Einleitung
Einleitung
Seit den 80er- und den 90er-Jahren wurde die operative
Frakturbehandlung durch den Begriff „biologische Osteosynthese”
geprägt. Dies war eine Reaktion auf zahlreiche Komplikationen, die sich
aus der großzügigen offenen Reposition der Frakturen mit genauer
Einpassung der Fragmente und der damit verbundenen Devastierung des Knochens
herleitete. Erweitert wurde die „biologische” Operationsmethode
durch minimalinvasive Osteosynthesetechniken. Hauptpfeiler der biologischen und
der minimalinvasiven Osteosynthesetechnik sind indirekte
Repositionstechniken.
Hintergrund Einteilung der indirekten Repositionsmanöver
(mit allerorts verfügbaren Mitteln – Sonderinstrumente und
zukünftige Repositionshilfen wie z. B. Navigation werden nicht
beschrieben)
-
Lagerung
-
Extension mit Extensionstischen
-
Joysticks
-
externe Reposition mit modularem Fixateur externe
-
Distraktion und Manipulation mit unilateralem Distraktor
-
Distraktion und Manipulation mit ausbalanciertem Distraktions-
und Manipulationsrahmen
-
Manipulatoren und Repositionsgriffe
-
Repositionszangen
-
indirekte Repositionstechniken mit der Osteosynthese
selbst
-
Reposition mithilfe von Olivendrähten
Lagerung und indirekte Reposition
Lagerung und indirekte Reposition
Die Lagerung gehört zu den Grundlagen der indirekten Reposition
bei konservativer Knochenbruchbehandlung, kann aber für die indirekte
Reposition bei operativer Knochenbruchbehandlung übertragen werden.
Exemplarisch sollen die indirekten Repositionshilfen bei der
distalen Femur- und Radiusfraktur als wichtige und häufig anzuwendende
Methoden dargestellt werden.
Distale Femurfrakturen
Bei distalen Femurfrakturen werden die Kondylenfragmente durch den
Zug des M. gastrocnemius in eine Beugestellung abgelenkt. Bei der konservativen
Frakturenbehandlung wurden Schienen und Extension so ausgelegt, dass diesen
Muskelkräften z. B. durch Beugung im Kniegelenk zwischen
30 ° und 60 ° und entsprechender Zugrichtung
entgegengewirkt wurde. Dieses bewährte Manöver kann für die
indirekte Reposition bei der intraoperativen Reposition zuhilfe genommen
werden.
Die einfachste Technik, das Kniegelenk zu beugen, ist das Lagern
auf Lagerungskissen oder Lagerungsdreiecken. Die Unterlage muss groß
genug sein, um effektiv 30 – 60 ° Beugung im
Knie zu erreichen (Abb. [1]).
Abb. 1 Die einfachste
Möglichkeit bei der operativen Versorgung einer distalen Femurfraktur ist
das Unterlegen eines „Boppels”, einer Rolle oder eines Dreiecks
unter die Kniekehle bzw. besser unter das distale Femur. Dadurch wird der
Rekurvation durch Beugung und indirekten Druck entgegengewirkt. Zusätzlich
kann bei den entscheidenden Schritten der endgültigen Fixation sanft
gezogen werden.
Eine weitere Möglichkeit ist, dass ein Operationstisch
verwendet wird, welcher sich in Höhe der Kniegelenke entweder beidseits
oder besser getrennt abwinkeln lässt.
Die Operateure klären, ob die Einstellung des Tisches
während der Operation beibehalten wird oder ob während der Operation
eine Manipulation möglich ist. Gegebenenfalls ist zu prüfen, ob die
anfänglich durch die Position der Tischanteile verursachte Beugung ggf. so
ausgeglichen wird, dass am Ende der Operation das Bein im Kniegelenk gestreckt
gelagert werden kann.
Eine Variante der Manipulation am Tisch kann für den distalen
Femurnagel empfohlen werden. Hierzu wird der Fußanteil für das
betroffene Bein entweder ganz entfernt oder 90 ° nach unten
hängend positioniert. Allerdings erschwert ein hängendes Tischelement
den möglichen Durchlauf des Bildwandlers zur a. – p.
