VMTB und dvta veranstalten in Zusammenarbeit mit neun radiologischen Instituten und
der Deutschen Röntgengesellschaft einen Tag der Offenen Tür für MTRAs von morgen.
Katja Röhr, Vorsitzende der VMTB, und Andreas Pfeiffer, dvta-Vorsitzender der Fachrichtung
Radiologie/ Funktionsdiagnostik erklären, wie sie junge Menschen für den Beruf des
Radiologie-Assistenten gewinnen wollen.
Warum haben Sie - die VMTB und der dvta - den Aktionstag ins Leben gerufen?
Warum haben Sie - die VMTB und der dvta - den Aktionstag ins Leben gerufen?
Röhr: Ganz klar: Unser Ziel ist es, Nachwuchs zu holen...
Pfeiffer: ... mit dem angenehmen Nebeneffekt, das Berufsbild bekannter zu machen. Zu zeigen, dass
das ein spannender Beruf ist.
Warum gibt es die Nachwuchsschwierigkeiten?
Warum gibt es die Nachwuchsschwierigkeiten?
Pfeiffer: Das liegt zum einen in der Sozialisation des Berufs. Es ist ein ausgesprochener Frauenberuf
und das, obwohl er so techniklastig ist. 92 % der MTRAs sind weiblich, entsprechend
sind die Gehaltsstrukturen.
Röhr: Der Beruf ist bei vielen Menschen schlicht unbekannt und mit Vorurteilen belastet.
Viele glauben, der Beruf sei wegen der Strahlung gefährlich.
Pfeiffer: Was nicht stimmt. Nicht umsonst beträgt die Ausbildungszeit zur MTRA 3 Jahre, und
in dieser Zeit erwirbt der Schüler, die Schülerin, die Fachkunde im Strahlenschutz,
weiß also mit den Gefahren von Röntgenstrahlung umzugehen. Aber das Hauptproblem hat
Frau Röhr angesprochen - es ist der geringe Bekanntheitsgrad. Wenn man an die Gesundheitsfachberufe
denkt, dann fallen einem Hebammen, Logotherapeuten, Ergotherapeuten ein, aber an die
MTRA denkt man zuallerletzt. Die treten in der Klinik auch nicht so in Erscheinung.
Die MTRA arbeiten in der Röntgenabteilung einer Klinik und haben nur bei den Untersuchungen
direkten Kontakt mit den Patienten. Sie begleiten die Patienten also nicht im Krankenhausalltag
wie etwa die Krankenschwestern, sondern müssen in konkreten Situationen ihnen verständnisvoll
begegnen und ihre technische Arbeit sorgsam ausführen. Schließlich ist die Arbeit
der MTRA eine der wesentlichsten Grundlagen für die ärztliche Diagnostik und die folgende
Therapie.
Was zeichnet aus Ihrer Sicht den Beruf der MTRA aus?
Was zeichnet aus Ihrer Sicht den Beruf der MTRA aus?
Röhr: Es gibt unheimlich viel Technik, und diese Technik erneuert sich ständig. In der Röntgenabteilung
unserer Klinik wurden beispielsweise in den vergangenen 2 Jahren 4 neue medizinische
Geräte angeschafft. Das bedeutet: Wir MTRAs müssen uns immer wieder fortbilden. Da
ist nirgendwo Stillstand, sondern eine täglich anspruchsvolle Arbeit zu leisten. Es
geht nämlich nicht nur darum, Knöpfchen zu drücken, wie manche vielleicht meinen,
sondern vielmehr die Technik kompetent zu steuern und zum Wohle des Patienten einzusetzen.
Pfeiffer: Ganz wichtig ist auch die Vermittlerrolle zwischen Mensch und Technik. Je nachdem,
wo Sie arbeiten, zum Beispiel in der Strahlentherapie, haben Sie es mit großen und
furchteinflößenden Geräten zu tun. Die Apparate sind teilweise so groß wie kleine
Lastwagen und oftmals in Räumen, die mit schweren Stahltüren gesichert sind. Das ist
für den Patienten nicht angenehm und abschreckend. Und hier sind MTRA gefordert mit
menschlichem Fingerspitzengefühl, dem Patienten die Angst vor der Untersuchung zu
nehmen.
Wie würden Sie in einem Bild, in einem Satz das Berufsbild der MTRA beschreiben?
Wie würden Sie in einem Bild, in einem Satz das Berufsbild der MTRA beschreiben?
Röhr: Wir sind das Bindeglied zwischen Technik und Patient. Wir sind diejenigen mit dem
Kontakt zu den Patienten und nicht selten wichtige Ansprechpartner für sie. Wir bedienen
die Großgeräte.
