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DOI: 10.1055/s-0032-1331657
Respiratorische Infektionen in Saudi-Arabien und Katar – Neues Coronavirus identifiziert
Publication History
Publication Date:
07 January 2013 (online)
Mitte September 2012 wurde ein neues Coronavirus beschrieben, das anscheinend schwere respiratorische Krankheiten beim Menschen hervorrufen kann. Bisher wurden insgesamt 6 Fälle in Saudi-Arabien und Katar identifiziert, wobei 2 der Patienten an den Folgen der Infektion verstarben.
Zunächst war es im Juni in Saudi-Arabien zu einem Todesfall gekommen. Drei Monate später erkrankte ein Mann in Katar an einer akuten respiratorischen Infektion. Auch dieser Mann hatte sich zuvor in Saudi-Arabien aufgehalten, wo er bereits eine leichte Atemwegserkrankung entwickelt hatte. Diese war jedoch wieder vollständig abgeklungen. Zehn Tage nach seiner Rückreise aus Saudi-Arabien nach Katar entwickelte er erneut eine respiratorische Infektion, diesmal mit schwererem Verlauf. Legt man die bekannte Inkubationszeit für Coronaviren (7 Tage) zugrunde, erscheint es wahrscheinlich, dass er sich eher in Katar als in Saudi-Arabien infiziert hat. Er ließ sich nach London verlegen, wo schließlich das verantwortliche Virus identifiziert wurde. Seither wurden in Saudi-Arabien noch 3 weitere Fälle, darunter ein Todesfall, und in Katar eine weitere Erkrankung gemeldet.
Das neu entdeckte Virus gehört zur Gattung Betacoronavirus und zeigt die größten Übereinstimmungen mit Fledermaus-Coronaviren HKU4 und HKU5. Coronaviren verursachen sowohl bei Säugetieren als auch bei Vögeln verschieden schwere Atemwegserkrankungen. Beim Menschen äußern sich Infektionen in der Regel lediglich als einfacher Schnupfen. Der SARS-Ausbruch (Severe Acute Respiratory Syndrome) im Jahr 2003 zeigte die Gefahr von Coronaviren auch für Menschen: Der Ausbruch betraf etwa 8000 Menschen und hatte eine Letalität von circa 10 %.
Wie das neue Virus übertragen wird, ist bisher nicht bekannt. Es scheint jedoch nicht leicht von Mensch zu Mensch übertragbar zu sein. So gibt es bisher erst zwischen 2 der 6 Betroffenen eine Verbindung (nahe Verwandte). Im Umfeld der anderen Patienten hatte es keine weiteren Infektionen gegeben. Allgemein wurde die höchste Diversität von Coronaviren bei Fledermäusen festgestellt, sodass man vermutet, dass sie das Reservoir der Viren sind.
Dr. Raymund Lösch und Dipl. Biol. Unn Klare,
Bad Doberan
Quellen: promed; Bermingham A, Chand M, Brown C et al. Severe respiratory illness caused by a novel coronavirus, in a patient transferred to the United Kingdom from the Middle East, September 2012. Euro Surveill 2012; 17 pii: 20290
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