Die Entscheidung, eine Dialyse bei schwer kranken Patienten zu beenden oder gar nicht erst zu beginnen, ist für die Betroffenen selbst, die Familienmitglieder und die Ärzte schwierig. Die Abschätzung der Prognose, die Meinung des Patienten selbst und die seiner Angehörigen können jedoch eine gemeinsame Entscheidung herbeiführen.
Situationen
Laut Prof. Dieter Bach, Krefeld, kann in folgenden Situationen eine Dialyse nicht begonnen oder beendet werden [
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Der Patient ist komplett über seinen Zustand aufgeklärt und besitzt die Fähigkeit zur Entscheidung, die Dialyse abzulehnen oder zu beenden.
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Der Patient besitzt gegenwärtig nicht die Fähigkeit zur Entscheidung, hat aber zuvor die Dialyse mündlich oder schriftlich abgelehnt.
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Der Patient besitzt nicht die Fähigkeit zur Entscheidung, aber dessen Vormund lehnt die Dialyse ab.
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Eine Person weist irreversible neurologische Verschlechterungen auf und kann keinen Kontakt zur Umwelt aufbauen.
Gemeinsam die Entscheidung treffen
Wie Bach weiter ausführte, sollte eine geteilte bzw. gemeinsame Entscheidungsfindung mit dem Nephrologen, Pflegeteam, Familienmitgliedern und Hausarzt stattfinden. Dazu sollten alle Beteiligten komplett über Behandlungsoptionen wie verfügbare Dialysemodalitäten, zeitlich begrenzte Dialyseversuche und palliative Pflege informiert und die Prognose des Patienten abgeschätzt werden. Im Team sollten auch eventuelle Konflikte diskutiert und gelöst werden. Der Nephrologe muss wie beim Therapiebeginn auch in die Entscheidung zum Therapieabbruch mit einbezogen werden, so Bach.
Dass die Beendigung oder Verweigerung der Dialyse akzeptiert wird, zeigt eine Befragung von 17 französischen Nephrologen [
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]. Im Ergebnis waren eine psychologische und physische Verschlechterung des Patienten die hauptsächlichen Faktoren für die Entscheidung zur Ablehnung bzw. zum Abbruch der Dialyse. Die Interviewten waren der Meinung, dass eine schwere Demenz (15 von 17 Nephrologen), irreversible neurologische Schäden (11 von 17) und die Ablehnung durch den Patienten selbst (10 von 17) Faktoren waren, welche die Entscheidung zum Therapieabbruch beeinflussten.
Dr. Ralph Hausmann, Frankfurt am Main
Quelle: 7. Interaktives Nephrologisches Experten-Forum, Frankfurt am Main, veranstaltet von der Genzyme GmbH, Neu-Isenburg