Stellung. Wird das Fußteil ganz entfernt, muss zur Ablage des gestreckten
Beines am Ende der Operation ggf. ein Zusatztisch benützt werden.
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Bei all diesen Manipulationen am Tisch und mit dem Bildwandler
muss die Sterilität gewahrt werden.
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Distale Radiusfrakturen
Bei der operativen Versorgung der distalen Radiusfraktur
können die lange Zeit geübten und erfolgreichen
Repositionsmanöver für die indirekte Reposition bei konservativer
Therapie übernommen werden. Diese Manöver sind nach sterilem Abdecken
auf dem Operationstisch anzuwenden. Gegebenenfalls sind entsprechende
Widerlager angezeigt. Unterlagen aus zusammengerollten Bauchtüchern oder
eine umgedrehte Nierenschale sind möglich (Abb. [2]).
Abb. 2 a – c
Die distale Radiusfraktur wird je nach Richtung der Distraktion
unterstützt und in die Gegenrichtung reponiert.
Aus Sicht des Autors sollten solche indirekten prä- und/oder
intraoperativen Repositionsmanöver in die Tagesordnung von
Operationskursen aufgenommen werden.
Hintergrund Merkmale der Lagerung
-
einfache und effektive Methode
-
prä- und intraoperative Vorbereitung
-
Bereitstellung der Hilfsmittel
-
Einüben der Methode
Extension
Extension
Die Extension der frakturierten Gliedmaße ist eines der am
besten geeigneten Mittel der Reposition von Frakturen und eine der
ältesten und weit verbreitetsten Repositionstechniken.
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Der Zug in die anatomisch richtige Richtung und Länge
bewirkt: – Kompensation der
Muskelkräfte. – Reposition durch die Wiederherstellung des
elastischen Weichteilmantels. – Die Fragmente folgen dem Gesetz
des geringsten Widerstands. – Die annähernd anatomische
Anordnung in Länge und Richtung ist dann die Position, die am wenigsten
Volumen und Gegenkräfte benötigt und somit stellen sich die
Fragmente, wenn kein Repositionshindernis vorliegt, freiwillig in eine
möglichst anatomiegerechte Stellung ein.
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Die Kraftübertragung nach körperfern erfolgt über
einen Steinmann-Nagel und/oder gespannten Kirschner-Draht oder den
eingespannten Fuß. Die Gegenkraft selbst ist der Körper, weshalb
dieser, Böhler folgend, am besten auf einer leicht schiefen Ebene nach
kopfwärts gelagert werden soll, um diese Gegenkraft aufzubringen (Zug und
Gegenzug/Aktion und Reaktion).
Paradebeispiel für die intraoperative indirekte Reposition ist
der Extensionstisch, z. B. zur operativen Behandlung der proximalen
Femurfraktur mit proximalen Femurnägeln (Abb. [3]).
Abb. 3 a Bei Femurfrakturen
eignet sich die Lagerung auf dem Extensionstisch zur Reposition durch
Längszug. b Der Vollständigkeit halber hier
noch das Beispiel der alternativen Lagerung zur Oberschenkelnagelung –
diese Seitenlagerung ist mit und ohne Extension möglich.
Die Unterschenkelmarknagelung kann sowohl auf einem Extensionstisch
(Abb. [4 a]) als auch ohne besondere
Hilfsmittel einfach am seitlich über den Tischrand hängenden
Unterschenkel ausgeführt werden (Abb. [4 b]). Auch bei dieser sehr praktischen Lagerung
wirken ausrichtende Kräfte durch die Schwerkraft, die durch leichten Zug
verstärkt werden kann. Diese Lagerung ist inzwischen weit verbreitet.
Abb. 4 a Bei den Tibiafrakturen
eignet sich die Lagerung auf dem Extensionstisch zur Reposition durch
Längszug. b Tibianagelung am hängenden
Unterschenkel. Das Bein hängt über die seitliche Tischkante. Das Knie
ist mit einer Rolle unterlegt. Damit kann bis 100 ° gebeugt werden.
