Liebe Leserin, lieber Leser,
das Internet bietet eine Vielfalt an neuen Zugangswegen im Bereich von Gesundheitsförderung und
Prävention sowie kurativer Versorgung und Rehabilitation. Dabei ist das Einsatzspektrum sehr groß.
Einfache Informationsseiten im Internet ermöglichen eine schnelle Orientierung bei Gesundheitsstörungen
und deren Behandlung. Interaktive und individualisierte Wissens- und Lernportale bieten Aufklärung für
Betroffene. Telemedizinische Anwendungen ermöglichen die ortsungebundene Behandlung und Betreuung von
Patientinnen und Patienten. Die vielfältigen Möglichkeiten der Datenspeicherung und -übermittlung
ermöglichen die zentren- und professionsübergreifende Kommunikation von Gesundheitsdaten sowie
Individualisierung und Effizienzsteigerung von Leistungen zur Gesundheitsversorgung. Bei allen
Anwendungen muss die Gewährleistung der individuellen Rechte von Kunden und Betroffenen in Bezug auf
Vertraulichkeit und Datenschutz selbstverständlich eine Grundvoraussetzung sein.
Auch für Bewegungstherapie und Gesundheitssport ergeben sich durch die Nutzung der „neuen Medien“
spannende neue Möglichkeiten und auch hier mit großer Einsatzbreite. Diese reicht z. B. von einfacher
Information und Animation auf Internetseiten über das mehr oder weniger interaktive Bewegungscoaching
mit SMS-Erinnerungen, der Nutzung von Bewegungstagebüchern im Netz, einfacher „telemedizinischer“
Übermittlung von Übungs- und Trainingsformen bis hin zu hoch interaktivem, verhaltensbezogenem
„E-Training“ mit dem Ziel, Bindung an körperliche Aktivität herzustellen und zu sichern oder dem
Zusammenschluss von Aktiven auf Kommunikationsplattformen mit neuen Formen des sozialen Austauschs und
des gemeinsamen Sportreibens.
Die Vorteile liegen auf der Hand. Denkbar sind zum Beispiel flexible, individuell steuerbare adaptive
Interventionen, die Zugang sowie Übung und Training jederzeit und ortsungebunden ermöglichen. Solche
Interventionen können – mit hoher Betreuungskapazität – begleitend und ergänzend zu
Gesundheitssportangeboten oder zur Bewegungstherapie durchgeführt werden oder auch in Nachsorgeprogramme
eingebunden werden, um eine längere persönliche Betreuung von Klienten und Klientinnen zu ermöglichen.
Dabei wird über entsprechende Internetplattformen z. B. eine längerfristige und ökonomisch umsetzbare
persönliche Begleitung durch Therapeutinnen und Therapeuten machbar. Somit können möglicherweise in
Bezug auf die so notwendige, aber schwierige Initiierung körperlich aktiver Lebensstile auch bessere
Effekte erzielt werden.
Aber, wie verträgt sich der Einsatz solcher neuer Anwendungen mit der Qualität von Bewegungstherapie und
Gesundheitssport? Wie mit dem Berufsethos von Bewegungstherapeutinnen und -therapeuten bzw.
Kursleiterinnen und Kursleitern, für die der persönliche Kontakt von Angesicht zu Angesicht in der
Vermittlung von Bewegung und Sport bislang prägend ist? Wie können Assessments eingebunden werden, wie
erfolgt die didaktische Individualisierung und Differenzierung, und wie kontrolliert man Risiken? Wie
verändert sich die Arbeitswelt in der Bewegungstherapie – gefährdet die Nutzung neuer Medien womöglich
Arbeitsplätze oder birgt sie eher die Möglichkeiten für bessere Effekte, eine stärkere
Professionalisierung und eine verbesserte Kommunikation über die Professionen hinweg? Wichtig ist auch,
inwieweit die relevanten Zielgruppen (z. B. Menschen höheren Lebensalters mit Mehrfacherkrankungen)
tatsächlich erreicht werden können, wie Angebote gestaltet sein müssen, damit die Abbruchquoten niedrig
bleiben und wie Qualitätssicherung insgesamt gelingen kann.
Der DVGS befasst sich intensiv mit den oben stehenden Möglichkeiten und Fragen und ist an der Entwicklung
und Evaluation neuer Konzepte beteiligt. Im vorliegenden Heft Ihrer Zeitschrift „Bewegungstherapie und
Gesundheitssport“ finden Sie einige Beispiele für die gewinnbringende Nutzung des Internets im Rahmen
von Bewegungstherapie und Gesundheitssport – machen Sie sich ein Bild!
Mit besten Grüßen,
Ihr Prof. Dr. K. Pfeifer