Schlaganfall – Atemtraining verbessert Husten nicht
Schlaganfall – Atemtraining verbessert Husten nicht
Bei Menschen nach Schlaganfall sind auch das Schlucken und die Atmung beeinträchtigt.
Durch eine Schluckstörung (Dysphagie) erhöht sich die Gefahr der Aspiration. Aufgrund
der beeinträchtigten Atmung haben die Patienten auch Probleme, effektiv zu husten,
sodass bei ihnen die Gefahr für Lungeninfekte steigt. Nun fanden britische Forscher
heraus, dass ein Atemmuskeltraining zwar die Inspirationsleistung der Betroffenen
steigern kann, die Exspirationsleistung aber möglicherweise nicht. Für einen effektiven
Hustenstoß sind jedoch beide Komponenten wichtig.
In einem ersten Review analysierten die Briten Studien, welche die Atemmuskelleistung
von Patienten nach Schlaganfall mit denen von Gesunden verglichen. Ihr Ergebnis: Die
Atemleistung der Betroffenen ist signifikant reduziert. In einem zweiten Review untersuchten
sie den Effekt des Atemmuskeltrainings. Sie stellten fest, dass sich damit zwar die
Einatemleistung verbessert, nicht jedoch die Ausatemleistung. Da ihre Ergebnisse allerdings
auf den Erkenntnissen aus nur insgesamt sechs Studien beruhen, sind diese Aussagen
mit Vorsicht zu genießen.
hoth
Int J Stroke 2013; 8: 124-130
Schlaganfall – Schluckstörungen
Schlaganfall – Schluckstörungen
Anteil der Patienten nach Schlaganfall, die unter Schluckstörungen leiden
Int J Stroke 2013; 8: 124-130
Lähmung nach Bandscheibenvorfall – Postoperativer Kraftgewinn unabhängig von Dauer
der Parese
Lähmung nach Bandscheibenvorfall – Postoperativer Kraftgewinn unabhängig von Dauer
der Parese
Patienten, die durch einen LWS-Bandscheibenvorfall Lähmungen im Bein haben, stellen
oft die Frage, ob die Kraft nach einer OP wieder vollständig zurückkommen wird. Ein
Team norwegischer Wissenschaftler ging dem nun nach.
In ihre Studie schlossen sie 91 Patienten ein, die sich wegen eines LWS-Prolapses
einer Mikrodiskotomie unterzogen. Alle hatten eine Parese im Bein, wobei nicht berichtet
wurde, welche Muskeln jeweils betroffen waren.
Ein Jahr nach der OP stellte sich heraus, dass die Chance auf vollen Kraftgewinn viermal
niedriger war, wenn die Patienten prä-OP einen Kraftgrad (KG) zwischen 0 und 3 hatten.
Patienten mit einem KG von 4 oder 5 erholten sich signifikant besser. Wie lange der
Kraftverlust prä-OP bereits angehalten hatte, spielte dagegen keine Rolle. Von denen,
die sich nicht vollständig erholten, waren nach einem Jahr noch dreimal so viele krankgeschrieben.
josc
Eur Spine J 2012, 21: 655-659
Halswirbelsäule – Auf Manipulation verzichten – oder doch nicht?
Halswirbelsäule – Auf Manipulation verzichten – oder doch nicht?
Die Frage, ob man auf Manipulationen an der HWS verzichten sollte oder nicht, wird
immer wieder diskutiert – nun in der Rubrik „Head to Head“ des British Medical Journal.
Die Befürworter argumentieren unter anderem, dass eine Manipulation zum Beispiel bei
akuten Nackenschmerzen besser hilft als Plazebo und dass mehrere Reviews die Manipulation
bei verschiedenen Beschwerden, etwa zervikogenen Kopfschmerzen, als eine mögliche
Primärtherapie empfehlen. Zudem sei das Risiko für einen Schlaganfall bei Patienten,
die wegen Kopfschmerzen manipuliert wurden, nur unwesentlich höher als das von Patienten,
die wegen Kopfschmerzen von ihrem Hausarzt behandelt wurden. Außerdem finde sich derzeit
keine Evidenz, dass Mobilisationen sicherer sind als Manipulationen.
Manipulationsgegnern nach sei diese Therapieform als unabhängiger Risikofaktor für
neurologische Komplikationen nachgewiesen. Zudem zeigen Manipulationen ihrer Meinung
nach keinen Vorteil gegenüber alternativen Behandlungsformen. Somit gebe es keinen
Grund, das Risiko dieser Therapie einzugehen.
