Zusammenfassung
Ältere Patienten leiden häufig unter Schlafstörungen. Die Beschwerden werden
meist durch internistische, neurologische oder psychiatrische Krankheiten und
Multimorbidität ausgelöst. Die Behandlung der Grunderkrankungen sollte daher im
Vordergrund stehen. In der symptomatischen Behandlung von Schlafstörungen sind
kognitiv-verhaltenstherapeutische Strategien etabliert. Eine medikamentöse
Therapie sollte erst erfolgen, wenn nicht-medikamentöse Behandlungsoptionen
ausgeschöpft worden sind. Die meisten Schlafmittel haben bei älteren Patienten
ein ungünstiges Nutzen-Risiko-Verhältnis. Bei akuten, schweren Schlafstörungen
ist die Verordnung von kurzwirksamen Benzodiazepinen und Benzodiazepin-Analoga
in niedriger Dosis über einen kurzen Zeitraum vertretbar. Bei Patienten mit
langanhaltenden Schlafstörungen und hohem Leidensdruck kann unter
Berücksichtigung des Nebenwirkungspotenzials ein Therapieversuch mit sedierenden
Antidepressiva in Erwägung gezogen werden. Aussagekräftige Studien zur aktuellen
Versorgungssituation von älteren Patienten mit Schlafstörungen in Deutschland
gibt es nicht. Sekundäranalysen von Verordnungsdaten gesetzlicher Krankenkassen
deuten darauf hin, dass insbesondere Pflegeheimbewohner häufig Hypnotika
einnehmen. Die Behandlung von Schlafstörungen älterer Menschen muss daher in der
Praxis weiter optimiert werden.
Abstract
Elderly patients often suffer from sleep disturbances. Disorders are mostly
caused by medical, neurological or psychiatric diseases and multimorbidity. The
treatment of the underlying disease should therefore be prioritised. In the
symptomatic treatment of insomnia cognitive-behavioural strategies are
established. Drug therapy should be considered only if non-pharmacological
treatments fail. Most hypnotics have a poor risk-benefit ratio in older
patients. In acute severe sleep disturbances prescription of short-acting
benzodiazepines and nonbenzodiazepine hypnotics in low doses over a short period
of time is acceptable. In patients suffering from chronic insomnia a treatment
with sedative antidepressants can be considered keeping in mind possible adverse
effects. Studies analysing the current status of care for elderly insomnia
patients in Germany are limited. Analyses of health insurance data suggest that
especially nursing home patients often use hypnotics. The treatment of sleep
disorders in elderly patients must therefore be optimized in practice.
Schlüsselwörter
Schlafstörungen - Insomnie - Alter - Hypnotika - Antidepressiva - Antipsychotika
Keywords
sleep disorders - insomnia - elderly - hypnotics - antidepressive agents - antipsychotic agents