Aktuelle Dermatologie 2023; 49(12): 549
DOI: 10.1055/a-2197-7026
Interview

„Traumfach“ Dermatologie

Prof. Christiane Bayerl im Gespräch mit mit PD Dr. med. Sigbert Jahn
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PD Dr. med. Sigbert Jahn

Warum haben Sie die Dermatologie als Fachgebiet gewählt?

Als ausgebildeter Immunologe war es für mich sehr reizvoll, als zweite Facharztdisziplin die Dermatologie zu lernen, weil man hier oft die Immunpathogenese von Krankheiten mit den eigenen Augen sehen kann.

Sind Sie mit Ihrer Wahl zufrieden und warum?

Für mich ist die Dermatologie das „Traumfach“. Man kann den Patientinnen und Patienten sehr direkt helfen, weil therapeutischer Erfolg eben unmittelbar sichtbar wird. Mit der Einführung der Biologika ist die Dermatologie noch mehr ein zutiefst immunologisch geprägtes klinisches Fach geworden.

Sie haben in Ihrer Karriere viel erreicht. Worauf sind Sie besonders stolz?

Ich habe über monoklonale Antikörper geforscht, ich habe in meiner Zeit in der Pharmaindustrie geholfen, sie in der Dermatologie einzuführen, und zum Schluss meiner beruflichen Laufbahn durfte ich monoklonale Antikörper in einer dermatologischen Praxis verordnen und ihre oft überragende Wirkung mit eigenen Augen sehen.

Welcher Fall ist Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben?

Eine 14-jährige Patientin mit sehr schwerer atopischer Dermatitis betrat mit ihrer Mutter jubelnd die Praxis nach 14 Tagen Therapie mit Dupilumab und wollte mich unbedingt umarmen. Sie könne wieder schwarze Klamotten anziehen und ihre geliebten künstlichen Fingernägel tragen. (Dies waren gar keine primären Endpunkte der Studien :-) ). Ein wunderbarer Moment auch für den behandelnden Arzt, das mit der Umarmung haben wir sein gelassen.

Von wem haben Sie besonders viel gelernt?

Als Immunologe war Prof. Dr. Rüdiger von Baehr mein wichtigster Lehrer. Die Dermatologie habe ich an der Charité bei „meinem“ Lieblingsoberarzt Peter Schulze gelernt, und ich durfte die Professoren Sönnichsen und Sterry zu meinen Lehrern zählen. Die Liste derer, von und bei denen ich lernen durfte, wäre zu lang für dieses Interview.

Was war der beste Rat, den Sie während Ihrer Karriere erhalten haben?

Einer meiner Lehrer (bleibt geheim) gab mir den Rat, neben der Immunologie noch ein „richtiges klinisches Fach“ zu lernen.

Was ist momentan die wichtigste Entwicklung in der Dermatologie?

Das Verständnis von der Beteiligung des Immunsystems an so vielen dermatologischen Erkrankungen wächst mit atemberaubendem Tempo. Die daraus abgeleiteten immunmodulierenden Therapien sind ein Segen für die Dermatologie und für die Patientinnen und Patienten.

Wo sehen Sie die Zukunft der Dermatologie?

Mit ihrer großen Diversität (Hautinfektionen, Immundermatosen, Dermato-Onkologie, ästhetische Dermatologie, Allergologie) wird die Dermatologie sich als klinisches Fach weiterentwickeln.

Was raten Sie jungen Kollegen?

Die Ausbildungsjahre sind die wichtigsten und die schönsten. Es lohnt sich, gute Ausbilder/innen zu suchen, sei es im stationären, im ambulanten Bereich oder für die Doktorarbeit. Interdisziplinäres Denken und Handeln ist ganz wichtig. Und das Berufsleben soll Spaß machen und mit dem Privatleben vereinbar sein.

Was machen Sie nach Feierabend als Erstes?

Ich lese sehr gern Belletristik. Und die Lektüre eines wirklich guten immunologischen Reviews kann ich sehr genießen. Ich wandere und reise gern. Und da ich inzwischen berentet und „nur“ noch beratend für eine dermatologische Praxis tätig bin, kann ich dies alles den ganzen Tag über machen.



Publication History

Article published online:
13 December 2023

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