Der Patient
Signalement
Am häufigsten betroffen sind ältere Hunde größerer Rassen. Es wird ein mittleres Alter von 9,7 ±
2,2 Jahre bei einem mittleren Gewicht von 31,2 ± 12,6 kg beschrieben [[44]]. Dabei ist keine Geschlechtsprädisposition erkennbar. Golden Retriever sind
überrepräsentiert [[44]], gefolgt von Deutschen Schäferhunden. Mit
etwas Abstand folgen Bernhardiner, Neufundländer, Labrador Retriever und Mischlinge [[42]].
Vorstellungsgrund
Die Anamnese unterscheidet sich deutlich je nachdem, ob es sich um einen akuten oder chronischen Erguss
handelt.
Bei einem chronischen Perikarderguss steht klinisch eine kongestive Rechtsherzinsuffizienz im
Vordergrund, die für die Besitzer insbesondere durch ein umfangsvermehrtes Abdomen, Lethargie,
Belastungsintoleranz, Kurzatmigkeit und reduzierten Appetit auffällig wird.
Bei einem akuten Perikarderguss überwiegen Symptome eines verringerten Auswurfs, die sich
insbesondere nach körperlicher Belastung in Schwäche und Kollaps äußern [[41]]. Weitere mögliche Krankheitszeichen sind Polydipsie, Erbrechen und Husten [[44]].
Klinisches Bild
Die Kardinalsymptome können historisch als Beck-Trias zusammengefasst werden [[44]]:
-
gestaute Jugularvenen
-
schwacher Femoralispuls
-
gedämpfte Herztöne
Die Erklärung für die Befunde liegt in der intrakardialen Druckverteilung.
Gestaute Jugularvenen
Da physiologisch im rechten Atrium und rechten Ventrikel im Vergleich zur linken Herzseite der geringere
Druck herrscht, wird bei Erreichen dieses Druckes die Füllung insbesondere der rechten Herzseite
behindert. Die klinische Konsequenz ist ein erhöhter rechtsatrialer Füllungsdruck, der sich in einer
venösen Stauung, erkennbar an erweiterten Jugularvenen (▶ Abb.
[
1
]) und bei längerem Bestehen an einem Aszites, manifestiert. Für die Untersuchung der
Jugularvenen kann Scheren oder zumindest das Befeuchten und Scheiteln des Felles erforderlich sein.
Abb. 1 Boxer, 4 Jahre, weiblich. Kongestive Rechtsherzinsuffizienz mit hochgradig gestauten
Jugularvenen (Pfeil) und Abmagerung anderer Ursache.
Alle Hunde mit Herzbeuteltamponade haben gestaute Jugularvenen [[37]].
Schwacher Femoralispuls
Durch die verminderte Aufnahme von Blut kann die rechte Herzseite weniger Blut über den Lungenkreislauf
an das linke Herz liefern. Infolgedessen wird weniger Blut in den systemischen Kreislauf gebracht. Somit
wird die Pulsqualität schlechter und das Herz reagiert mit einer gesteigerten Herzfrequenz, um das
Herzminutenvolumen aufrechtzuhalten.
Gedämpfte Herztöne
Eine akustische Dämpfung kann durch die Flüssigkeit im Herzbeutel erfolgen. Allerdings kann insbesondere
bei akuten Ergüssen bereits eine geringe Ergussmenge für eine Tamponade ausreichen, sodass dieser Befund
nicht vorliegen muss [[37]].
Paradoxer Puls
Ein stark hinweisender Befund ist der paradoxe Puls. Ein gesundes Herz adaptiert das Auswurfvolumen
automatisch an die jeweiligen intrathorakalen Druckverhältnisse. Somit gibt es physiologischerweise keine
Unterschiede der Pulsqualität bei In- und Exspiration. Wenn bei Exspiration ein kräftigerer Puls als bei
Inspiration auftritt, ist dieser Befund stark hinweisend auf einen Perikarderguss (Differenzialdiagnosen:
andere restriktive Perikarderkrankungen oder Spannungspneumothorax) [[37]].
