Simon D.
et al.
Intensity and longevity of SARS-CoV-2 vaccination response in patients with
immune-mediated inflammatory disease: a prospective cohort study.
Lancet Rheumatol 2022;
4: e614-e625
Personen mit immunvermittelten Entzündungskrankheiten zeigen im Vergleich zu
gesunden Probanden eine geringere und weniger dauerhafte Reaktion auf die
SARS-CoV-2-Impfung. Die Forscher aus Erlangen und Bamberg führten eine
prospektive Kohortenstudie durch, bei der sie Patienten mit immunvermittelten
Entzündungskrankheiten aus dem Universitätsklinikum Erlangen, der
Sozialstiftung Bamberg und aus rheumatologischen Praxen in Erlangen und Bamberg
rekrutierten. Als Kontrollgruppe schlossen die Forscher Mitarbeiter des
Universitätsklinikums Erlangen sowie Personen in Erlangen und
Erlangen-Höchstadt ein. Anhand eines strukturierten Fragebogens erhoben die
Wissenschaftler Daten zu demografischen Merkmalen und Komorbiditäten. Im
Rahmen der Studie untersuchten die Experten die Wirkung aller zum Zeitpunkt der
Probenahme in Deutschland zugelassenen SARS-CoV-2-Impfstoffe (Pfizer-BioNTech,
Moderna, Johnson & Johnson und Oxford-AstraZeneca). Vor den Impfungen rieten
die Forscher den Patienten, einige immunsuppressive Medikamente vor und nach der
Impfung entsprechend den örtlichen Empfehlungen abzusetzen. Die
Wissenschaftler nutzten für die Auswertung der
IgG-Antikörper-Seroprävalenz Serumproben, die zwischen dem 15.
Dezember 2020 und dem 01. Dezember 2021 bei Routinevisiten, nach E-Mail-Erinnerungen
per E-Mail und über mehrere Rekrutierungskampagnen durch Werbung und soziale
Medien gewonnen wurden. Als primäre Ergebnisse betrachteten die Forscher die
Werte des optischen Dichteverhältnisses, die die Antikörpertiter
darstellen, und eine schlechte Impfstoffreaktion, definiert durch einen Wert des
optischen Dichteverhältnisses von weniger als 1–1.
Die Forscher schlossen 3.733 Studienteilnehmer ein, darunter 2.535 Teilnehmer mit
immunvermittelten Entzündungskrankheiten und 1.198 gesunde Kontrollpersonen,
die insgesamt 5564 Proben zur Verfügung stellten. Die häufigsten
Diagnosen bei Patienten mit immunvermittelten entzündlichen Erkrankungen
waren Spondyloarthritis (einschließlich Psoriasis-Arthritis), rheumatoide
Arthritis, systemische Autoimmunerkrankungen (einschließlich systemischer
Lupus erythematodes, systemische Sklerose und primäres
Sjögren-Syndrom), entzündliche Darmerkrankungen, Vaskulitis und
Psoriasis. Die durchschnittlichen Antikörpertiter waren bei den gesunden
Kontrollen im Vergleich zu Personen mit entzündlichen Erkrankungen bis zu
mehr als doppelt so hoch. Eine schlechte Immunreaktion auf die Impfungen
beobachteten die Experten vor allem bei Patienten, die B-Zell- und
T-Zell-Inhibitoren einnahmen. Die Unterschiede in den Antikörperreaktionen
zwischen den verschiedenen Erkrankungen erwiesen sich als gering. Patienten, die
eine dritte Impfstoffdosis erhielten, wiesen 40 Wochen nach der Erstimpfung
höhere mittlere Antikörpertiter auf als gesunde Kontrollen, die mit
zwei Impfstoffdosen geimpft worden waren.
Die Resultate zeigen, dass Patienten mit immunvermittelten entzündlichen
Erkrankungen eine geringere und weniger dauerhafte Reaktion auf die
SARS-CoV-2-Impfung aufweisen. Niedrige Anti-SARS-CoV-2-IgG-Spiegel
erhöhen die Anfälligkeit für Durchbruchsinfektionen,
daher sollten angepasste Impfpläne mit früheren
Auffrischungsimpfungen eingeführt werden, um bei Patienten mit
immunvermittelten entzündlichen Erkrankungen einen angemessenen Schutz
aufrechtzuerhalten, so die Autoren.
Dr. Maddalena Angela Di Lellis, Tübingen