Zur BV-Kontrolle wird das Bein auf den Tisch angehoben. Einfach, schnell,
sicher.
Der Extensionstisch bei der Unterschenkelmarknagelung hat durchaus
auch Grenzen:
-
Die Beugung im Kniegelenk ist lediglich
60 – 90 °.
-
Die Reposition muss präoperativ eingestellt werden.
-
Eine intraoperative Manipulation ist nicht möglich.
-
Die korrekte Anwendung des Extensionstisches ist durchaus eine
herausfordernde Aufgabe.
-
Bei sehr komplexen und schweren offenen Frakturen sowie
gleichzeitigen, in gleicher Operation erfolgenden plastischen Maßnahmen
ist die Anwendung nicht möglich
-
Bei Polytrauma oder Mehrfachverletzungen ist der Extensionstisch
nicht möglich.
Hintergrund Merkmale der Extension
-
altbewährte Methode
-
weit verbreitet
-
heute noch gültig und effektiv
-
entsprechende Extensionstische müssen bereitgestellt
werden
-
Handhabung für Pflegepersonal und Ärzte muss
geschult und geübt werden
-
Hauptanwendungsgebiete: proximales Femur und Unterschenkel
für die Marknagelung
„Joysticks”
„Joysticks”
Schanz-Schrauben, Steinmann-Nagel aus dem ExFix-Instrumentarium oder
2 – 4 mm starke Kirschner-Drähte können
als Manipulatoren von Fragmenten verwendet werden – der Name
„Joystick” hat sich eingebürgert. Diese
„Joysticks” verschiedener Größen, Positionierung und
Richtung sind eine der einfachsten direkten, aber doch indirekten und
minimalinvasiven Repositionshilfen.
Damit können Hauptfragmente, kleine Fragmente und
Gegenfragmente manipuliert werden.
„Minimalinvasiv” ist richtig, weil eine
Schanz-Schraube verschiedener Stärke oder ein Kirschner-Draht mit oder
ohne Gewinde über eine Stichinzision eingebracht werden kann.
Die Regel ist einfach:
-
Große Fragmente können mit einer dicken
Schanz-Schraube manipuliert werden (Abb. [5]).
-
Kleine Fragmente sollten mit kleinen Schanz-Schrauben oder
dicken Kirschner-Drähten manipuliert werden.
-
Der Joystick sollte in Bezug auf die gewünschte
Manipulation von einer optimalen Position und Richtung eingebracht werden.
Abb. 5 a Joysticks zur
Reposition bei der Femurnagelung. b Schanz-Schrauben
oder dicke Kirschner-Drähte sind geeignete Hilfsmittel, um ein oder
mehrere Fragmente zu manipulieren. Eintrittspunkt und Richtung sollten gut
überlegt sein.
Hintergrund Merkmale der Joysticks
-
minimalinvasive Methode
-
mit Schanz-Schrauben oder dicken Kirschner-Drähten je
nach Fragmentgröße
-
im Regelfall 1 Joystick ausreichend, manchmal 2 hilfreich
-
korrekte Platzierung und Richtung überlegen
-
1 – 2 Schanz-Schrauben/dicke
Kirschner-Drähte auf Trauma- und Orthopädiesiebe legen
-
nicht zögern, die Joysticks anzuwenden
Externe indirekte Reposition mit modularem Fixateur
externe
Externe indirekte Reposition mit modularem Fixateur
externe
Der klassische Fixateur externe wurde nach folgender Regel
eingebracht, welche auch für andere Osteosynthesen gilt: zunächst
Reposition der Fragmente und dann stabile Fixation.