Weitere Befunde können Tachykardie, Hepatomegalie, Aszites, blasse Schleimhäute und Tachy- oder Dyspnoe
sein [[27]].
Diagnostik
Blutuntersuchungen
Eine milde Anämie kann durch den Blutverlust oder durch eine chronische Erkrankung auftreten. Auch
eine dezente Leukozytose wird häufig beobachtet [[4]]. Kernhaltige
Erythrozyten, Schistozyten oder Akanthozyten können insbesondere bei einem Hämangiosarkom festzustellen
sein [[37]].
Die blutchemischen Parameter sind meistens nicht verändert. Eine prärenale Azotämie kann
durch den verringerten Auswurf vorliegen. Erhöhte Leberenzymaktivitäten sind durch eine Stauung möglich.
Auch eine milde Hyponatriämie, Hypochloridämie und Hyperkaliämie durch das verringerte zirkulierende
Blutvolumen können insbesondere bei Hunden mit ausgeprägtem Aszites nachzuweisen sein [[37]].
Wenn eine extrakardiale Ursache (z. B. urämische Perikarditis [[36]],
Koagulopathie [[31], [33]], eventuell
Hypothyreose [[28]]) vorliegt, kann diese in entsprechenden
Blutuntersuchungen erkannt werden. Coccidioides immitis sollte bei Hunden aus endemischen Gebieten
(z. B. Texas) als mögliche Ursache bedacht werden [[22]].
Troponin I kann Hinweise auf das Vorliegen eines Hämangiosarkoms liefern [[38]]. Ein Wert von > 0,25 ng/ml weist bei Patienten mit Perikarderguss eine
Sensitivität von 81 % und eine Spezifität von 100 % für das Vorliegen eines Hämangiosarkoms auf [[7]].
Röntgenuntersuchung
Eine gering- bis hochgradig vergrößerte Herzsilhouette kann in der Röntgenuntersuchung
festgestellt werden [[20]]. Mit länger bestehendem Erguss können die
Volumina des Ergusses zunehmen und massive Vergrößerungen ergeben. Die Herzsilhouette wirkt häufig
abgerundet bis globoid („Fußballherz“). Der dorsokaudale Anteil der Herzsilhouette kann konvex
erscheinen. Die Berandung des Herzens kann scharf konturiert erscheinen, da die tatsächliche Herzbewegung
innerhalb des nicht kontraktilen, flüssigkeitsgefüllten Perikards stattfindet (▶ Abb.
[
2
]).
Abb. 2 Röntgenuntersuchung des Thorax im laterolateralen Strahlengang. Golden Retriever,
14 Jahre, männlich. Kardiomegalie, globoide Herzsilhouette, geringgradiger Pleuraerguss, erweiterte V.
cava caudalis (A). Vergleichsmessungen gegen die Aorta (B), den Wirbelkörper über der Bifurkation (C)
und die 4. Rippe (D).
Insgesamt sind die radiologischen Veränderungen der Herzsilhouette aber weder hochspezifisch noch
hochsensitiv (> 90 %) für den Nachweis eines tamponierenden Perikardergusses [[9]]. Insbesondere bei akut auftretenden Ergüssen reichen kleinere Volumina für
eine Tamponade, bei der die Röntgenaufnahme noch normal aussehen kann [[19]].
Die V. cava caudalis kann verbreitert sein [[29]]. Als
Orientierung dient der Vergleich zur Aorta (> 1,5), zu dem thorakalen Wirbel über der Bifurkation der
Trachea (> 1,3) oder zur 4. Rippe (> 3,5) [[26]] (▶ Abb.
[
2
]).
Das Lungenparenchym sollte bei Patienten mit Perikarderguss weniger perfundiert sein und
entsprechend der Pathophysiologie keine Hinweise auf eine kongestive Linksherzinsuffizienz aufweisen. Ein
Pleuraerguss kann vorliegen.
