Balint Journal 2015; 16(01): I
DOI: 10.1055/s-0035-1547212
Editorial
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Balint-Journal

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Publikationsdatum:
13. April 2015 (online)

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Steffen Häfner

Liebe Balintianer, aber auch liebe ­Groddechsen und Ketzer,

„die Behandlung von Patienten mit somatoformen Störungen wird von Allgemeinmedizinern als sehr belastend erlebt, insbesondere wenn sie keine Zusatzqualifikation im Sinne einer psychosomatischen Weiterbildung aufweisen. Die Belastung wird durch den zeitlichen Mehraufwand teilweise erklärt, kann jedoch durch eine psychosomatische Weiterbildung reduziert werden“. Dies die Essenz einer kürzlich veröffentlichten Studie von Boeckle et al. (2014), mal wieder leider ohne einen Hinweis auf die wohltuenden Wirkungen der Balintgruppenarbeit.

Unlängst ist auch das Buch „Ketzereien“ erschienen, das die Entwicklung der Ideen Georg Groddecks (1866–1934) aufzeigt. Zusammen mit Ernst Schweninger (1850–1924), dem Leibarzt Bismarcks, vollzog er die Abkehr von einer einseitig naturwissenschaftlichen Sichtweise auf den erkrankten Menschen hin zu einer patientenzentrierten Medizin.

Auch Michael Balint (1896–1970) weist vor fast 90 Jahren in „Psychoanalyse und klinische Medizin“ auf die „epochemachenden Arbeiten der großen Wiener Schule, welche die pathologische Anatomie zur Grundlage der ganzen Medizin gemacht hatten“ hin, stellt aber fest: „Die heutige klinische Therapie ist gegen ‚funktionelle‘ Krankheiten weit weniger erfolgreich, als gegen ‚organische‘“ und bezieht sich auf Groddeck, dessen „Buch vom Es“ und die Behandlungserfolge in seinem Sanatorium: „G. Groddeck (Baden-Baden) hat über eine ganze Reihe solcher Fälle berichtet, wo z. B. schwere Zirkulationsstörungen, bei denen jedes Cardiacum und Diureticum wirkungslos blieb, durch einen psychotherapeutischen Eingriff gebessert wurden“. Groddeck wäre es sicherlich nicht schwergefallen, an einer Balintgruppe teilzunehmen und frech zu denken, mit dem vorsichtigen Handeln hätte er schon eher Schwierigkeiten gehabt.

Meine ketzerische Frage ist: Warum wird die Balintgruppenarbeit manchmal so wenig wahrgenommen? Brauchen wir mehr Öffentlichkeitsarbeit? Berichten Sie uns über Ihre Aktivitäten mit Beiträgen im Balint-Journal!

Ich wünsche Ihnen allen viel Spaß beim kreativen Querdenken
Ihr
Steffen Häfner

Zeitschrift der Deutschen
Balint-Gesellschaft,
der Österreichischen
Balint-Gesellschaft
und der Schweizerischen
Balint-Gesellschaft

Herausgeber
Günther Bergmann, Göppingen (Schriftleiter)
Hans-Peter Edlhaimb, Baden, Österreich
Steffen Häfner, Bad Elster
Thomas Kanzow, Kiel
Anousheh Kielstein, Magdeburg
Ernst R. Petzold, Kusterdingen
Philipp Portwich, Brig, Schweiz
Samuel Wiener-Barraud, Hombrechtikon, Schweiz

Nationale Beiräte
Hans-Christian Deter, Berlin
Alfred Drees, Krefeld
Dietrich von Engelhardt, Lübeck
Kurt Fritzsche, Freiburg
Jörg Frommer, Magdeburg
Uwe Gieler, Gießen
Wolfgang Herzog, Heidelberg
Herbert Kappauf, Nürnberg
Rita-M. Kiehlhorn, Berlin
Karl Köhle, Köln
Werner König, Berlin
Volker Köllner, Blieskastel
Friedebert Kröger, Heidelberg
Klaus Lieberz, Mannheim
Dankwart Mattke, München
Heinrich Rüddel, Bad Kreuznach
Christoph Schmeling-Kludas, Rosengarten
Peter Schneider, Bodolz
Wolfram Schüffel, Marburg
Peter Stix, Graz

Internationale Beiräte
Michel Delbrouck, Ransart-Charleroi
Ante Gilic, Zadar
Anita Häggmark, Ekero Stockholm
Alan Johnson, Charleston/South Carolina
Benyamin Maoz , Even Yehuda
Donald Nease, Denver, Colorado
Susan H. McDaniel, Rochester, New York
Marie-Anne Puel, Paris
John Salinsky, London
Arthur Trenkel, Massagno
Albert Veress, Miercurea Ciuc
Vladimir Vinokur, St. Petersburg

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