Der modulare Fixateur externe arbeitet auf andere Weise:
Zunächst wird jedes Hauptfragment mit einem isolierten Fixateurrahmen
besetzt. Diese Einzelrahmen, welche dann jeweils in den Hauptfragmenten
verankert sind, ob nun Schaftfrakturen, gelenknahe Frakturen oder auch
gelenküberbrückend, werden dann modular über 2 Backen, welche
wie 2 Kardangelenke arbeiten, verbunden. Die modulare Zwischenverbindung kann
intraoperativ und/oder postoperativ jederzeit gelöst und neu manipuliert
und eingestellt werden. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Einzelrahmen
für jedes Hauptfragment als „Handgriff” zur Manipulation
verwendet werden können (Abb. [6]). Diese
können temporär intraoperativ verlängert werden (Abb. [7]).
Abb. 6 a – d Der
modulare Fixateur externe arbeitet nach folgendem Prinzip: Die Fraktur
wird nur grob reponiert (a). Dann werden beide
Hauptfragmente mit jeweils 2 Schanz-Schrauben in günstiger Position
besetzt. Die Richtung und die Position sind frei (b).
Die 2 Schanz-Schrauben in einem Fragment werden mit Rohr-/Pinbacken und einem
Rohr besetzt. Alle Schrauben werden sehr fest angezogen (c). Das modulare Rohr kann nach Reposition oder vorgelegt
angebracht werden: Mit Rohr-zu-Rohr-Backen werden die zur Fraktur zeigenden
Enden miteinander verbunden. Mit offenen Rohr-zu-Rohr-Backen können auch
zwischen den Schanz-Schrauben die Backen besetzt werden. Dann kann mithilfe der
„Handgriffe” jedes Hauptfragment in allen 6 Freiheitsgraden
bewegt und reponiert werden. Nach erfolgter Reposition, klinischer, ggf.
röntgenologischer Kontrolle werden die Rohr-zu-Rohr-Backen angezogen (d).
Abb. 7 Am Beispiel einer drittgradig
offenen Unterschenkelfraktur wird gezeigt: Reposition mit modularem
Fixateur externe und intraoperatives Andocken je eines langen
Fixateurrohres/-stabes an jedem Rahmenanteil. Die Reposition ist dadurch
einfacher, schonender, rascher und die Hände der Operateure haben eine
Distanz zum Röntgenstrahl des Bildwandlers.
Hintergrund Merkmale der externen Reposition mit modularem
Fixateur externe
-
umgekehrtes Prinzip: zunächst Fixateur, modulare
Reposition, dann Stabilisierung
-
je ein Teilrahmen an beiden Hauptfragmenten
-
Teilrahmen zur Reposition mit externen Handgriffen
verwenden
-
modulares Zwischenelement über 2 Rohr-zu-Rohr-Backen (wie
Kardangelenke) fixieren
-
mehrfach intraoperativ wiederholbar
-
verwendbar für Fixateur externe und für
intraoperatives Repositionsinstrument
-
temporäre intraoperative lange Handgriffe verwenden
-
Ausnutzung der Ligamentotaxis, insbesondere
gelenküberbrückend
-
kombinierbar mit Distraktor
-
insbesondere für eingeschobene minimalinvasive
Plattenosteosynthesen geeignet
Distraktor
Distraktor
Der große und kleine Distraktor in seinen verschiedenen Formen
sind indirekte Repositionsinstrumente, die seit Jahrzehnten bekannt sind.
Fragmente, die gegen starke axial kontrahierende Muskelkräfte
schwer zu reponieren sind (z. B. veraltete Frakturen), können mit
einem Distraktor sanft und gut dosiert distrahiert und damit reponiert werden
(Abb. [8]). Der Distraktor kann vielfältig
eingesetzt werden. An Beispielen soll dies gezeigt werden.
Abb. 8 a u. b
Anwendung des großen Distraktors am Femur. Proximal anteriore (a) und proximal laterale (b) Position
der Schanz'schen Schrauben.
Durch die unilaterale Distraktion besteht die Gefahr der
Achsabweichung nach der Gegenseite. Dem kann entgegengewirkt werden durch:
-
Verwendung ausreichend dicker Schanz-Schrauben,
-
möglichst enge Positionierung des Distraktors zur
Knochenachse,
-
voreingestellte Schräglage der Schanz-Schrauben und der
Achse, damit die erwartete „Abweichung” dann zur geraden Achse
führt,
-
Manipulation der Schanz-Schrauben.