Bei manchen Hunden sind Anzeichen von Metastasen festzustellen. Die Häufigkeit von Metastasen
verschiedener neoplastischer Erkrankungen (Hämangiosarkom, Mesotheliom, Chemodektom, ektopes
Schilddrüsenadenokarzinom) wird mit bis zu 50–66 % angegeben [[27]].
Elektrokardiogramm
Eine Sinustachykardie ist ein häufiger Befund [[37]]. Seltener
können ventrikuläre Extrasystolen (▶ Abb.
[
3
])
festzustellen sein. Diese treten häufiger nach der Perikardiozentese auf. Eine Niedervoltage
(QRS-Komplexe < 1 mV in allen Ableitungen) kann bei ca. 50 % der Hunde wegen des erhöhten elektrischen
Widerstands der Ergussflüssigkeit vorliegen [[4]].
Abb. 3 Elektrokardiogramm. Deutscher Schäferhund, 9 Jahre, männlich. Ventrikuläre
Extrasystolen: QRS-Komplexe verbreitert, bizarr geformt, fehlende P-Welle; zu frühes Einfallen.
Ein elektrischer Alternans (variierende Höhe der R-Zacken) ist, wenn vorhanden, ein typischer
Befund. Dieser Befund entsteht durch ein „Schwimmen“ des Herzens im Erguss und ist je nach Untersuchung
bei 6–60 % der Hunde zu beobachten [[4], [41]].
Ein normaler EKG-Befund schließt einen Perikarderguss nicht aus [[37]].
Echokardiografie
Der Herzultraschall ist der Goldstandard für die Diagnosestellung und Einschätzung eines
Perikardergusses. Für die Diagnose reichen sonografische Basiskenntnisse aus. Der Perikarderguss
stellt sich als anechogener Raum zwischen Herz und Perikard dar (▶ Abb.
[
4
]). Es können Flüssigkeitsmengen ab 10–15 ml detektiert werden [[37]]. Für die Einschätzung des Ausmaßes der Beeinträchtigung wird insbesondere
das rechte Atrium auf einen diastolischen Kollaps und somit eine Tamponade untersucht (▶ Abb.
[
5
]).
Abb. 4 Echokardiografie in rechter parasternaler Längsachse. Perikarderguss als anechogener
Raum zwischen Herz und Perikard, Umfangsvermehrung am rechten Atrium (PKE: Perikarderguss; LA: linkes
Atrium; LV: linker Ventrikel; RA: rechtes Atrium; RV: rechter Ventrikel).
Abb. 5 Echokardiografie (rechte parasternale Längsachse): Kollaps des rechten Atriums im Zuge
einer Herzbeuteltamponade (PKE: Perikarderguss; LA: linkes Atrium; LV: linker Ventrikel; RA: rechtes
Atrium; RV: rechter Ventrikel).
Ein weiteres Ziel der echokardiografischen Untersuchung ist die Identifikation potenzieller Ursachen,
insbesondere von Neoplasien. Die Sensitivität für den Nachweis von Massen wird mit 82 %, die
Spezifität mit 100 % angegeben [[27], [43]]. Diese sollten insbesondere im Bereich des rechten Atriums und Herzohrs gesucht werden (▶
Abb.
[
4
]). Durch den besseren Kontrast erleichtert ein
bestehender Erguss das Auffinden von Umfangsvermehrungen. Es können ausgiebige, eventuell wiederholte
Untersuchungen von beiden Seiten des Thorax und ein höheres echokardiografisches Geschick erforderlich
sein [[37]]. Die Tumorsuche kann durch eine bessere Darstellung des
rechten Herzens von der linken Thoraxseite aus gelingen.
Eine definitive Beurteilung einer Umfangsvermehrung hinsichtlich ihrer Dignität ist nicht möglich.
