Das subjektive Wohlbefinden beeinflusst die Compliance von Patienten mit schizophrenen
Psychosen maßgeblich. Da sich die einzelnen Antipsychotika zur Behandlung von Schizophrenie
nicht zuletzt hinsichtlich ihres Wirksamkeits-, Verträglichkeits- und Sedierungsprofils
unterscheiden, ist die Auswahl eines geeigneten Medikaments die Basis einer jeden
erfolgreichen Therapie.
Kasuistik
Kasuistik
Die nachfolgende Kasuistik stellt den Fall eines Patienten mit paranoider Schizophrenie
vor, dessen medikamentöse Therapie zunächst mit Olanzapin erfolgte. Wegen der den
Patienten belastenden Nebenwirkungen (Gewichtszunahme, starke Müdigkeit) und einer
ausgeprägten Negativsymptomatik wurde er auf Ziprasidon umgestellt. Der Fallbericht
zeigt, dass bei der Medikamentenumstellung die Verbesserung der Positivsymptomatik
weiterhin aufrechterhalten wurde. Die Nebenwirkungen reduzierten sich im Verlauf deutlich,
wobei eine höhere Dosierung von Ziprasidon die gute Verträglichkeit nicht beeinflusste.
Langfristig verbesserten sich die kognitiven Defizite und die Negativsymptomatik.
Anamnese und Diagnose
Anamnese und Diagnose
Der 21-jährige Patient stellte sich im Mai 2007 beim Arzt mit folgenden Symptomen
vor: verstärkte Sinneswahrnehmung, Geruchshalluzinationen, Zoenästhesien, Größen-
und Verfolgungsideen. Er gab weiter an, dass er bereits während eines mehrmonatigen
Aufenthaltes im europäischen Ausland im vorangegangenen Jahr erste Beschwerden verspürte
und sich bereits dort einer ärztlichen Untersuchung unterzogen hatte. Die Ärzte dokumentierten,
dass der Patient akustische Halluzinationen wahrnahm und Farben, Symbole sowie Zahlen
und Verkehrszeichen seine gesamte Aufmerksamkeit erforderten und er diesen eine höhere
Bedeutung zuschrieb.
Die in Deutschland gestellte Diagnose ergab eine paranoide Schizophrenie (F.20.0)
mit deutlichen Negativsymptomen wie Affektverflachung, Antriebsarmut, Konzentrationsstörungen
und psychomotorischer Verlangsamung. Die Positivsymptomatik des Patienten war aufgrund
der bereits im Ausland initiierten medikamentösen Behandlung von täglich 10 mg Olanzapin
vollständig remittiert, jedoch klagte der Patient über belastende Nebenwirkungen in
Form von starker Müdigkeit und einer Gewichtszunahme von 10 kg.
Therapiemaßnahmen
Therapiemaßnahmen
Bereits während seines Auslandsaufenthaltes erhielt der Patient eine medikamentöse
Behandlung mit Olanzapin. Aufgrund der beschriebenen starken Nebenwirkungen und des
weiterhin in erheblicher Ausprägung bestehenden Negativsyndroms wurde die Medikation
ab Juli 2007 auf Ziprasidon in einer Tagesdosierung von 80 mg umgestellt. Begleitend
wurden Psychotherapie und Psychoedukation sowie kognitive Trainingsverfahren durchgeführt.
Verlauf und Prognose
Verlauf und Prognose
Die Medikamentenumstellung erzielte, wie vom Patienten gewünscht, eine Gewichtsreduktion
auf das ursprüngliche Ausgangsniveau vor Krankheitsbeginn. Auch fühlte sich der Patient
agiler.
Eine Änderung der Lebenssituation, bedingt durch den Beginn eines Studiums und eines
damit verbundenen Wechsels des Wohnortes, führte beim Patienten jedoch im Herbst 2007
zu einem Gefühl ausgeprägter Unsicherheit und Überforderung. Darauf wurde - neben
psychotherapeutischen Maßnahmen - mit einer Dosissteigerung auf 120 mg Ziprasidon
reagiert, jeweils morgens 40 mg und abends 80 mg.
Bereits kurze Zeit später (im Dezember 2007) beschloss der Patient, sein Studium abzubrechen
und stattdessen eine Ausbildung aufzunehmen. Seine depressive Stimmungslage verbesserte
sich zusehends wie auch die Einschränkungen in der Leistungsfähigkeit und in der Bewältigung
täglich anfallender Aufgaben. Daher wurde die Tagesdosis auf 100 mg reduziert (jeweils
40 mg morgens, 60 mg abends).
Der Zustand des Patienten blieb daraufhin weiter stabil. Bei der letzten Vorstellung
in der Ambulanz im Juni 2008 war der Patient psychopathologisch nahezu unauffällig,
wies lediglich ein leichtes Negativsyndrom und leicht verstärkte Müdigkeit auf. Positivsymptome
waren weiterhin nicht vorhanden. Erneute kognitive Tests zeigten eine stetige Verbesserung
des Konzentrationsvermögens, sodass man von einer weiteren positiven Entwicklung der
verbleibenden, geringen Restsymptomatik ausgehen kann.
Fazit
Fazit
Durch die Umstellung der Medikation auf Ziprasidon 80 mg/Tag zeigte sich bereits innerhalb
weniger Wochen eine deutliche Antriebssteigerung sowie eine Reduzierung des Gewichts
auf den Ausgangswert. Die Remission der Positivsymptomatik blieb dabei weiterhin bestehen.
Auch bei erneutem Auftreten einer depressiven Stimmungslage, hier hervorgerufen durch
die Änderung der Lebenssituation, zeigte sich Ziprasidon in einer flexiblen Aufdosierung
von 120 mg am Tag als gut wirksam, sodass sich der Gesundheitszustand des Patienten
im Verlauf der Therapie wesentlich stabilisierte. Die Langzeittherapie mit Ziprasidon
ging zudem mit einer deutlichen Verbesserung der Negativsymptomatik und der kognitiven
Einschränkungen einher. Der Patient gewann im Verlauf der Therapie immer mehr an Lebensqualität
und konnte sich wieder vollständig in den Alltag integrieren.
Prof. Dr. I. Puls
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Charité Campus Mitte - Universitätsmedizin, Berlin
Dieser Beitrag entstand mit freundlicher Unterstützung der Pfizer Pharma GmbH, Karlsruhe