PiD - Psychotherapie im Dialog 2024; 25(03): 12-13
DOI: 10.1055/a-2192-1200
Editorial

Beziehungswelten heute

Claudia Dahm-Mory
,
Bettina Wilms

Eine 14-jährige Jugendliche berichtet, dass sie in einem Jahr zwei wichtige Freundinnen an das Handy verloren hat. Beide wollten lieber Zeit am Handy als mit ihr verbringen.

Junge angehende psychologische Psychotherapeut*innen verlassen wiederholt in großer Anzahl das Online-Seminar, als sie zum Üben in Rollenspielen eingeteilt werden.

Zwei befreundete junge Menschen, die kein Paar sind, verabreden sich ein paar Mal zum Ausprobieren diverser sexueller Techniken.

Ein Patient ist nur zu einer Therapie im virtuellen Raum bereit und lehnt therapeutische Gespräche in Präsenz ab.

In einem psychiatrischen Pflegeteam wird es geduldet, die Zeit, statt mit Patient*innen, mit einem Teamspiel auf dem Handy zu verbringen. Jeder, der am Tisch im Pflegestützpunkt vorbeiläuft, bringt das Spiel ein Stück voran.

Ein bikulturelles Paar ringt in der Paartherapie darum, ob sie das neue Haus aufgrund rassistischer Äußerungen aus der Nachbarschaft wieder verkaufen sollen.

Ein Jugendlicher möchte die Schule nicht mehr besuchen. Während der Pandemie hat er herausgefunden, wie er sich den Lernstoff in zwei Stunden selbst aneignen kann, statt, wie im Schulalltag, acht Stunden darauf zu verwenden. Er lernt lieber autonom und nutzt die „gewonnene Zeit“ für sportliche Aktivität.

In unserem beruflichen Alltag sind wir häufig über solche Momente gestolpert, und auch im Gespräch mit Kolleg*innen konnten wir feststellen, dass sie keine Einzelfälle sind. Die Liste der Beobachtung ließe sich weiter fortsetzen. Auf der Suche nach Erklärungsmodellen dieser Phänomene erschien uns die Überschrift „Beziehungswelten heute“ am passendsten. Wo, wenn nicht in der PiD, finden wir Anregung, um den Fragen, die uns bewegen, nachzugehen?



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Article published online:
22 August 2024

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