Auch eine Abgrenzung gegen andere seltene Zubildungen (z. B. Thromben, Granulome, Granulationsgewebe) ist
nicht sicher möglich [[11], [30]]. Eine
kavitäre Masse aus weichteildichtem Gewebe, die dem rechten Atrium entspringt, kann bei passendem
Signalement (älterer Hund, große Rasse) ein Hämangiosarkom sein. Ein Tumor, der der Aorta entspringt oder
diese umgibt, könnte einen Herzbasistumor darstellen [[37]]. Diese erste
Einschätzung kann allerdings falsch sein [[34]].
Ergussanalyse
Eine Ergussprobe sollte in einem EDTA-Röhrchen stabilisiert und untersucht werden. Allerdings ist die
Ergussanalyse häufig nicht diagnostisch. Unabhängig von der Ursache liegt typischerweise ein blutiger
Erguss vor. Eine Studie von 1984 konnte zytologisch nicht zwischen einer Neoplasie und anderen Ursachen
unterscheiden [[40]]. In einer Untersuchung von 273 Perikardergussproben
war in 7,7 % aller Fälle eine Diagnosestellung möglich, wobei das Ergebnis bei Proben mit einem
Hämatokrit unter 10 % mit 20,3 % günstiger war [[6]]. Vorsicht ist
bei der Diagnose eines Mesothelioms geboten, da die in Körperhöhlenergüssen vorkommenden
aktivierten Mesothelzellen maligne aussehen können und so eine Fehldiagnose möglich ist [[27]].
Der pH-Wert des Ergusses wurde als Marker für die Malignität vorgeschlagen ([[14]]: erhöht; [[10]]: erniedrigt). Dies konnte in einer anderen
Untersuchung nicht bestätigt werden [[16]].
Sonderfall – Perikarderguss bei der Katze
Bei der Katze stellt die kongestive Linksherzinsuffizienz die häufigste Ursache eines Perikardergusses
dar [[21]] und erfordert somit eine andere therapeutische und
diagnostische Herangehensweise.
Normalerweise handelt es sich beim Perikarderguss der Katze um einen Nebenbefund, der keine Tamponade
erzeugt [[44]].
Therapie
Eine Perikardiozentese sollte als Notversorgung erfolgen, wenn eine Herztamponade vorliegt. Eine
Stabilisierung über Infusion vor und während des Prozederes kann bereits zu einer klinischen Verbesserung
führen. Wegen des ohnehin zu geringen intrakardialen Volumens und der Tatsache, dass der Erguss nicht in den
Kreislauf rückresorbiert werden kann, ist Furosemid bei einem hämodynamisch relevanten Perikarderguss
kontraindiziert.
Geringe Ergussmengen, die keine Kompression des rechten Atriums und keine Stauungssymptome bedingen, können
belassen werden.
Einen Sonderfall stellt eine Vorhofruptur im Zuge einer degenerativen Mitralklappenerkrankung
dar. Wenn bei einem Perikardergusspatienten ein systolisches Herzgeräusch mit Punctum maximum links apikal,
eine veränderte Mitralklappe und linksatriale Dilatation sowie innerhalb des Ergusses ein Gerinnsel
erkennbar sind, sollte nicht ohne eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung punktiert werden. Hier steht die
Therapie der Mitralinsuffizienz im Vordergrund.
Bei Verdacht auf eine Hypokoagulabilität sollte nur im Fall einer lebensbedrohlichen Tamponade eine
Punktion erfolgen.
Die schwerwiegendsten Komplikationen im Zusammenhang mit der Perikardiozentese sind insbesondere
ventrikuläre Tachykardie, Lazeration der Koronararterie, anhaltende Blutung und der plötzliche Tod. Die
meisten Komplikationen treten innerhalb von 48 Stunden nach der Punktion auf [[23], [29]].
Furosemid ist bei einem hämodynamisch relevanten Perikarderguss kontraindiziert.
