Galli E.
et al.
The role of PET/CT in disease activity assessment in patients with large
vessel vasculitis.
Rheumatology 2022;
61: 4809-4816
Die visuelle PET/CT-Grading-Skala und PETVAS zeigten eine
mäßige Genauigkeit bei der Unterscheidung zwischen einer aktiven
Großgefäßvaskulitis und einer Remission. Anhand des PETVAS
konnten die Forscher zudem keine Krankheitsrückfälle voraussagen.
Die Wissenschaftler der rheumatologischen Abteilung des Krankenhauses Santa Maria
Nuova in Reggio Emilia, Italien, führten eine retrospektive Kohortenstudie
auf der Grundlage prospektiv erhobener Daten von Patienten durch, die sich zwischen
Januar 2007 und Dezember 2020 mindestens einer PET/CT-Untersuchung
unterzogen. Die Wissenschaftler extrahierten Daten zur Demografie, zu klinischen
Manifestationen, bildgebenden Verfahren und Laborbefunden sowie zur
Glukokortikoid-Dosis der Patienten aus deren verfügbaren Krankenakten und
bewerteten deren Krankheitsaktivität anhand des Kerr/National
Institutes of Health-Index, der vier Punkte umfasst: konstitutionelle
Manifestationen, erhöhte ESR- und/oder CRP-Werte, klinische
Manifestationen einer vaskulären Ischämie oder Entzündung
sowie angiografische Merkmale, die auf eine Vaskulitis hinweisen. Alle
PET-CT-Untersuchungen führten die Ärzte mit einem
Hybrid-PET/CT-Gerät (Discovery, GE Healthcare, Chicago, IL,
USA) mit 3,30 Minuten Emissionsscan/Bett und CT-Dämpfungskorrektur
durch. Ein Nuklearmediziner prüfte sämtliche PET-CT-Scans auf einen
aktiven oder inaktiven Vaskulitis-Befund, indem er die Fluordesoxyglucose
(FDG)-Aufnahme zwischen Gefäßen und Leber auf einer visuellen Skala
von 0 bis 3 einstufte: 0=keine Aufnahme (Mediastinum);
1=geringgradige Aufnahme (<Leber); 2=mittelgradige Aufnahme
(=Leber), 3=hochgradige Aufnahme (>Leber). Scans, die
FDG-Aufnahmen der Grade 3 und 2 aufwiesen, stuften die Experten als
“aktiv”, Scans der Grade 1 und 0 als „inaktiv“ ein.
Zusätzlich stuften die Experten die Scans durch visuelle Beurteilung der
FDG-Aufnahme in verschiedenen Aorta-Segmenten und Arterienästen ein und
bewerteten die FDG-Aufnahme visuell im Verhältnis zur Leber. Auf dieser
Basis berechneten die Wissenschaftler einen PETVAS von 0–27 Punkten.
Die Forscher führten bei 100
Großgefäßvaskulitis-Patienten insgesamt 476
PET/CT-Scans durch. 75 von 125 Scans von Patienten mit aktiver Erkrankung
erkannte der Nuklearmediziner entsprechend, 70 von 351 Scans von Patienten mit
inaktiver Erkrankung klassifizierte er fälschlicherweise als aktiv. Die vom
Arzt festgelegte PET/CT-Einstufung konnte zwischen Patienten mit klinisch
aktiver Erkrankung und Patienten in klinischer Remission somit mit einer
Sensitivität von 60% und einer Spezifität von 80,1%
unterscheiden. Im Vergleich zu Patienten in klinischer Remission wiesen die
Patienten mit klinisch aktiver Erkrankung signifikant höhere PETVAS-, ESR-
und CRP-Werte auf und befanden sich häufiger unter Prednisontherapie, nahmen
höhere Prednisondosen ein und hatten zum Zeitpunkt der
PET/CT-Untersuchungen eine kürzere Krankheitsdauer. Eine fehlende
vaskuläre FDG-Aufnahme (PETVAS 0) beobachteten die Ärzte bei 207
(58,3%) PET/CT-Scans während der Krankheitsremission und bei
34 (28,1%) PET/CT-Scans während einer aktiven Erkrankung.
Ein PETVAS-Wert von 10 ergab eine Sensitivität von 60,8% und eine
Spezifität von 80,6% für die Unterscheidung zwischen
klinisch aktiver und inaktiver Großgefäßvaskulitis. Die
Forscher konnten den PETVAS nicht mit nachfolgenden Rückfällen in
Verbindung bringen.
Die visuelle PET/CT-Einstufungsskala und die PETVAS zeigen eine nur
mäßige Genauigkeit bei der Unterscheidung zwischen einer aktiven
und inaktiven Großgefäßvaskulitis. Diese Ergebnisse
zeigen, dass die klinische Beurteilung durch einen Rheumatologen, der auf
Vaskulitis spezialisiert ist und Symptome, Labormarker sowie morphologische und
funktionelle Bildgebung integriert, ein entscheidender Schritt bei der
Beurteilung der Krankheitsaktivität bleibt, so die Autoren.
Dr. Maddalena Angela Di Lellis, Tübingen