Beim fortgeschrittenen nicht kleinzelligen Bronchialkarzinom (NSCLC) spielen Subtypisierung
sowie Bestimmung des Mutationsstatus des epidermalen Wachstumsfaktorrezeptors (EGFR)
eine zentrale Rolle für die Therapieentscheidung. Ob die Zellproben der durch den
endobronchialen Ultraschall unterstützten transbronchialen Nadelaspiration (EBUS-TBNA)
für die Typisierung geeignet sind, haben N. Navani et al. untersucht.
Am J Respir Crit Care Med 2012; 185: 1316–1322
Immer häufiger wird die EBUS-TBNA bei Diagnose und Staging des NSCLC eingesetzt, womit
im Prinzip frühzeitig Proben für die Subklassifikation und Genotypisierung zur Verfügung
stehen. Ob sie dafür geeignet sind, analysierten die Autoren zwischen 2009 und 2011
anhand von 774 Patienten mit bekanntem oder vermutetem Bronchialkarzinom an 5 Zentren
in Großbritannien. Die Zellproben wurden jeweils vom örtlichen Pathologen untersucht,
der die morphologische Beurteilung nach der Hämatoxylin-Eosin-Färbung und, wo klinisch
indiziert und das Material dazu ausreichte, die Immunfärbung durchführte.
Zum Nachweis eines Plattenepithelkarzinoms wurden Antikörper gegen die Cytokeratine
5/6 und p63 verwendet, daneben auch Antikörper gegen den Schilddrüsentranskriptionsfaktor
1 (TTF1), der bei rund drei Viertel der Adenokarzinome der Lunge exprimiert wird.
Der EGFR-Status wurde per DNA-Sequenzierung (PCR) untersucht, wobei der Nachweis von
mindestens einer von 29 untersuchten Mutationen als EGFR-positiver Befund gewertet
wurde. Alle Patienten wurden mindestens 6 Monate weiter beobachtet und die endgültige
Diagnose mit den Befunden der EBUS-TBNA verglichen.
Unspezifizierte Fälle verringern
Anhand der Zellproben der EBUS-TBNA konnte bei 77 % der Patienten der Subtyp klassifiziert
werden (95 %-Konfidenzinterval [KI] 73–80). Insgesamt wiesen 503 Patienten ein NSCLC
auf. Bei 101 Patienten konnte nach der EBUS-TBNA bei der Diagnose NSCLC keine weitere
Spezifizierung erfolgen (NSCLC-NOS). Das bedeutete für diesen primären Endpunkt der
Studie einen nicht näher zu spezifizierendes NSCLC in 23 % der Fälle.
Bei 291 Patienten war zur weiteren Untersuchung eine Immunfärbung indiziert, bei 280
konnte sie auch durchgeführt werden, davon bei 101 Patienten mit NSCLC-NOS. Bei diesen
Patienten reduzierte die Immunhistochemie die Rate des NSCLC-NOS um die Hälfte (adjustierte
Odds Ratio 0,50; 95 %-KI 0,28 – 0,82; p = 0,016). Eine EGFR-Mutationsanalyse war bei
107 von 119 Patienten, bei denen dies angefordert wurde, anhand der EBUS-TBNA-Proben
möglich. Für die Sensitivität der EBUS-TBNA bei Patienten mit NSCLC ermittelten die
Autoren einen Wert von 88 % (95 %-KI 86–91), für den negativen Prädiktivwert 72 %
(95 %-KI 66–77) und für die diagnostische Genauigkeit 91 % (95 %-KI 89–93).
Die Studie konnte zeigen, dass die Zellproben der EBUS-TBNA im Routineeinsatz geeignet
sind, um die Diagnose eines NSCLC zu sichern und – wo notwendig – eine EGFR-Mutationsanalyse
und eine Immunhistochemie durchzuführen. Die Verwendung der Zellproben aus der EBUS-TBNA
für die Immunhistochemie kann helfen, die Rate der nicht weiter spezifizierten NSCLC
zu senken und so die Chancen für eine individualisierte Therapie zu erhöhen, so die
Autoren.