Adjuvante Therapie
Eine Chemotherapie kann bei einigen Fällen von maligner Neoplasie sinnvoll sein. Bei rechtsatrialen
Massen wurde nach Doxorubicin-basierter Chemotherapie ohne chirurgischen Eingriff eine mittlere
Überlebenszeit von 139,5 (2–302) Tagen beschrieben [[17]]. Die
intrakavitäre Chemotherapie kann für Patienten mit Mesotheliom genutzt werden [[37]].
Behandlung bei Rezidiv/Perikardektomie
Beim Wiederauftreten eines tamponierenden Perikardergusses erfolgt eine erneute Perikardiozentese.
Nach spätestens 3 Punktionen sollte über eine chirurgische Therapie nachgedacht werden.
Bei einem idiopathischen Erguss oder einer peritoneoperikardialen diaphragmatischen Hernie
(PPDH) kann dieser Schritt eine endgültige und bei malignen Neoplasien eine palliative Therapie
darstellen [[4]].
Die chirurgische Therapie sollte in einer subtotalen Perikardektomie bzw. Perikardfenestration oder einer
totalen Perikardektomie bestehen. Bei wiederkehrendem Erguss ist das Ziel des Eingriffs, dass sich die
Flüssigkeit nicht mehr in dem begrenzt dehnbaren Herzbeutel mit geringer Resorptionskapazität, sondern im
Pleuralraum mit besserer Lymphdrainage und größerer resorptiver Oberfläche ansammelt und eine
Herzbeuteltamponade nicht mehr entstehen kann.
Perikardektomie nach Thorakotomie
Der traditionelle chirurgische Zugang erfolgt über eine Thorakotomie von rechts lateral oder sternal.
Vorteil der Perikardektomie am offenen Thorax ist, dass das Perikard unterhalb des N. phrenicus
großflächig entfernt werden kann. Zudem kann eine Identifizierung von rechtsatrialen Massen erfolgen und
das rechte Herzohr, wenn dort eine isolierte Masse vorliegt, reseziert werden [[1], [24]]. Eine Beprobung von Masse und Perikard ist möglich.
Thorakoskopische Perikardfenestration
Die thorakoskopisch partielle Perikardresektion gestattet einen minimalinvasiven Zugang mit dem Nachteil,
dass eine vollständige Visualisierung des rechten Atriums nicht und eine Beprobung nur eingeschränkt
möglich ist und dass sich das relativ kleine geschaffene Fenster wieder verschließen kann [[3], [13], [24]].
Eine perkutane Ballonperikardiotomie wurde ebenfalls beschrieben [[8],
[39]]. Dabei soll eine Öffnung im Perikard erzeugt werden, die länger als
eine einfache Punktion den Abfluss gestattet. Diese Technik kommt insbesondere für Patienten mit einer
Neoplasie und somit einer schlechten Langzeitprognose infrage. Der Nachteil ist, dass keine Probe für
eine pathohistologische Untersuchung gewonnen werden und das Herz selbst nicht direkt dargestellt werden
kann, sodass eine höhere Verletzungsgefahr für das Herz gegeben sein kann.
Prognose
Die Prognose kann sich je nach Ursache stark unterscheiden. Als negative prognostische Faktoren werden in
einer Untersuchung angegeben [[42]]:
Der idiopathische Perikarderguss hat eine gute bis sehr gute Prognose. Nach einer oder mehreren
Perikardiozentesen kann entweder kein Rezidiv mehr auftreten oder eine Perikardektomie erforderlich sein. In
einer Studie haben noch 50 % der Patienten 1500 Tage nach Diagnosestellung gelebt [[18]]. Eine andere Studie hat berichtet, dass 72 % noch nach 18 Monaten gelebt
haben [[4]]. Die Prognose von Patienten mit PPDH ist ebenfalls
gut.