Hintergrund Merkmale des Distraktors
-
neben dem Extensionstisch eines der ältesten
Distraktionsmittel zur indirekten Reposition
-
unilaterale Platzierung von 2 Schanz-Schrauben
-
Indikation am Schaft und gelenküberbrückend mit
Ligamentotaxis
-
auch für Spezialindikation:
hüftgelenküberbrückend und andere
-
der Tendenz zur Abweichung auf die „Gegenseite”
muss entgegengewirkt werden
-
mit dicken Schanz-Schrauben
-
nah an der Knochenachse positionierter Distraktor
-
Gegenhalten oder sekundäre Manipulation einer oder beider
Schanz-Schrauben in ihrem Gelenk um die Querachse
-
vor Distraktion erwartete Achsabweichung berücksichtigen
und einen anfänglichen „Fehler” einbauen, welcher sich dann
ausgleicht
-
Distraktor in Bereitschaft halten und üben
-
Kombination mit anderen indirekten Repositionsmanövern
möglich
Bilateraler Distraktionsrahmen
Bilateraler Distraktionsrahmen
Die Grundsätze des Distraktors und des Extensionstisches
können mit einem bilateralen, ausbalancierten Distraktionsrahmen
zusammengeführt werden.
Vom Distraktionsrahmen ausgehend können Fragmente, welche durch
die „einfache” Distraktion nicht ausreichend reponiert werden
können, zusätzlich über Joysticks, welche von diesem Rahmen
ausgehen und fixiert werden können, manipuliert werden.
Anordnung für die Versorgung von Unterschenkelfrakturen
(Abb. [9])
-
Ein Steinmann-Nagel wird am Tibiakopf eingebracht. Dieser kann
ventral vom Fibulaköpfchen oder in der Tuberositas tibial liegen. Dann
liegt er außerhalb des Kanals, durch welchen der Marknagel eingebracht
wird.
-
Der Gegenpol wird über einen Steinmann-Nagel im Kalkaneus
oder in der distalen Tibia hergestellt.
-
Der proximale und der distale Steinmann-Nagel werden nun
über lange Fixateurrohre oder besser röntgendurchlässige
Kohlefaserstäbe verbunden.
-
Eine Seite wird mit Fixateurbacken fest verbunden. Bei der
anderen Seite wird die Verbindung der Backen zum Rohr bzw. Kohlefaserstab offen
gehalten. Diese Backen werden dann mit sog. „Rohrspannern”
besetzt und können so lateral und/oder medial bis 2 cm nach distal
geschoben werden.
-
Durch die differenzierte Betonung oder Nachlassen der
Distraktion in verschiedener Dosierung lateral und medial kann ausbalanciert
distrahiert und damit reponiert werden.
-
Ein Vorteil ist, dass die verletzte Extremität frei
beweglich auf dem normalen Operationstisch liegen kann. Es ist die volle
Streckung und die volle Beugung möglich.
-
Der Rahmen ist so flexibel, dass er eine Außen- und
Innenrotation durch Verwindung des Rahmens von
20 – 30 ° problemlos zulässt.
-
Ein weiteres Hilfsmittel ist: Die Fixateurrohre bekommen
distal 2 Zusatzrohre in ungefähr 60° nach vorne zeigend angebracht. So
lässt sich das Bein in gebeugter Stellung so aufstellen, dass es nicht
oder kaum gehalten werden muss (Abb. [9]).
-
Für störrige Frakturen oder Fragmente lässt
sich von diesem Rahmen ausgehend von lateral und/oder medial mit Joysticks,
welche unikortikal eingebracht werden, schieben und somit die Reposition
feinjustieren oder störrige Fragmente oder Dislokationen beheben.
Abb. 9 Mit Rohrspannern kann
gezielt und dosiert lateral und/oder medial distrahiert, nachgelassen oder
komprimiert werden. Am distalen Ende des Distraktionsrahmens können
zusätzlich Rohre 60° nach vorne zeigend angeschraubt werden. Das im
Kniegelenk gebeugte und aufgestellte Bein steht fast von selbst. Es ist wenig
oder keine Assistenz nötig. Besonders zu empfehlen ist dies bei der
Marknagelung der Tibia.