Prof. Dr. Kurt Ammer, ein Rehabilitationsmediziner aus Wien, kommt nach seiner Literaturdurchsicht
zu dem Schluss, dass Nutzen und möglicher Schaden einer Manipulation an der HWS anhand
der vorliegenden Daten nicht eindeutig bestimmt werden können. Somit wird diese Therapieform
weiterhin für Gesprächsstoff und Diskussionen sorgen.
josc
Man Med 2012; 50: 519-521
Schlaganfall – Hirnhälfte hemmen hilft nicht
Es gibt die Theorie, dass beide Hirnhemisphären eine Art Wettkampf ausfechten. Nach
einem Schlaganfall könnte dieser Annahme nach der hemmende Einfluss der betroffenen
Hirnhemisphäre sinken, wodurch die gesunde Hirnhälfte „überaktiv“ wird. Eine Modulation
dieser ungleichen Aktivität könnte sich möglicherweise positiv auf die Rehabilitation
auswirken. Polnische Forscher wollten daher herausfinden, ob es sinnvoll ist, die
Aktivität der gesunden Hirnhälfte vor einem Motoriktraining mittels transkranieller
Magnetstimulation zu senken.
Sie verteilten 40 Patienten, die nach einem Schlaganfall unter einer moderaten Armparese
litten, auf zwei Gruppen. Eine Gruppe bekam vor der täglichen Physiotherapie eine
30 Minuten lange, hemmende Magnetstimulation über dem kontraläsionalen motorischen
Kortex. Die andere Gruppe erhielt eine Scheinstimulation. Nach drei Wochen und auch
nach drei Monaten konnten die Autoren keine signifikanten Unterschiede in der motorischen
Armfunktion beider Gruppen feststellen. Die Forscher empfehlen, die Patienten bei
nachfolgenden Studien genauer zu kategorisieren, beispielsweise anhand der individuellen
Hirnaktivität oder der motorischen Beeinträchtigung der Hand.
hoth
Neurorehabil Neural Repair 2012; 26: 1072-1079
Beckengürtelschmerzen – Längere Ruhezeiten erhöhen Risiko
Beckengürtelschmerzen – Längere Ruhezeiten erhöhen Risiko
In den Niederlanden gehen viele Frauen recht bald nach der Geburt wieder arbeiten.
Einer der Faktoren, die das verhindern können, sind Beckengürtelschmerzen. Niederländische
Wissenschaftler wollten deshalb herausfinden, welche Faktoren während der Schwangerschaft
oder nach der Geburt zu Beckengürtelschmerzen führen können.
An ihrer Studie nahmen 548 Schwangere teil, die in unterschiedlichen Firmen arbeiten
– vorwiegend in Gesundheitsberufen, der Kinderbetreuung oder im Supermarkt. Der Untersuchungszeitraum
reichte bis zur zwölften Woche nach Geburt.
Nach den zwölf Wochen hatten zwar 43 % aller Teilnehmerinnen Beckengürtelschmerzen,
doch nur bei 15 % war deren Intensität höher als sechs auf einer Zehn-Punkte-VAS.
Unter anderem folgende Faktoren prädestinierten die Frauen zu Beckengürtelschmerzen:
-
> Rückenschmerzen in der Vorgeschichte
-
> unangenehme Arbeitshaltung
-
> hohes Geburtsgewicht des Kindes
-
> längere Ruhe- oder Schlafzeiten als andere Teilnehmerinnen
-
> keine Bettruhe nach der Geburt
-
> größere Somatisierung (also eine größere Neigung, wegen Symptomen zum Arzt zu gehen,
die nicht auf Erkrankungen zurückzuführen sind)
Die Forscher wünschen sich nun vor allem Studien, welche die letzten drei dieser Faktoren
genauer untersuchen. Diese waren bislang nicht bekannt.
josc
Pain 2012; 153: 2370-2379
Schultergelenk-impingement – Übungen verhindern OP
Schultergelenk-impingement – Übungen verhindern OP
Eine Studie aus Schweden bestätigt einmal mehr, dass Patienten mit subakromialem Impingement
ihre Beschwerden durch aktive Übungen in den Griff bekommen können.
An der randomisierten kontrollierten Studie nahmen 102 Patienten teil, die seit mehr
als sechs Monaten unter einem subakromialen Impingement litten. Eine Hälfte davon
absolvierte ein spezifisches Übungsprogramm mit exzentrischen Kräftigungsübungen für
die Rotatorenmanschette sowie konzentrischen und exzentrischen Übungen für die Skapulafixatoren.
Die Kontrollgruppe bekam unspezifische Übungen für den Nacken und die Schulterregion.
Alle Probanden erhielten innerhalb von zwölf Wochen fünf bis sechs individuelle Übungsanleitungen.
Dazwischen führten die Teilnehmer täglich ein- bis zweimal ein entsprechendes Heimübungsprogramm
durch.
