Zhao SS.
et al.
Effectiveness of sequential biologic and targeted disease modifying
anti-rheumatic drugs for rheumatoid arthritis.
Rheumatology 2022;
61: 4678-4686
Zahlreiche RA-Patienten können von wiederholten Behandlungsversuchen mit
b/tsDMARDs profitieren. Die Experten aus Manchester, England, sammelten
Daten aus Krankenakten der nationalen prospektiven Beobachtungsstudie Biologics
Register for RA der British Society for Rheumatology (BSRBR-RA) und
bestimmten die Therapielinien, anhand derer RA-Patienten behandelt wurden. Zu den
Ausgangsdaten gehörten das Alter, Geschlecht, BMI, Raucherstatus,
Komorbiditäten, das Alter bei der Diagnose, der RF-Status und die
Krankheitsaktivität (DAS28-Komponenten) der individuellen Patienten. Die
Forscher erfassten außerdem die Behandlungsexposition (Name des Medikaments,
Beginn und Ende der Behandlung) und die Ergebnisse (Krankheitsaktivität und
unerwünschte Ereignisse) für TNF-Hemmer (TNFi), IL-6-Hemmer (IL-6i),
JAK-Hemmer (JAKi), Abatacept (CTLA4-Immunglobulin), Rituximab
(CD20-Antikörper) und Anakinra (IL-1-Hemmer). Den Wechsel zwischen zwei
Medikamenten betrachteten die Wissenschaftler entsprechend als zwei Therapielinien,
die erneute Verabreichung desselben Arzneimittels nach der Verwendung eines
Zwischenmedikaments zählten die Forscher als neue Therapielinie. Die
Behandlungsergebnisse einschließlich DAS28-Remission (≤ 2,6),
niedrige Krankheitsaktivität (LDA, ≤3,2) nach 6 Monaten und die
mediane Zeit bis zum Absetzen des Medikaments verglichen die Experten zwischen den
einzelnen Therapielinien.
Insgesamt 22,934 Personen, die mit einer Erstlinientherapie mit b/ tsDMARDs
begonnen hatten, kamen für eine Beschreibung der sequentiellen Therapie in
Frage. 10,823 der eingeschlossenen Patienten begannen mit einer Zweitlinientherapie,
5,056 mit einer Drittlinientherapie, 2,128 mit einer Viertlinientherapie, und 767,
292, 92, 25, 8 und 1 erfassten die Forscher als Empfänger der Linien 5 bis
10. TNFi wurden am häufigsten in der Erst- (94%) und
Zweitlinienbehandlung (60%) eingesetzt. Die häufigste
Drittlinienbehandlung stellte Rituximab (39%) dar, die vierte Linie IL-6i
(33%), die fünfte Linie Abatacept (32%) und die sechste
Linie JAKi (28%). Die Wahl der Folgemedikamente änderte sich im
Laufe der Zeit. 17% der Patienten erreichten eine DAS28-Remission nach der
Erstlinientherapie, 13% nach der Zweitlinientherapie und
8–13% nach der Dritt- bis Sechstlinientherapie. Eine niedrige
Krankheitsaktivität erreichten 29% der Patienten nach der
Erstlinientherapie, 23% im Rahmen der Zweitlinientherapie,
17–22% benötigten bis zu 6 Therapielinien. Die
durchschnittliche Verweildauer der Patienten unter der Erstlinientherapie betrug 2,6
Jahre und lag zwischen 1,0 und 1,4 Jahren für die Linien zwei bis sechs.
RA-Patienten, die auf ihre ersten b/tsDMARDs nicht ansprechen,
können immer noch von weiteren Behandlungsoptionen profitieren, so die
Autoren. Die vorliegenden Daten verdeutlichen den dringenden Bedarf an weiteren
Forschungsarbeiten zur Verbesserung des Trial-and-Error-Ansatzes, den viele
Patienten bei der Suche nach einer wirksamen Therapie durchlaufen haben.
Dr. Maddalena Angela Di Lellis, Tübingen