Hintergrund Merkmale der bilateralen
Distraktionsrahmen
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Indikation für die Tibia
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bilateral ausbalancierte Distraktion
-
Angriffspunkt an der proximalen Tibia und Kalkaneus,
wahlweise distale Tibia
-
Verwendung vorhandener Fixateurelemente
-
Vorteile wie beim Extensionstisch ohne dessen Nachteile
-
am Kniegelenk maximale Beugung über 120 °
und Streckung möglich
-
geeignet für die Marknagelung und für die
eingeschobene Platte
-
Trick mit angeschraubten „Füßen”
erlaubt das Aufstellen des Unterschenkels im Knie ohne bzw. wenig Assistenz
(minimal personalintensiv)
-
„Ruhe” der Knochen, Fragmente und Weichteile
schont die Weichteile
-
minimal traumatisierend im Sinne der minimalinvasiven
Idee
Manipulatoren
Manipulatoren
Über eine Schanz-Schraube wird eine Hülse geführt,
welche vorne zum Knochen hin Zähne hat. Diese Hülse wird dann
mithilfe einer Mutter auf dem gewindetragenden Ende der Schanz-Schraube gegen
den Knochen gepresst. So entsteht ein „Joystick”, welcher die
Kräfte noch besser als eine einzelne Schanz-Schraube überträgt
und vor allem auch eine Rotation ermöglicht.
Nach Reposition können die Griffe dieser Manipulatoren im Sinne
der Modulartechnik gegeneinander fixiert werden (s. Abb. [10]).
Um diese Manipulatoren auch bei der Marknagelung zur Anwendung
bringen zu können, stehen monokortikale Manipulatoren zur Verfügung,
welche den Markkanal frei lassen.
Abb. 10 Manipulatoren stehen in 2
Größen zur Verfügung. Eine Schanz-Schraube trägt am
Schaft ein Gewinde. Nach Eindrehen der Schanz-Schraube wird eine Hülse mit
Zähnen zum Knochen zeigend übergestülpt. Diese Hülse wird
mit einer Flügelmutter, die auf dem Gewinde am Schaft läuft, gegen
den Knochen gepresst. So entsteht ein stabil fixierter Joystick, mit welchem
das Fragment auch rotiert werden kann. Die 2 Manipulatoren können dann
über die üblichen offenen Rohr-zu-Rohr-Backen modular gegeneinander
fixiert werden. Eine monokortikale Version steht zur Verfügung. An diesen
Schrauben „vorbei” kann dann auch eine Marknagelung
durchgeführt werden.
Hintergrund Merkmale der Manipulatoren
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Funktion wie Joysticks
-
durch die angepresste Überwurfhülse stabilere
Manipulation und Rotation möglich
-
Verbindung der Manipulatoren zwischen den Hauptfragmenten
durch modulares Fixateurelement möglich
-
anwendbar isoliert, kombiniert mit 2 Joysticks oder mit
weiteren Elementen: Fixateur, koaxiale Zange u. a.
-
verfügbar groß und klein, bi- und monokortikal
Koaxiale Repositionszange
Koaxiale Repositionszange
Die koaxiale Zange arbeitet so, dass der Repositionsweg und die
Kraft zum Reponieren und Stabilisieren auf einer Achse liegen. Ein Haken der
Zange wird auf der Gegenseite platziert, der Gegenhaken wird vorgeschoben. Die
Form des Hakens kann in Größe und Form verschieden sein
(Abb. [11]).
Abb. 11 Beide Branchen der
koaxialen Zange arbeiten mit nur 1 cm Abstand auf derselben Achse. Die
Spitze der einen Branche (austauschbar) zieht die andere dadurch, dass sie
über einen Pistolengriff vorgeschoben und bei jedem Schritt arretiert
wird. Damit lassen sich perkutane minimalinvasive Zangenbewegungen durch
trichterförmige Zugänge durchführen.