Pfeiffer: Wir sind so etwas wie der medizinische Fotograf.
Wie schauen die Perspektiven nach der Ausbildung aus?
Wie schauen die Perspektiven nach der Ausbildung aus?
Röhr: Einen Job findet man sofort auf der Stelle und zwar ohne den Einsatz von Flexibilität.
Unsere Schulabgänger können ihre Wunschstellen bekommen.
Pfeiffer: Ein Absolvent kann in aller Regel zwischen 3 und 4 Stellen wählen - vielleicht mit
regionalen Unterschieden. MTRAs werden händeringend gesucht. Wer heute eine Stelle
kündigt, kann morgen eine neue antreten. Innerhalb des Berufs hat die MTRA die Möglichkeit,
in den Schuldienst zu treten oder im Klinikbetrieb in leitende Positionen aufzusteigen.
Ein 3. Zweig, der sich auftut, ist die Karriere in der Industrie. So kann man Applikationsspezialist
werden (Schulungsbeauftragter für Großgeräte, Anm. d. Red.) oder in den Industrie-
und Forschungsbereichen Digitalisierung und Bildarchivierung arbeiten. Es gibt ein
enormes Potenzial für MTRA in der Industrie.
Röhr: Als Applikationsspezialist zu arbeiten, ist mit hoher Reisebereitschaft verbunden,
aber viele ehemalige Schüler, die als Applikationsspezialisten bei großen Firmen angefangen
haben, haben innerhalb dieser Firmen rasch Karriere gemacht.
Welche weiteren Schritte müssen, neben der Öffentlichkeitsarbeit, unternommen werden,
um das Berufsbild der MTRA interessanter und attraktiver zu gestalten?
Welche weiteren Schritte müssen, neben der Öffentlichkeitsarbeit, unternommen werden,
um das Berufsbild der MTRA interessanter und attraktiver zu gestalten?
Pfeiffer: Der wichtigste Schritt ist, aus der MTRA-Ausbildung einen doppelqualifizierenden Abschluss
zu machen. Das heißt: Wer das Staatsexamen ablegt, hat zugleich auch die Fachhochschulreife
erworben. Die anderen EU-Länder gehen hier noch einen Schritt weiter und machen aus
der Ausbildung ein Studium. Das ist in Deutschland politisch nicht gewollt. Die Politik
ist daran interessiert, die Gesundheitsfachberufe auch für Realschüler offen zu halten.
Dagegen ist auch nichts zu sagen, und man muss sich auch kritisch fragen, ob sich
die Akademisierung in diesem Bereich überhaupt lohnt. Aber das Modell, die Fachhochschulreife
mit der Ausbildung zu koppeln, ist sinnvoll. Per se ist das bereits möglich, es gibt
hierzu bereits einen Beschluss der Kultusministerkonferenz. Die MTA-Schule in Lemgo
bietet eine Modellausbildung, dort haben die Schüler mit Abschluss der Ausbildung
auch die FH-Reife. Diesem Beispiel müssen weitere Schulen folgen.
Röhr: Was ich für ganz wichtig erachte ist, dass das Wort "Assistenz" aus der Berufsbezeichnung
verschwindet.
Pfeiffer: Absolut korrekt. Die Assistenz ist nicht mehr zeitgemäß. Die Arzthelferin hat ja mittlerweile
den Schritt vollzogen und heißt "Medizinische Fachangestellte". Das ist auch für die
MTA an der Zeit.
MTRA-Aktionstag
MTRA-Aktionstag
Unter dem Motto "Schau rein, was fur Dich drin steckt" veranstaltet die VMTB, der
dvta und die Deutsche Rontgengesellschaft in Zusammen mit 9 radiologischen Instituten
einen Informationstag zum Berufsbild MTRA. Angesprochen werden Schülerinnen und Schüler,
die vor der Wahl des Berufs stehen. Der MTRA-Aktionstag findet an folgenden Instituten
statt:
-
7.11. Berlin, Charite
-
7.11. Frankfurt, Stadtisches Klinikum Frankfurt Höchst
-
7.11. Leipzig, Universitätsklinikum
-
7.11. Tubingen, Universitätsklinikum
-
14.11. Berlin, Unfallkrankenhaus
-
14.11. Bonn, Universitätsklinikum
-
14.11. Nurnberg, Klinikum Nord
-
14.11. Hamburg, Universitätsklinikum Eppendorf
-
21.11. Munster, Universitätsklinikum
Weitere Informationen auf der Kampagnenseite www.mtawerden.de