Für Patienten mit einem Hämangiosarkom werden Überlebenszeiten von 1 [[25], [42]] bis 3 Monaten angegeben [[1], [5]], [[46]]. Chemotherapien (s.
o. [[17]]) mit und ohne Perikardektomie [[1]]
können eine etwas bessere Prognose nach sich ziehen. Nach Perikardfenestration überlebten in einer
Untersuchung 8 Hunde für im Mittel 30 Tage (1–107) [[3]]. Chemotherapie ohne
chirurgisches Vorgehen konnte in einer anderen Untersuchung eine Überlebenszeit von 139,5 Tage erzielen
[[17]]. Vielen Hunden geht es nach einer Perikardiozentese allein sehr gut,
allerdings tritt wieder ein Rezidiv auf.
Bei einem Herzbasistumor (Chemodektom, ektopes Schilddrüsenadenokarzinom) ist die Prognose wegen des
langsameren Wachstums vorsichtig bis gut (mittlere Überlebenszeit ohne Perikardektomie 129 Tage, mit
Perikardektomie 661 Tage [[45]] bzw. 42 Tage und 730 Tage [[15]]). Auch bei einem Mesotheliom kann nach einer Perikardektomie eine
vorsichtige bis gute Prognose vorliegen. Eine Untersuchung aus dem Jahr 1998 ergab eine mittlere
Überlebenszeit ab Nachweis von 13,6 Monaten, wobei 80 % der Patienten 1 Jahr und 40 % 2 Jahre überlebten
[[12]]. Eine Untersuchung von 2005 beschrieb hingegen eine mittlere
Überlebenszeit von 6,5 Monaten [[27]].
Ein infektiöser/septischer Perikarderguss geht mit einer vorsichtigen bis guten Prognose einher und
bedarf normalerweise einer Kombination aus Perikardresektion und antibiotischer oder antifungaler Therapie
[[2]].
Eine konstriktive Perikarditis sollte mit einer Perikardektomie und, sofern identifiziert, einer
kausalen Therapie der auslösenden Erkrankung therapiert werden. Die Langzeitprognose ist allerdings
vorsichtig; 6 von 9 Hunden haben in einer Untersuchung die postoperative Zeit nicht überlebt [[43]].
Der sekundäre Perikarderguss bei einer kongestiven Herzinsuffizienz erreicht in aller Regel kein
Ausmaß, das eine Perikardiozentese erforderlich macht. Dabei richtet sich die Prognose nach der auslösenden
Erkrankung [[37]]. Ein Perikarderguss durch eine linksatriale Ruptur im Zuge
einer degenerativen Mitralinsuffizienz hat eine schlechte Prognose [[35]].
Durchführung einer Perikardiozentese
Hilfspersonen und Material (▶ Abb.
[
6
]
)
-
1–3 Hilfspersonen
-
Ultraschallgerät, Elektrokardiogramm
-
Antiseptikum, Abdecktuch, sterile Handschuhe
-
2 %iges Lidocain als Lokalanästhetikum
-
11er-Skalpell
-
14- bis 18-Gauge-Venenverweilkatheter, Heidelberger Verlängerung, Dreiwegehahn, z. B.
50 ml-Perfusorspritze für Flüssigkeitsaspiration
-
EDTA-Röhrchen für Probengewinnung; ggf. BU-Röhrchen
-
Notfallmedikamente (insbesondere Lidocain ohne Sperrkörper)
Abb. 6 Materialien für eine Perikardiozentese.
Vorbereitung des Patienten (▶ Abb.