Damit lassen sich Repositionsmanöver über
trichterförmige Zugänge erreichen. Besonders vorteilhaft ist dies bei
der Beckenchirurgie, da hier für konventionelle Zangen mit direkter
Reposition der Platz fehlt. Ein weiteres Anwendungsgebiet ist z. B. die
indirekte Reposition des Knochens gegen eine eingeschobene Platte oder von
schrägen oder spiralförmigen Knochenfragmenten z. B. am Femur.
Für die Zange stehen verschieden geformte und verschieden lange koaxiale
Branchen zur Verfügung. Eine davon ist ausladend und entspricht dann eher
einer großen, die Weichteile umgreifenden Repositionszange. Der Vorteil
ist, dass nicht auf einem Kreisbogen, sondern quer in der axialen Richtung
komprimiert wird.
Eine Alternative hierzu sind große und sehr große
Repositionszangen, welche die Weichteile umfahrend eine Reposition bewirken
können, z. B. an der Femurkondyle, Tibiakopf oder zur Einstellung
der Sprunggelenkgabel, ohne die Weichteile zu drücken, wie es
„normale” Repositionszangen häufig tun (Abb. [12]).
Abb. 12 Große Zangen sind
manchmal weniger „invasiv” als Zangen normaler Größe,
weil sie die Weichteile weit umgreifen und medial und lateral an die
Repositionspunkte ohne weiteren Weichteildruck über Stichinzisionen
eingesetzt werden können. Zangen „normaler” Größe
drücken häufig die Weichteile mit ihren gebogenen Branchen.
Hintergrund Merkmale der koaxialen Zange
-
Highlight der minimalinvasiven Instrumente, hilfreich für
offene und minimalinvasive Osteosynthese
-
Schiebezange und verschiedene Branchen getrennt
-
weit gefächertes Anwendungsgebiet und
Indikationsspektrum
Reposition mit Zange gegenüber
„Angriffsschrauben” (attack screw)
Am Tibiaschaft würde man sich manchmal asymmetrische Zangen
wünschen. Außerdem ist es für die Weichteile nicht dienlich,
wenn die Zangen häufiger gewechselt und angesetzt werden müssen. Hier
hilft ein Trick: Am gewünschten Angriffspunkt wird eine
3,5-mm-Kortikalisschraube eingebracht, welche über die Haut hinausragt.
Die Zangenspitze kann nun in den Inbus der Schraube eingesetzt werden.
Hintergrund Merkmale der Angriffsschrauben
-
machen aus einer normalen Repositionszange eine
asymmetrische Zange
-
dadurch wird Druck auf die Weichteile vermieden
-
mehrfaches Ansetzen ohne zusätzliche
Weichteilirritation
Reposition mit „Push Screw”
Zum Anheben von Gelenkfragmenten am Schienbeinkopf, Talus oder
Kalkaneus u. a. wird durch eine Kortikalis eine
Schraube eingedreht, deren Spitze auf das zu reponierende Fragment zielt. Durch
Vordrehen dieser Schraube wird das Fragment langsam angehoben. Das Manöver
wird unter Durchleuchtung oder durch direkten Einblick ins Gelenk kontrolliert
(Abb. [13]).
Abb. 13 a u.
b Indirekte Reposition mit „Push Screw” an 2
Beispielen gezeigt: Tibiakopf (a) und Kalkaneus
(b).
Reposition an der Platte
Minimalinvasiv eingeschobene Platten oder offen eingebrachte
Platten können dazu benutzt werden, um Fragmente gegen die Platte indirekt
heranzuziehen und damit zu reponieren. Bei winkelstabilen Platten ist für
dieses Manöver zunächst die Verwendung einer konventionellen Schraube
nötig (Abb. [14]).
Abb. 14 Auch bei den
minimalinvasiven Plattenosteosynthesen mit winkelstabilen Platten können
mit konventionellen Schrauben und mit Zug Repositionen vorgenommen werden.
Hintergrund Merkmale der Reposition an der Platte
-
Normale und anatomisch vorgeformte Platten können als
Leitschiene verwendet werden.
