In den letzten 30 Jahren haben sich die Überlebensraten von Patienten mit Bronchialkarzinom
kaum verbessert, wobei teils deutliche Differenzen zwischen verschiedenen Ländern
bestehen. S. Walters et al. sind nun der Frage nachgegangen, ob die unterschiedlichen
Stadien zum Zeitpunkt der Diagnose dies erklären können.
Thorax 2013; 68: 551–564
Laut Robert-Koch-Institut erkrankten 2008 allein in Deutschland 49 500 Menschen an
Lungenkreb. Im internationalen Vergleich schwanken die Überlebensraten. (Bild: Oliver
Knieps/Thieme Verlagsgruppe)
Die Autoren sammelten hierzu Daten von Patienten aus Norwegen, Dänemark, Großbritannien,
Australien, Kanada und Schweden, bei denen zwischen 2004 und 2007 ein Bronchialkarzinom
diagnostiziert worden war. Sie dokumentierten unter anderem das jeweilige Tumorstadium
bei Diagnose (TNM Klassifikation und lokale Klassifikationssysteme), wobei sie kleinzellige
(SCLC) und nicht-kleinzellige Bronchialkarzinome (NSCLC) aufgrund ihrer unterschiedlichen
Ätiologie und des unterschiedlichen klinischen Verhaltens getrennt analysierten. In
der Folge berechneten sie die Netto-Überlebenszeiten und die Mortalität, die sie unter
anderem in Relation zum Tumorstadium bei Diagnose setzten.
Insgesamt gingen 57 352 Patienten in die Analyse ein. Das Durchschnittsalter lag in
allen Ländern bei etwa 70 Jahren, der Anteil von Männern variierte von 52,3 % (Schweden)
bis 62,2 % (Australien). Kleinzellige Bronchialkarzinome machten zwischen 12,9 % (Australien)
und 18 % (Norwegen) aus, Adenokarzinome zwischen 25,2 % (Großbritannien) und 44,8
% (Schweden). Unter den NSCLC reichte der Anteil von bei Diagnose bereits metastasierten
Tumoren (Stadium IV) von 46,8 % in Schweden bis 55 % in Dänemark; für SCLC lagen diese
Anteile zwischen 72,1 % in Dänemark und unter 66 % in den übrigen Ländern. Die altersstandardisierten
1-Jahres-Netto-Überlebensraten von Patienten mit NSCLC variierten von 30 % in Großbritannien
bis zu 46 % in Schweden.
Das Stadium macht den Unterschied
Patienten in Dänemark und Großbritannien hatten geringere Überlebensraten als in den
anderen Ländern, was teilweise auf den fortgeschritteneren Tumorstadien bei Diagnosestellung
beruhte. Allerdings zeigten sich auch große internationale Unterschiede im stadienspezifischen
Überleben. So war das Netto-Überleben von NSCLC im Stadium I in Großbritannien um
16 % geringer als in Schweden (72,5 vs. 88,4 %), das von NSCLC im Sta-dium IV war
um rund 10 % geringer (15,9 vs. 25,6 %). Ähnliche Ergebnisse fanden sich auch für
SCLC mit altersstandardisierten 1-Jahres-Netto-Überlebensraten zwischen 55,9 % (Großbritannien)
und 71,7 % (Schweden) in den Stadien I und II sowie zwischen 14,4 % (Großbritannien)
und 27,6 % (Schweden) im Stadium IV.
Auch wenn eine unterschiedliche Verteilung der Tumorstadiim bei Diagnose einen gewissen
Teil der internationalen Differenzen im Überleben von Patienten mit Bronchialkarzinomen
erklärt, gibt es dennoch international deutliche Unterschiede im stadienspezifischen
Überleben. Dies legt nahe, dass hierbei auch noch andere Faktoren eine wichtige Rolle
spielen, z. B. Unterschiede in der Behandlung, so die Autoren.