[
7
]
)
-
falls erforderlich Sedation (z. B. Ketamin/Diazepam); Lokalanästhesie meist ausreichend
-
Infusion
-
basale Blutuntersuchungen; bei Verdacht auf Koagulopathie Gerinnungsanalyse (PT/PTT)
-
Positionierung in linker Seitenlage (alternativ Brustbauchlage)
-
Fixierung im Idealfall durch 2 Haltepersonen, 3. Person für Anreichen und Absaugen
-
EKG anschließen (nur wenn wegen Notfallcharakter Punktion unvermeidlich ohne EKG-Überwachung)
-
Zugang immer von rechts (Vermeidung der großen Koronararterien links, breiterer
Herz-Brustwand-Kontakt ohne Lungenparenchym)
-
Ausscheren und Desinfizieren eines Feldes seitlich des Herzens im ca. 2. – 8. Interkostalraum
-
Aufsuchen der Punktionsstelle
-
mit Ultraschall: größten flüssigkeitsgefüllten und gut erreichbaren Raum darstellen;
Punktionsstelle, z. B. durch belassene Nadel nach Lokalanästhesie markieren (▶ Abb.
[
8
])
-
ohne Ultraschall: Region oberhalb des palpierbaren Herzstoßes oder direkt kaudal oder unterhalb des
Ellenbogens auf Höhe des kostochondralen Übergangs (ca. 5. – 6. Interkostalraum [[19], [37]])
Abb. 7 Lagerung und Vorbereitung des Patienten (linke Seitenlage, EKG-Anschluss, Infusion,
Schur).
Abb. 8 Wahl der Punktionsstelle, Injektion der Lokalanästhesie (Tipp: Nadel als Markierung der
Punktionsstelle in der Haut belassen).
Vorgehen (▶ Abb.
[
9
] und ▶ Abb.
[
10
]
)
-
Desinfektion, sterile Abdeckung, sterile Handschuhe
-
ggf. Stichinzision
-
Katheter senkrecht zur Brustwand vorschieben; das Perikard ist bei vorsichtigem Vorführen als
leichter Widerstand zu fühlen und gibt mit einem leichten „Popp“ nach
-
Vorführen, bis Flüssigkeit im Konus erscheint (der klassische Erguss sieht wie Portwein aus)
-
analog zu einem Venenkatheter nicht bei der ersten Flüssigkeit im Konus den Mandrin zurückziehen,
sondern den Katheter über den Mandrin einführen und dann diesen zurückziehen
-
nicht aggressiv und unkontrolliert vorgehen
-
Körperhöhlenergüsse gerinnen nicht! Gerinnselbildung: Herzpunktion oder Vorhofruptur (nur
kurzer Kontakt des Blutes zu den serösen Häuten)
-
insbesondere in Brustbauchlage Verwechslung mit Pleuraerguss möglich
-
Stopp bei Ansaugen des Myokards (deutliches Vibrieren am Katheter, Punktat läuft nicht mehr ab)
oder ventrikulären Arrhythmien (▶ Abb.
[
11
]):
Position überprüfen, ggf. leicht zurückziehen, vorsichtig weiter evakuieren
-
gerade bei geringen Ergussmengen läuft der Erguss zum Teil besser passiv ab
-
bei Sistieren – falls möglich – Ultraschallkontrolle, ansonsten vorsichtig zurückziehen
-
Ergussprobe in EDTA-Röhrchen geben, bei Verdacht BU-Röhrchen beschicken
Abb. 9 Zugang mit einem großlumigen Venenzugang nach Stichinzision und antiseptischer
Vorbereitung im vorgemerkten Bereich.
Abb. 10 Ablassen des Ergusses nach Entfernung des Mandrins.
Abb. 11 Maligne ventrikuläre Arrhythmien (polymorphe Komplexe, repetitives Auftreten,
R-auf-T-Phänomen): Indikation für Lidocain.
Überwachung nach der Perikardiozentese
-
falls möglich: kontinuierliche EKG-Überwachung wegen häufig auftretender Arrhythmien, insbesondere
innerhalb der ersten 24 Stunden
-
bei Schockanzeichen (Tachykardie, schlechte Pulsqualität) Reevaluierung hinsichtlich eines
Rezidivs
-
medikamentelle Therapie meist nicht erforderlich (kein Vorteil z. B. von Prednisolon, Pimobendan,
Furosemid)