Roboterassistiertes Training bei Patienten mit Armparese
Die Bachelorarbeit
Die Rehabilitationserfolge bei Armparesen infolge eines Schlaganfalls sind in den ersten Wochen meist sehr groß, dann lassen die Fortschritte nach. Nach etwa sechs Monaten ist oft ein Erfolgsplateau erreicht. Es stellt sich die Frage, ob in dieser Phase das roboterassistierte Training für die Betroffenen eine gute Ergänzung zur konventionellen Therapie ist.
Die Therapieroboter unterstützen den Arm gegen die Schwerkraft, führen ihn passiv, assistiv oder aktiv in hoher Frequenz (etwa 1.000 Mal pro Therapieeinheit) in ein vorher festgelegtes Bewegungsausmaß und zurück. Damit entspricht das roboterassistierte Training den aktuellen neurowissenschaftlichen Erkenntnissen, die zeigen, dass hochfrequent wiederholte, stereotype Bewegungen in der Armrehabilitation effektiv sind.
In ihrer Bachelorarbeit ist Beatrice Kärcher der Frage nachgegangen, wie sich die roboterassistierte Rehabilitation bei einer chronischen, das heißt seit mindestens sechs Monaten bestehenden, Armparese auf den drei ICFEbenen (International Classification of Functioning, Disability and Health) Funktion, Partizipation und Aktivität auswirkt. Dazu führte sie ein Literaturreview durch, bei dem sie letztendlich fünf randomisierte und kontrollierte Studien in die nähere Bewertung einbeziehen konnte. Die Qualität dieser Studien beurteilte sie mit der PEDro-Skala und einem modifizierten Critical Review Form - Quantitative Studies, beides Instrumente zur Beurteilung der Qualität quantitativer Studien.
Ergebnisse
Beatrice Kärcher hat herausgefunden, dass …
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> die Studien eine gute Qualität haben. Beim Critical Review Form - Quantitative Studies erreichten sie durchschnittlich 26 von 32 möglichen Punkten, bei der PEDro-Skala sechs von acht Punkten.
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> in den Studien auf allen drei ICF-Ebenen zumindest kleine Fortschritte messbar waren.
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> signifikante Effekte besonders auf der Funktionsebene erzielt wurden.
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> bei einem Vergleich der roboterassistierten Rehabilitation mit konventionellen Therapien wie funktionellen Bewegungsübungen zwar wenig signifikante Unterschiede ermittelt wurden, diese aber alle zugunsten der roboterassistierten Rehabilitation ausfielen.
Fazit
Zusammenfassend kann Beatrice Kärcher festhalten, dass ...
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> die erzielten Fortschritte klein, aber vorhanden sind.
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> die roboterassistierte Therapie als Ergänzung der konventionellen Physiotherapie empfehlenswert ist.
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> der Transfer von der Funktions- auf die Aktivitäts- und Partizipationsebene sowohl in der roboterassisierten wie auch in der konventionellen Therapie ungenügend stattfindet.
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> weitere einzelne Studien Robotertypen untereinander vergleichen sowie die Effekte einer Kombination aus konventioneller und roboterassistierter Therapie untersuchen sollten.
→ Kärcher B. Roboterassistierte Rehabilitation bei Hemiparese - Effekt Roboterassistierter Armrehabilitation bei chronischer Hemiparese nach Schlaganfall auf Körperstruktur/Funktions-, Aktivitäts- und Partizipationsebene. Bachelorarbeit an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften; 2011