Handchirurgie Scan 2025; 14(04): 291-304
DOI: 10.1055/a-2258-2261
CME-Fortbildung
Nervenverletzungen

Diagnostik und Therapie bei Neuromen der oberen Extremität

Authors

  • Michael Stephan Mayr-Riedler

  • Kai Megerle

Neurome sind gutartige, aber oft hochproblematische Nervenneubildungen nach Verletzungen oder Operationen. Sie können chronische Schmerzen und sensorische Störungen verursachen sowie die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Der Artikel beleuchtet aktuelle diagnostische Verfahren sowie konservative und chirurgische Therapieoptionen.

Kernaussagen
  • Ein Neurom ist eine abnorme Regeneration von Nervengewebe, die nach einer Verletzung eines peripheren Nervs auftritt. Dabei sprießen ungerichtete Axone in unorganisierte Fibrose und bilden eine Masse kleiner, nicht myelinisierter Nervenfasern.

  • Neurome verursachen oft chronische neuropathische Schmerzen, welche die motorischen und sensorischen Funktionen stark beeinträchtigen können und zu erheblichen Einschränkungen im Alltag führen.

  • Neurome werden in Kontinuitätsneurome, Diskontinuitätsneurome und Stumpfneurome unterteilt.

  • Die Diagnostik symptomatischer Neurome erfolgt durch gezielte Anamnese, klinische Tests wie das Hoffmann-Tinel-Zeichen, bildgebende Verfahren (hochauflösender Ultraschall und MRT) sowie ggf. ergänzenden Testblockaden mit Lokalanästhetika.

  • Konservative Behandlungen umfassen medikamentöse Schmerztherapie (Antikonvulsiva, Antidepressiva), Hand bzw. Ergotherapie zur Desensibilisierung und Injektionstherapien.

  • Der Goldstandard bei der Überbrückung von Nervendefekten ist die Verwendung autologer Nerveninterponate, die gute Langzeitergebnisse bieten, jedoch zu Sensibilitätsverlusten an der Entnahmestelle führen.

  • Ablative Verfahren, wie die Einbettung des Nervenstumpfs in tieferes Gewebe, zielen darauf ab, das Neurom von mechanischen Reizen fernzuhalten und so die Schmerzsymptomatik zu verringern, wobei das neu entstehende Neurom weniger symptomatisch sein sollte.

  • Alternative Verfahren wie das Schaffen eines RPNI und TMR bieten dem Nerv geeignete Zielstrukturen zur Reinnervation und haben sich als effektiv in der Schmerzreduktion und Prävention von Neuromen gezeigt.

  • Langanhaltende Neuromschmerzen können zu einer zentralen Sensibilisierung und einem sogenannten Schmerzgedächtnis führen, das die Behandlung erschwert und durch chirurgische Verfahren oft wenig verbessert werden kann. Meist sind multimodale Ansätze wie Schmerztherapie und psychologische Unterstützung erforderlich.



Publication History

Article published online:
11 December 2025

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