS) ist bei cSCC hochgradig organisiert und das Vorhandensein eben dieser ein positiver prognostischer Faktor für cSCC. Dies stellt eine theoretische Grundlage für den zukünftigen diagnostischen und therapeutischen Wert bei cSCC dar. Die Forscher des Shanghai Skin Disease Hospital aus Shanghai, China, untersuchten zwischen Juni 2017 und Juni 2019 Patienten mit primärem cSCC und überprüften deren Patientenakten hinsichtlich der klinischen und histopathologischen Daten. Je nach Grad der Sonnenexposition teilten die Experten die Lokalisation des cSCC in ständig (Kopf und Hals), intermittierend (Rumpf und Gliedmaßen) und nicht der Sonne ausgesetzt (Gesäß, Genitalien und Perineum) ein. Die pathologische Untersuchung führten zwei unabhängige, zertifizierte Pathologen nach der Klassifikation der Weltgesundheitsorganisation (WHO) durch. Die Ärzte resezierten den gesamten Tumor in einem Block, der den intratumoralen Bereich und das peritumorale Parenchym enthielt und den die Forscher für die histologische Beurteilung der Tumordicke, des Grads der Invasion sowie der lymphatischen und perineuralen Invasion in der H&E-Färbung verwendeten. Sämtliche Fälle teilten die Experten anhand des histologischen Grades in gut differenzierte, mäßig differenzierte und schlecht differenzierte Tumore ein. TLS identifizierten die Forscher als Aggregate von Lymphozyten, die histologische Merkmale mit Strukturen aufweisen, die denen von lymphatischem Gewebe entsprechen, wobei B-Zellen (CD20), T-Zellen (CD3 und CD8), hochendotheliale Venolen (MECA79) und follikuläre dendritische Zellen (CD21) im Tumorbereich auftreten. Proben mit einer oder mehreren Ansammlungen von CD3+-T-Zellen um CD20+-B-Zellen definierten die Wissenschaftler als TLS. Darüber hinaus identifizierten die Forscher reife TLS, wenn CD20+-B-Zellen und CD21+-DCs in der Follikelstruktur versammelt waren. Auf der Grundlage der maximalen Anzahl von TLS, die die Ärzte im Sichtfeld unter 409-facher Vergrößerung zählten, teilten sie die Dichte der TLS in drei Gruppen ein;
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Gruppe 0: keine TLS in allen Feldern;
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Gruppe 1: ein reifer TLS in allen Feldern;
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Gruppe 2: zwei oder mehr reife TLS in allen Feldern.
Die Experten untersuchten insgesamt 82 Patienten mit histologisch verifiziertem cSCC. Die statistische Analyse zeigte, dass bei cSCC eine starke Infiltration von Immunzellen und eine signifikante Hochregulierung von TLS-verwandten Chemokinen zu beobachten war. Histologisch zeigten sich TLS in 72 (87,8%) Fällen als hoch organisierte Strukturen mit unterschiedlicher Dichte und Reifung, von denen 14 Fälle zur Gruppe mit geringer Dichte und 58 Fälle zur Gruppe mit hoher Dichte gehörten. Klinisch gesehen war das Vorhandensein von TLS deutlich mit einem höheren histopathologischen Grad und einem höheren Grad an Sonnenexposition verbunden. Außerdem brachten die Experten das Vorhandensein von intratumoralen TLS mit einer geringeren lymphatischen Invasion in Verbindung.
Aus vorliegenden Ergebnissen schlossen die Experten, dass der Grad der Tumordifferenzierung und die sonnenexpositionsbedingte Tumorlokalisation eng mit dem Vorhandensein und der Dichte tertiärer lymphatischer Strukturen zusammenhängen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass das Vorhandensein von TLS ein positiver prognostischer Faktor für cSCC ist, was einen zukünftigen diagnostischen und therapeutischen Wert bei cSCC darstellen könnte, so die Autoren.
Maddalena Angela Di Lellis, Tübingen
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Article published online:
14 November 2022
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