Primäre Outcome-Parameter waren unter anderem der Constant-Murley-Schulter-Score,
die Schulterfunktion und die Schmerzintensität. Daneben dokumentierten die Forscher,
wie sich das Problem nach Meinung der Teilnehmer selbst entwickelt hatte und wie sich
deren Bereitschaft für eine chirurgische Therapie des Problems veränderte. Als erfolgreiches
Therapieergebnis galt, wenn die Beschwerden deutlich verringert oder verschwunden
waren.
In der Gruppe mit spezifischer Bewegungstherapie berichteten 69 % der Patienten, dass
die Therapie erfolgreich war. In der Kontrollgruppe waren dagegen lediglich 24 % beschwerdefrei
oder hatten deutlich weniger Probleme. Zudem wurden in der Interventionsgruppe nur
20 % der Teilnehmer operiert, in der Kontrollgruppe waren es 63 %.
josc
BMJ 2012; 344: e787
Chronische Rückenschmerzen – Manuelle Therapie unterstützt Übungsprogramm
Chronische Rückenschmerzen – Manuelle Therapie unterstützt Übungsprogramm
Es gibt eine Tendenz, Patienten mit chronischen unspezifischen Rückenschmerzen (CNSLBP)
vorwiegend mit Übungen zu behandeln und auf passive Mobilisationen zu verzichten.
Ein Team aus der französischen Schweiz konnte nun jedoch zeigen, dass manuelle Mobilisationen
(MM) den positiven Effekt eines aktiven Übungsprogramms durchaus unterstützen können.
Der Hintergedanke ihrer Pilotstudie war, dass Mobilisationen und Manipulationen einen
analgetischen Effekt haben und Patienten dadurch anschließend besser aktiv üben können.
Daher verglichen die Wissenschaftler 42 Patienten, die unter CNSLBP litten: Die eine
Hälfte bekam zunächst eine physiotherapeutische Behandlung mit – je nach individuellem
Bedarf – Mobilisationen, Manipulationen und Muskelenergietechniken. Alle übrigen Teilnehmer
erhielten stattdessen eine Behandlung mit nicht angeschaltetem therapeutischem Ultraschall.
Das anschließende Übungsprogramm war für alle Patienten gleich und beinhaltete Mobilisations-,
Stabilisations- und Kräftigungsübungen sowie Dehnungen. Insgesamt erstreckte sich
die Intervention über acht Sitzungen, die über vier bis acht Wochen jeweils ein- bis
zweimal wöchentlich stattfanden. Das Follow-up fand nach drei und sechs Monaten statt.
Jeweils direkt im Anschluss an die passiven Interventionen hatten die Probanden der
Mobilisationsgruppe weniger Schmerzen als die in der Plazebogruppe. Die rückenschmerzbedingten
Einschränkungen, gemessen mit dem Oswestry-Disability-Fragebogen, waren in der MT-Gruppe
ebenso geringer wie die Schmerzintensität. Nach sechs Monaten unterschieden sich die
Gruppen hinsichtlich dieser Parameter jedoch nicht mehr. Nun müssen diese Ergebnisse
an einer Studie mit größeren Patientengruppen bestätigt werden.
josc
BMC Musculoskelet Disord 2012; 13: 162
Rückenschmerzen – Erkrankungshäufigkeit bei Kindern
Rückenschmerzen – Erkrankungshäufigkeit bei Kindern
Anteil der Mädchen und Jungen zwischen 11 und 17 Jahren in Deutschland, der zumindest
„fast jede Woche“ Kreuzschmerzen hat
WHO Cross National Survey (HBSC).
Sonderauswertung Universität Bielefeld
Rückenschmerzen bei Schülern – Große Hilfe durch kleines Keilkissen
Rückenschmerzen bei Schülern – Große Hilfe durch kleines Keilkissen
Obwohl auch Kinder und Jugendliche an Rückenschmerzen leiden, gibt es offenbar keine
Daten, inwieweit die Beschwerden mit dem Sitzen in der Schule zusammenhängen. Forscher
aus Großbritannien ergriffen nun die Initiative: Sie untersuchten, ob Schüler weniger
Rückenschmerzen haben, wenn sie während des Unterrichts auf einem Keilkissen sitzen.
Sie wählten 185 Schüler zwischen 14 und 16 Jahre aus, die unter Schmerzen irgendwo
am Rücken („zwischen Okziput und Gesäß“) litten. Die eine Hälfte der Schüler erhielt
ein speziell für die Schulstühle entworfenes Keilkissen, das sie drei Wochen lang
täglich nutzen sollte. Das Keilkissen hatte eine Fläche von 35x30 cm, war fünf Zentimeter
hoch und hatte eine Neigung von 10°. Die andere Hälfte der Teilnehmer diente als Kontrollgruppe
und saß wie bisher.
Am Ende des Untersuchungszeitraumes hatten sich die Rückenschmerzen bei den Schülern,
die ein Keilkissen verwendeten, um mehr als 50 % verringert.
josc
Physiotherapy 2012; 98: 301-306