Inwieweit die präzisere Positionierung von Knieendoprothesen mit der späteren Funktion
zusammenhängt, das will diese Studie prüfen.
Computernavigation vs. Conventional Total Knee Arthroplasty Five-Year Functional Results
of a Prospective Randomized Trial. J Arthroplasty 2011; Sep 27. [Epub ahead of print]
Einleitung
Die Implantation von Knieendoprothesen mithilfe der Computernavigation ist ein technisch
etabliertes Verfahren, das auch in Deutschland weitverbreitet ist. Die Ergebnisse
mehrerer Studien haben gezeigt, dass die Positionierung der Prothesenkomponenten mit
Verwendung der Computernavigation präziser und reproduzierbarer durchzuführen ist.
Unklar dagegen ist, inwieweit diese höhere Genauigkeit funktionell von Bedeutung ist.
Die Autoren präsentieren eine prospektiv randomisierte Studie, in der die klinischen
Ergebnisse der computernavigierten und konventionellen Implantation von Knieendoprothesen
nach 5 Jahren verglichen werden.
Studiendesign
Anhand des Perth CT Knee Protocol wurde direkt postoperativ und 5 Jahre nach stattgehabter
Implantation die Ausrichtung der Prothesenkomponenten bestimmt. Eine Grundvoraussetzung
für die Studie waren statistisch signifikant schlechtere Resultate in der Gruppe,
die konventionell operiert wurde. In regelmäßigen Untersuchungen nach 3, 6, 12, 24
und 60 Monaten wurden der Knee Society Score, WOMAC und der SF-36 bestimmt.
Ergebnisse
Von den ursprünglich eingeschlossenen 71 konnten 46 Patienten (Computernavigation:
n = 24; konventionell: n = 22) nach 5 Jahren nachuntersucht werden. Sowohl direkt
postoperativ als auch nach 5 Jahren zeigte sich eine genauere Positionierung der Prothesenkomponenten
in Gruppe der mithilfe der Computernavigation operierten Patienten. Revisionsoperationen
waren bei keinem Patienten durchgeführt worden.
Bei der Auswertung der verwendeten Scores zeigte sich kein Unterschied zwischen den
beiden Gruppen. Auch zwischen den erhobenen Werten nach 2 und 5 Jahren zeigten sich
keine signifikanten Unterschiede. Aufgrund der relativ geringen Gruppengrößen erweiterten
die Autoren die Studie um nicht randomisierte Patienten (Computernavigation: n = 100;
konventionell: n = 70), die im selben Zeitraum mit beiden Methoden operiert wurden.
Auch in dieser Population zeigten sich jedoch keine Unterschiede in den verwendeten
Scores.
Die Wiederherstellung der anatomischen Beinachse im Rahmen der Implantation von Knieendoprothesen
ermöglicht eine optimale Belastungsverteilung, die für die Standzeit der Prothese
von Bedeutung ist und damit das postoperative Ergebnis determiniert. Darüber hinaus
ist das Ergebnis von Knieendoprothesen jedoch multifaktoriell beeinflusst, was dazu
führt, dass auch bei nicht optimaler Achswiederherstellung gute klinische Ergebnisse
vorliegen können. Zusammengefasst war es den Autoren der vorliegenden Studie nicht
möglich, einen Effekt der genaueren Implantation mithilfe der Computernavigation auf
das klinische Ergebnis nach 5 Jahren nachzuweisen. Die Aussagekraft der Studie ist
klar durch die niedrige Fallzahl der untersuchten Population limitiert. Längerfristige
Ergebnisse sind abzuwarten, bevor ein positiver Effekt der Computernavigation auf
das klinische Ergebnis ausgeschlossen werden kann.
PD Dr. med. Michael Frink
PD Dr. med. Michael Frink
Unfallchirurgische Klinik/Orthopädische
Klinik im Annastift
Medizinische Hochschule Hannover
E-Mail: michael.frink@ddh-gruppe.de