Phlebologie 2023; 52(01): 9
DOI: 10.1055/a-1994-5868
Literatur weltweit

Good-Practice-Statements für die antithrombotische Therapie bei der Behandlung von COVID-19: Leitlinien der ISTH

Authors

    Contributor(s):
  • Benedikt Lampl

Spyropoulos AC. et al.
Good practice statements for antithrombotic therapy in the management of COVID-19: Guidance from the SSC of the ISTH.

J Thromb Haemost 2022;
20: 2226-2236
DOI: 10.1111/jth.15809
 

Trotz der Verfügbarkeit qualitativ hochwertiger randomisierter Studiendaten zum Einsatz von Antithrombotika zur Verringerung des Thromboembolierisikos, Endorganversagen und möglicherweise der Mortalität bei Patienten mit COVID-19 bleiben Fragen zur optimalen Patientenauswahl für diese Strategien, zur Verwendung von Antithrombotika in ambulanten und stationären Einrichtungen (einschließlich Intensivstationen), zur Thromboseprophylaxe bei speziellen Patientenpopulationen und zur Behandlung akuter Thrombosen bei COVID-19-Patienten im Krankenhaus offen.


Im Oktober 2021 bildete die International Society on Thrombosis and Haemostasis (ISTH) ein multidisziplinäres und internationales Expertengremium, um Empfehlungen zur Behandlung mit Antikoagulanzien und Thrombozytenaggregationshemmern für COVID-19-Patienten zu entwickeln. Das ISTH-Leitliniengremium diskutierte weitere Themen, die sich gut für ein Non-Grading-of-Recommendations-Assessment, Development, and Evaluation (GRADE) zur Erstellung von Good-Practice-Statements (GPS) eignen.

Ergebnisse

Das Gremium einigte sich auf 17 GPS: 3 im ambulanten (präklinischen) Setting, 12 im stationären Setting (Normal- und Intensivstation) und 2 für die unmittelbar poststationäre Phase. U.a. wurden folgende Empfehlungen ausgesprochen:

  • Eine Antikoagulation kann bei Personen mit vorbestehender Herz-Kreislauf-Erkrankung von Vorteil sein. Die Expertenmeinung empfiehlt die Fortführung der Heparin-Antikoagulation bei Patienten mit Vorindikation.

  • Die Thrombozytenaggregationshemmung sollte bei ambulanten Patienten mit COVID-19 fortgesetzt werden, wenn eine klinische Indikation vorliegt, eine Thrombozytenaggregationshemmung, einschließlich Aspirin, sollte bei nicht stationären Patienten mit COVID-19 nicht begonnen werden.

  • Mäßig kranke stationäre Patienten, die keine Organunterstützung benötigen und die (1) ein geringes Blutungsrisiko und (2) erhöhte Dd-Spiegel (≥ 2-fache der oberen Normgrenze) haben oder zusätzlichen Sauerstoff benötigen oder eine reduzierte Sauerstoffsättigung haben (≤ 93 % auf Raumluft) sind Kandidaten für eine therapeutische Heparin-Antikoagulation als Thromboseprophylaxe.

  • Zweimal täglich gewichtsbasiertes LMWH in halber therapeutischer Dosierung sollte für die primäre Thromboseprophylaxe bei Kindern in Betracht gezogen werden, die wegen COVID-19 mit oder ohne PMIS stationär behandelt werden.

  • Obwohl DOACs zur Behandlung von HIT in nicht COVID-19-Krankenhauspopulationen verwendet wurden, sollten sie als Ersttherapie bei hospitalisierten COVID-19-Patienten aufgrund von Arzneimittelwechselwirkungen mit antiviralen Medikamenten und potenziell geringerer Wirksamkeit vermieden werden.

Fazit

Die GPS basieren nicht auf einer systematischen Suche oder formalen Überprüfung der Evidenz und sollen eine Expertenmeinung zu verschiedenen Aspekten der antithrombotischen Behandlung von COVID-19-Patienten liefern, die als klinisch wichtig erachtet werden. Sie adressieren Themen, für die es entweder keine oder nur sehr begrenzte Evidenz von hoher Vertrauenswürdigkeit gibt, jedoch direkte oder indirekte Evidenz oder klinische Erfahrung, die auf einen klinischen Nettonutzen bei der Umsetzung der bereitgestellten Aussagen schließen lassen.


MOR Dr. med. Benedikt Lampl, Regensburg



Publication History

Article published online:
10 February 2023

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