Aktuelle Rheumatologie 2023; 48(03): 160-162
DOI: 10.1055/a-1992-4054
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Smartphone-Anwendung für RA-Patienten verringert Konsultationsrate

Seppen B. et al.
Smartphone-Assisted Patient-Initiated Care Versus Usual Care in Patients With Rheumatoid Arthritis and Low Disease Activity: A Randomized Controlled Trial.

Arthritis Rheumatol 2022;
74: 1737-1745
 

    Nach EULAR-Richtlinien sollten RA-Patienten alle 3–6 Monate einen Rheumatologen aufsuchen. Die Nachfrage nach Rheumatologen wächst jedoch stetig und dieses Visitenformat ist womöglich nicht nachhaltig, da sich bis zu 75% der Patienten in einem Zustand geringer Krankheitsaktivität oder Remission befinden. Seppen et al. entwickelten eine Smartphone-Anwendung zur Selbstüberwachung für RA-Patienten und prüften diese auf Sicherheit und Wirksamkeit.


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    Die vom Patienten initiierte und durch die Smartphone-Anwendung unterstützte Behandlung war der üblichen Behandlung nicht unterlegen und führte bei RA-Patienten mit stabiler niedriger Krankheitsaktivität zu einer um 38% verringerten Konsultationsrate beim Rheumatologen. Die Wissenschaftler des rheumatologischen Versorgungszentrums Reade in Amsterdam, Niederlande führten eine einjährige, randomisierte und kontrollierte klinische Studie durch, im Rahmen derer sie die Wirksamkeit und Sicherheit der Selbstüberwachung durch die Smartphone-Applikation prüften. Hierfür schlossen sie RA-Patienten in die Studie ein, die mindestens 18 Jahre alt waren, eine RA-Diagnose mit einer Krankheitsdauer≥2 Jahren und einen DAS28-ESR-Score von<3,2 zu Beginn der Studie aufwiesen, in Besitz eines Smartphones waren und Niederländisch lesen und schreiben konnten. Die Experten randomisierten die Patienten 1:1 in die App-Interventionsgruppe oder in die Gruppe mit üblicher Betreuung. Die Intervention bestand aus einer wöchentlichen Selbstbeobachtung mit Ausfüllen eines Fragebogens zur routinemäßigen Bewertung von Patientenindexdaten (RAPID3) und einer einmaligen, vorab geplanten Konsultation am Ende des Studienzeitraums. In der Gruppe mit üblicher Versorgung wurden die im Voraus geplanten Ambulanzbesuche nach dem Ermessen des behandelnden Rheumatologen fortgesetzt (in der Regel alle 3 bis 6 Monate). Zu Beginn schulten die Forscher die Patienten bezüglich der Funktion der Applikation. Die App benachrichtigte die Patienten jede Woche, damit sie ihren RAPID3 in der App ausfüllen konnten. Die Ergebnisse des RAPID3 konnten von den Patienten genutzt werden, um sich im Laufe des Jahres selbst zu überwachen, den Krankheitsverlauf zu reflektieren und bei fortschreitenden Beschwerden rechtzeitig die Ambulanz zu kontaktieren. Die Benachrichtigung informierte den Patienten über einen möglichen Schub, enthielt Tipps zum Selbstmanagement und den Rat, sich an eine rheumatologische Fachkraft zu wenden, falls der Patient dies für notwendig hielt. Zu Beginn Zu Beginn und am Ende der Studie wurde die verblindete Bewertung des DAS28-ESR von Ärzten oder Krankenschwestern durchgeführt, die in keinem Behandlungsverhältnis zum Patienten standen.

    Die Forscher randomisierten 50 Patienten in die Interventionsgruppe und 53 Patienten in die übliche Versorgungsgruppe. Die statistische Analyse zeigte keine Unterlegenheit der Applikation gegenüber den ambulanten Klinikbesuchen. Nach 12 Monaten war die Zahl der telefonischen Konsultationen und der Visiten in der App-Interventionsgruppe signifikant niedriger, mit einer Gesamtbesuchsrate von 0,6 im Vergleich zur Gesamtzahl der Besuche in der Gruppe mit der üblichen Versorgung. Es kam zu 12 Besuchen bei 11 Patienten in der App-Interventionsgruppe und zu 18 Besuchen bei 11 Personen in der Kontrollgruppe. Während der Studie kam es zu 40 Benachrichtigungen über einen Krankheitsschub, von denen 36 nicht zu einer Beratung führten. Während der Studie gab es nach 12 Monaten keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen in Bezug auf die von den Patienten angegebene Krankheitsaktivität, das Selbstmanagement, die Interaktion zwischen Patient und Arzt oder die Therapietreue. Die Zufriedenheit mit der medizinischen Versorgung war in beiden Gruppen hoch und unterschied sich statistisch nicht. Die Patienten bewerteten die Benutzerfreundlichkeit der App mit einem Medianwert von 78 von 100 Punkten nach 6 Monaten und 80 Punkten nach 12 Monaten, was auf eine gute bis hervorragende Benutzerfreundlichkeit der App hinweist.

    Fazit

    Eine selbstinitiierte Versorgung in Kombination mit einer wöchentlichen Selbstüberwachung bei RA-Patienten mit geringer Krankheitsaktivität ist sicher, verringert die Zahl der Konsultationen beim Rheumatologen und hält eine hohe Zufriedenheit mit der Gesundheitsversorgung aufrecht, so die Experten. Diese Interventionsstrategie könnte den Personalbedarf verringern und auch die Gesundheitskosten pro Patient senken, was die Forscher in einer separaten Analyse untersuchen wollen.

    Dr. Maddalena Angela Di Lellis, Tübingen


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    Publication History

    Article published online:
    01 June 2023

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