Anamnese
Bei einer 27 Jahre alten Frau war es im Anschluss an einen Urlaub in
Griechenland (Kreta) zu Hautveränderungen am rechten Ringfinger gekommen.
Sowohl bei der Patientin selbst als auch in der Familie waren keine
Erkrankungen aus dem Formenkreis der Atopie bekannt. Die regelmäßige
Medikamenteneinnahme beschränkte sich auf eine orale Kontrazeption. Die
Patientin besitzt ein Süßwasseraquarium, das sie selbst
regelmäßig reinigt – zuletzt direkt vor dem Urlaub.
Ca. 5 Tage nach dem Urlaub stellte sie sich erstmals bei einem
Dermatologen vor. Unter der Verdachtsdiagnose einer superinfizierten
Ekzemreaktion wurde eine lokale Therapie mit Fucicort Creme (Glucocortikoid und
Antibiotikum) eingeleitet. Diese konsequent durchgeführte Therapie
über 10 Tage führte zu keiner Verbesserung des kutanen Befundes,
sodass nach einer Therapiepause eine Probebiopsie zur histologischen
Aufarbeitung entnommen wurde.
Klinischer Befund
Am rechten Ringfinger war es streckseitig zu einer ca. 5 cm
großen anulären Hautveränderung gekommen, die im Randbereich
ein Erythem mit einer feinen Schuppung zeigte. Im Zentrum dieser kutanen
Läsion war das Erythem nur noch diskret zu erkennen. Eine Schuppung war im
Zentrum nicht auszumachen.
Klinische Differenzialdiagnosen (Angaben auf dem
dermatohistologischen Einsendeschein):
-
Atypische Mykobakteriose
-
Granuloma anulare
-
Toxische Dermatitis
Histologischer Befund (HE-Präparat)
An der Oberfläche stellte sich überwiegend eine
korbgeflechtartige Orthokeratose dar. Lediglich in den Randbereichen des
Präparates zeigte sich eine Parakeratose. Die Epidermis war normal breit;
jedoch war eine deutliche Spongiose unter Ausbildung von zusätzlichen
spongiotischen Bläschen zu erkennen. In der oberen Dermis stellten sich
deutliche perivaskuläre Rundzellinfiltrate dar, die in Form von
Einzelzellen auch intraepidermal nachweisbar waren. Auch bei kompletter
Aufarbeitung des Präparates erkannte man keine Granulome oder
zelluläre Atypien.
Histologische Diagnose: akute, superfizielle, spongiotische
Dermatitis ([Abb. 1])
(Auflösung nächste Seite)
Abb. 1 Wie lautet Ihre
Diagnose?
Auflösung
Abschließende Diagnose: Tinea
superficialis ([Abb. 2])
Abb. 2 Tinea superficialis.
Kommentar: Diese klinische
Fallpräsentation wird durch mehrere Fallstricke begleitet. Die Anwesenheit
eines Süßwasseraquariums im häuslichen Milieu in Verbindung mit
Hautveränderungen an den Fingern lässt die klinische
Differenzialdiagnose einer atypischen Mykobakteriose wahrscheinlich werden,
wenngleich anuläre Hautveränderungen hier zwar generell möglich
jedoch insgesamt eher unwahrscheinlich sind. Typischerweise kommt es hier zu
einer Knotenbildung an der Haut, die allerdings auch unter einer lokalen
Therapie mit Fucicort Creme keine Verbesserung zeigen.
Bei anulären Hautveränderungen sollten sonst weitere
klinische Differenzialdiagnosen in Betracht gezogen werden (Lichen ruber
planus, Sarkoidose, Lues, Porokeratose etc.). Der klinisch tätige
Dermatologe hatte sicherlich aufgrund eines solitären Einzelherdes in
akraler Lokalisation die Möglichkeit eines Granuloma anulare andiskutiert,
wenngleich diese Diagnose aufgrund des Fehlens von diagnostisch wegweisenden
Pallisadengranulomen histologisch schnell verworfen werden konnte.
In der histologischen Aufarbeitung zeigte sich das Bild einer akuten
superfiziellen spongiotischen Dermatitis, die bezüglich der Ätiologie
weiter analysiert werden musste. Es wäre sicherlich eine vorschnelle
Fehldiagnose, wenn dieser Befund als eine insuffizient anbehandelte
Ekzemreaktion interpretiert worden wäre. Die atopischen Stigmata waren
annamnestisch negativ und kontaktallergische Hautveränderungen einseitig
an den Händen sind zwar prinzipiell möglich, jedoch eher
unwahrscheinlich. Der in diesem Fall auch für den Histologen wegweisend
klinische Hinweis liegt in der Angabe, dass es sich um eine anuläre
Hautveränderung gehandelt hat. Für den erfahrenen Histologen ergibt
sich daraus der zwingende Hinweis, sich intensiv mit der Differenzialdiagnose
der Mykosen zu beschäftigen. Aus diesem Grunde ist es notwendig, in
möglichst vielen PAS-gefärbten Serienschnitten nicht nur das Stratum
corneum, sondern auch die Terminalfollikel intensiv nach der Anwesenheit von
Pilzmaterial zu überprüfen. In unserem Fall stellte sich dann
eindeutig lediglich im Stratum corneum PAS positives Pilzmycel dar, sodass hier
die histologische Diagnose einer Tina superficialis gestellt werden konnte.
Ich möchte in diesem Zusammenhang jedoch nicht versäumen
darauf hinzuweisen, dass gelegentlich nur in einem einzelnen Serienschnitt
dieser Nachweis gelingt, da derartige Dermatosen nicht selten mit lokalen
Antimykotica anbehandelt werden, ohne dass es in der klinischen Konsultation
angegeben wird. Es gibt auch Fälle, die derartig insuffizient lokal
anbehandelt worden sind, in denen der Histologe das Pilzmaterial lediglich in
der Tiefe eines Terminalfollikels nachweisen kann, wohingegen das Stratum
corneum völlig frei erscheint (Tinea profunda).
Abschließend kann diese Dermatose sicherlich derartig
interpretiert werden, dass wahrscheinlich eine Süßwasseraquarianerin
in Griechenland Kontakt gehabt hat zu mykotischem Material (infizierte Katzen
etc.) und sich somit an dem rechten Ringfinger eine Tinea superficialis
zugezogen hat.