In Deutschland ist Prostatakrebs bei Männern die häufigste Krebserkrankung. Pro Jahr
kommen laut Robert Koch-Institut etwa 63 400 Betroffene hinzu. Im Frühstadium kann
der Prostatakrebs durch eine OP oder Strahlentherapie geheilt werden; die Lebenserwartung
nach der Diagnose beträgt 15 Jahre oder mehr. Jedoch haben die beiden Behandlungen
unterschiedliche Auswirkungen auf die Lebensqualität, die nach Ansicht der Deutschen
Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) bei der Therapiewahl berücksichtigt werden
sollten.
"Nach der Operation, bei der die Prostata komplett entfernt wird, kommt es häufig
zur Harninkontinenz und zu Potenzstörungen", erklärt DEGRO-Präsident Prof. Jürgen
Dunst aus Lübeck. Die Radiotherapie sei hier im Vorteil. Viele Patienten, die vor
der Behandlung diesbezüglich keine Probleme hatten, bleiben nach der Bestrahlung ebenfalls
beschwerdefrei. Es könne jedoch zu Störungen der Darmfunktion kommen, wenn die Strahlung
die an die Prostata angrenzende Darmschleimhaut schädigt.
Langzeitstudie vergleicht Therapien auf Vorteile für Patienten
Eine im New England Journal of Medicine veröffentlichte Studie aus den USA, in der
mehr als 1600 Männer 1, 2, 5 und 15 Jahre nach der Behandlung nach ihren Beschwerden
befragt wurden, liefert nun Vergleichsdaten zu den Langzeitwirkungen beider Therapien.
Ergebnis: Nach 15 Jahren gleicht sich die Lebensqualität an. "Viele Patienten erholen
sich in den ersten Jahren nach der Operation von der Harnwegsinkontinenz. Sie erreichen
aber auch nach 15 Jahren nicht die Lebensqualität von Patienten nach Strahlentherapie",
betont Prof. Thomas Wiegel, Ulm. So war der Anteil der Patienten, die regelmäßig Einlagen
tragen müssen, 15 Jahre nach der OP noch immer mehr als doppelt so hoch wie bei den
strahlentherapierten Patienten. Bei der Sexualfunktion hatten Männer aus der Prostatektomie-Gruppe
nach 2 und 5 Jahren häufiger Erektionsstörungen als die aus der Radiotherapie-Gruppe,
obwohl Letztere im Mittel 5 Jahre älter waren. Auch die Störung der Darmfunktion nach
der Strahlentherapie ist i.d.R. nicht dauerhaft: Der Anteil der Patienten, die nach
der Radiotherapie über schmerzhafte Stuhlgänge klagten, ging von 14 Prozent nach 2
Jahren auf 4 % nach 15 Jahren zurück. Es gab hier am Ende keine Unterschiede mehr
zu den operierten Patienten. "Die Studie zeigt, dass insbesondere ältere Patienten,
die bislang keine Probleme mit Inkontinenz, Potenz und Darmfunktion hatten, von der
Strahlentherapie profitieren. Innerhalb der ersten Jahre haben sie deutliche Vorteile
gegenüber operierten Patienten und danach auch keine wesentlichen Nachteile", folgert
Dunst. Die Therapie sollte jedoch immer individuell und eng auf den Patienten abgestimmt
werden.