Masern in der Ukraine
Der ungewöhnlich große Masernausbruch in der Ukraine hält an: Seit Beginn diesen Jahres wurden bereits rund 8000 neue Fälle, meistens aus dem Westen des Landes, gemeldet. Im Jahr 2011 waren vermutlich mehr als 1660 Ukrainer an Masern erkrankt – eine deutliche Steigerung zum Jahr 2010. Zurzeit sind alle Fußballfans, die zur Europameisterschaft in die Ukraine reisen, gefährdet.
Borreliose in den USA
Dieses Frühjahr wurden in den USA deutlich mehr Fälle von Borreliose als gewöhnlich gemeldet. Bis Anfang Mai waren es landesweit bereits etwa 4350. Die meisten Erkrankungen traten in den Staaten New Englands sowie der mittleren Atlantikküste auf. Absoluter Spitzenreiter ist momentan New Jersey mit 1677 Infektionen seit Beginn des Jahres. Dann folgen Pennsylvania mit 969 und New York mit 357 Fällen. Die erhöhten Fallzahlen sind vermutlich auf den milden Winter in der Region zurückzuführen, der zu einem frühen Start der Zeckensaison geführt hat.
Starke Schwankungen bei den Fallzahlen in Abhängigkeit von den Witterungsbedingungen und somit der Zeckenpopulation sind nicht ungewöhnlich. Es zeichnet sich jedoch seit einigen Jahren ein Trend ab, wonach die Infektionszahlen insgesamt zunehmen. So stiegen die landesweiten Fallzahlen in den Jahren 2000 bis 2009 – das letzte Jahr, für das die kompletten Zahlen vorliegen – von 17 730 auf etwa 30 000.
Lassafieber in Nigeria
In Nigeria ist es Anfang des Jahres zu einem Ausbruch des Lassafiebers gekommen, der immer noch andauert. In den ersten 4 Monaten des Jahres wurden 818 Verdachtsfälle gemeldet. Mindestens 84 Personen verstarben bereits an den Folgen der Infektion. Auch 3 Ärzte und 4 Krankenschwestern befinden sich unter den Opfern. Betroffen sind derzeit 19 der 36 Bundesstaaten des Landes.
Malaria auf den Bahamas
Ein US-amerikanischer Reisender, der sich zwischen Februar und März auf der Insel Great Exuma auf den Bahamas aufgehalten hatte, infizierte sich dort mit der Malaria. Dies ist ungewöhnlich, da die Bahamas eigentlich nicht zum Endemiegebiet gehören. Zwar wurden hier zwischen den Jahren 2006 und 2008 einzelne Fälle und ein kleinerer lokaler Ausbruch gemeldet, jedoch gingen diese autochthonen Infektionen vermutlich auf Flüchtlinge aus Haiti zurück, die als asymptomatische Gametozytenträger fungierten.
Nicht klassifizierte Erkrankung in Vietnam
Nicht klassifizierte Erkrankung in Vietnam
Seit letztem Jahr treten in der vietnamesischen Provinz Quang Nai vermehrt Fälle einer bisher noch unidentifizierten Hautkrankheit auf. Zu den Symptomen liegen derzeit nur wenige Informationen vor: Genannt werden lediglich Geschwüre an Händen und Füßen, die schweren Brandwunden ähneln, sowie Taubheit in den Extremitäten. Letztes Jahr wurden mehr als 150 solcher Fälle gemeldet. Seit Beginn dieses Jahres gab es – je nach Quelle – zwischen 63 und 171 weitere Meldungen. Insgesamt 27 der Betroffen verstarben bisher infolge von Multiorganversagen. Als mögliche Krankheitsursachen werden sowohl Pestizide und Schimmelpilze als auch Rickettsien genannt. Nähere Informationen liegen derzeit jedoch nicht vor.
Masern im Jemen
Die politische Krise im Jemen hat auch zu einem Zusammenbruch des Gesundheitswesens im Land geführt. Deutlich wird dies unter anderem an den stark gestiegenen Masernzahlen. Wurden in den 3 Jahren von 2007 bis 2009 insgesamt nur 211 Masernfälle gemeldet, so sind es seit Mitte 2011 bereits fast 3800. Erstmals sind auch wieder Todesfälle, bisher mehr als 150, darunter. Aus mehreren Gründen konnten in einigen Gebieten des Landes in den vergangenen Monaten keine Impfungen durchgeführt werden: Ärzte wurden an Kontrollpunkten aufgehalten, aufgrund von fehlender Elektrizität und Kraftstoffmangel konnten Kühlketten nicht aufrecht erhalten werden oder es fehlte ganz einfach das medizinische Personal.
(Bild: istockphoto)
Tollwut in Rumänien
Die Tollwut ist in Rumänien immer noch weit verbreitet. Besonders bedenklich ist zusätzlich der teilweise laxe Umgang einiger rumänischer Ärzte mit möglichen Infektionen. So verstarb im Februar ein 5-jähriges Mädchen an den Folgen einer Tollwutinfektion. Es war im Dezember 2011 von einem Straßenhund in einem Dorf im Osten Rumäniens gebissen worden, erhielt von den daraufhin aufgesuchten Ärzten jedoch lediglich eine Tetanusimpfung. Bereits Ende vergangenen Jahres war in Rumänien ein kleines Mädchen unter ähnlichen Umständen verstorben: Es war von einer tollwütigen Katze gebissen worden und hatte ebenfalls von den Ärzten keine Post-Expositionsprophylaxe erhalten.
Dr. Raymund Lösch und Dipl. Biol. Unn Klare, Bad Doberan
Quelle: promed