-
Fragmente werden herangezogen (mit konventionellen Schrauben
oder Zangen, z. B. koaxialer Zange).
-
Bei einseitiger Fixation kann distrahiert und komprimiert
werden.
-
Distraktion und Kompression können auch für
Kippmanöver verwendet werden.
Indirekte Reposition mit der intramedullären Nagelung
Indirekte Reposition mit der intramedullären Nagelung
Das Auffädeln von Teil- oder Hauptfragmenten mit der
intramedullären Nagelung ist einer der Grundsätze und großen
Vorteile der Marknagelung und soll hier nur der Vollständigkeit halber
erwähnt werden.
Bei der aufgebohrten Marknagelung oder bei der durch Bohrdorn
geführten unaufgebohrten Marknagelung kann dieses
Auffädelungsmanöver mit dem Bohrdorn vorgenommen werden. Hierzu ist
manchmal ein entsprechendes Biegen, Drehen und Auffädeln notwendig.
Gleichzeitig können die zuvor beschriebenen indirekten
Repositionsmanöver zusätzlich Anwendung finden.
Sollte einmal für das proximale Fragment oder bei retrograden
Nagelungen auch für das distale Fragment eine kräftige Bewegung
notwendig sein, kann diese indirekt folgendermaßen manipuliert werden:
Über den Bohrdorn wird ein dünner gewählter Nagel geschoben. Mit
diesem Nagel (Dummy-Nagel), der zur Hälfte im Knochen und zur Hälfte
außerhalb liegt, kann dann das Fragment sehr gut dirigiert werden.
Gleichzeitig kann der in Bereitschaft liegende Bohrdorn im Augenblick der
günstigen Position der Fragmente zueinander in den gegenüberliegenden
Markkanal eingeschoben werden.
Hintergrund Merkmale der indirekten Reposition mit der
intramedullären Nagelung
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altbewährte Methode bei jeder Nagelung
-
Auffädeln ist gleichzeitig Reposition
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Kombination mit Hilfsmitteln
-
Auffädeln mit Bohrdorn bei aufgebohrter Nagelung, aber
auch unaufgebohrter Marknagelung möglich
-
Hilfsmittel mit Manipulationsnägeln im proximalen oder
distalen Fragment bei der retrograden Nagelung
Indirekte Reposition mit Olivendrähten
Indirekte Reposition mit Olivendrähten
Um Fragmente indirekt zu ziehen, kann von der
„Gegenseite” ein Kirschner-Draht mit Olive an der
günstigsten Stelle des zu manipulierenden Fragments eingebracht und auf
der „Gegenseite” ausgeleitet werden. Bekannt geworden ist diese
Methode durch die verschiedenen Anwendungen der Ilizarow-Methoden.
Wenn das reponierte Fragment seine Position erreicht hat, kann dies
dann konventionell, sei es mit einer interfragmentären Zugschraube,
Cerclage oder auch mit einer Platte, stabilisiert werden. Der Olivendraht wird
dann rückwärts wieder entfernt. Beim Einbringen des Drahtes von der
„Gegenseite” müssen die „sicheren Zonen”
beachtet werden, wie wir sie für die Implantation von Schanz-Schrauben
oder Kirschner-Drähten bei Ringfixateuren her kennen.
Hintergrund Merkmale der indirekten Reposition mit
Olivendrähten
Ausblick
Ausblick
Indirekte Repositionstechniken sind eine der Grundlagen für die
biologische Osteosynthese. Es ist ein Weg, um mit dem biologischen System
Knochen und Weichteile sanft umzugehen. Wir Unfallchirurgen und Orthopäden
sind aufgerufen, dies möglichst bei jeder Operation umzusetzen. Viele der
postoperativen Komplikationen werden durch verletzungs- oder operationsbedingte
Schäden im Bereich der Knochen und/oder Weichteile verursacht. In den
letzten Jahren haben wir auf diesem Weg viel gelernt und umsetzen können.
Neue manuelle oder instrumentelle Techniken werden sicher helfen, in Zukunft
noch schonender operieren zu können.