Es ist ein gesundheitspolitisches Thema, welches längst
die Medien und die Politik erreicht hat: In Teilbereichen der klinischen
und der ambulanten Versorgung, vor allem in strukturschwachen, ländlichen
Regionen, droht ein Ärztemangel. Zugleich verlassen viele Ärzte
Deutschland, um im Ausland ihre Facharztausbildung zu absolvieren und
dort ihre berufliche Zukunft zu suchen. In den verantwortlichen
Gremien und Ministerien existieren durchaus vielfältige
Vorstellungen, wie man junge Ärzte für Tätigkeiten
in der Klinik und in Praxen gewinnen kann; diese reichen von einer
Lockerung des Numerus clausus über neue Arbeitszeitmodelle
bis hin zu finanziellen Anreizen für Landarztpraxen. In
dieser Diskussion wird indes häufig der Aspekt vernachlässigt,
dass in noch stärkerem Maße ein wissenschaftlicher Nachwuchsmangel
in der Medizin droht. Es ist zunehmend schwieriger geworden, junge
Mediziner neben ihrer Facharztausbildung für wissenschaftliche
Fragestellungen zu begeistern.
Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM)
hat diese Problematik gerade auch für die klinisch-internistische
Forschung in den vergangenen Jahren erkannt und auf ihre Agenda gesetzt.
Mit ihrer Kommission „Wissenschaft, Nachwuchsförderung“ wurden
Konzepte erarbeitet und Positionspapiere zu aktuellen Themen veröffentlicht.
Der wissenschaftliche Nachwuchs benötigt frühzeitig
im Rahmen seiner universitären Tätigkeit die Möglichkeit
zur selbstständigen Forschung, die in die Weiterbildung
integriert ist. Unser Positionspapier „Anrechenbarkeit
von Forschungstätigkeit während der Weiterbildungszeit“ ist
daher von unveränderter Aktualität. In Analogie
zu den Weiterbildungscurricula verschiedener europäischer Fachgesellschaften
der Inneren Medizin müssen auch in Deutschland (erneut)
Initiativen zur Anerkennung krankheitsorientierter Forschungstätigkeit
auf die Weiterbildungszeit ergriffen werden. Die Förderung
des weiblichen wissenschaftlichen Nachwuchses (s. auch das entsprechende Positionspapier)
wurde von der DGIM während des zurückliegenden
Jahres als ein besonderes Anliegen gesehen. Frauen stellen in der
Humanmedizin inzwischen 61 % der Studienanfänger und über
50 % der Promovierenden, sind aber im akademischen
Mittelbau sowie im Anteil der Professorinnen und Chefärztinnen
deutlich unterrepräsentiert.
Viele Medizinerinnen erleben das Umfeld für eine wissenschaftliche
Karriere als unattraktiv oder als hinderlich in ihrer Bestrebung,
Beruf und Familie zu vereinbaren. Die DGIM hält es für dringend
erforderlich, durch gezielte und verstärkte Anstrengungen
auf allen Ebenen (Universitäten, Universitätsklinika,
außerhochschulischen Forschungseinrichtungen, Krankenhäusern)
und Bereichen wie der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und
wissenschaftlichen Fachgesellschaften dazu beizutragen, das zur
Verfügung stehende Potenzial von Studienabsolventinnen
mehr als bisher für die Wissenschaft und für die
qualitativ hochwertige Besetzung von Führungspositionen
zu erschließen. Die Universitätsklinika sollten
ihre Möglichkeiten ausbauen, durch gezielte Personalentwicklungsmaßnahmen
eine intensive Begleitung in der Phase des Übergangs von
der Promotion zur Habilitation zu gewährleisten. Als Orientierung könnten
hier die „Forschungsorientierten Gleichstellungsstandards“ der
DFG aus dem Jahr 2008 dienen. Von der DGIM werden zudem spezielle
Mentoring- bzw. Coaching-Seminare für Nachwuchs-Wissenschaftlerinnen
in der Inneren Medizin angeboten.
Fortbildung in der Inneren Medizin und ihren Schwerpunkten, up-to-date,
lebendig und mit praktischer Relevanz für alle internistisch
interessierten Kollegen, stellt für eine wissenschaftliche Fachgesellschaft
wie die DGIM eine kontinuierliche Aufgabe dar. Mit dieser Ausgabe „Klinischer Fortschritt“ 6/2011
der Deutschen Medizinischen Wochenschrift schließen wir
den ersten Jahrgang unserer DGIM-Gesellschaftsausgaben ab. Wir – die
Schwerpunkt-Herausgeber und Vorstandsmitglieder der DGIM – hoffen,
dass wir mit dem aktuellen Überblick über hochrangige Publikationen und
neue Leitlinien aus dem gesamten Spektrum der Inneren Medizin dem
Anspruch der wissenschaftlich fundierten kontinuierlichen Fortbildung
entsprochen und die Erwartungen der Leserinnen und Leser erfüllt
haben. Der Jahrgang 2012 ist bereits konzipiert, in der konkreten
Ausgestaltung sind wir für Anregungen, Kritik und Verbesserungsvorschläge
dankbar!
Ihre
E. Märker-Hermann