Intensive Physiotherapie und robotgestützte Therapie wirken sich gleich gut auf die
motorischen Fähigkeiten der oberen Extremitäten und die Lebensqualität von Patienten
nach Schlaganfall aus – auch, wenn dieser bereits viele Jahre zurückliegt.
Albert Lo und ein Forscherteam aus den USA führten eine randomisierte kontrollierte
Studie mit 127 Patienten durch, deren Schlaganfälle zwischen 6 Monaten und 23 Jahren
zurücklagen. Ein Drittel der Probanden hatte mehrere Schlaganfälle erlitten. Damit
waren die Teilnehmer insgesamt länger und schwerer erkrankt als Probanden in vergleichbaren
Studien. Die Autoren teilten die Teilnehmer per Zufall in drei Gruppen ein: Gruppe
A wurde medizinisch und rehabilitativ nach dem in den USA gängigen Behandlungsschema
betreut. Zusätzlich zu dieser Standardbehandlung erhielt Gruppe B eine robotgestützte
Therapie und Gruppe C eine individualisierte Physiotherapie. Jede Gruppe bekam innerhalb
von zwölf Wochen 36 einstündige Behandlungseinheiten. Nach 6, 12, 24 und 36 Wochen
untersuchten die Forscher die motorischen Funktionen der oberen Extremitäten. Außerdem
beurteilten sie die Lebensqualität der Teilnehmer sowie die Kosten und mögliche Nebenwirkungen
der einzelnen Therapien.
Nach 6, 12 und 24 Wochen konnten die Autoren noch keinen deutlichen Unterschied zwischen
den Gruppen feststellen. Erst nach 36 Wochen zeigte sich, dass die Probanden der Gruppen
B und C signifikant von den Zusatzinterventionen profitierten: Sowohl die Lebensqualität
als auch die motorischen Fähigkeiten der oberen Extremitäten hatten sich in beiden
Gruppen im Vergleich zur Standardbehandlung deutlich verbessert. Dabei war die individuell
abgestimmte Physiotherapie genauso effektiv wie das robotgestützte Training. Bedenkliche
Nebenwirkungen stellten die Autoren nicht fest. Nach 36 Wochen lagen die Therapiekosten
bei Gruppe B und C um etwa 1.200 Dollar höher als bei der Gruppe mit der Standardtherapie.
Intensive Physiotherapie hilft also selbst bei lange und schwer betroffenen Patienten
nach Schlaganfall und steht der robotgestützten Therapie in nichts nach.
hoth
N Engl J Med 2010; 362: 1772–1783