Ein 3-jähriger, männlich kastrierter EKH-Kater wurde aufgrund von teils ulzerierten
Hautknoten im Kopfbereich vorgestellt. Bei der klinischen Untersuchung zeigte er zudem
einen Stridor der oberen Atemwege sowie verdickte mandibuläre Lymphknoten. Die
Vorbehandlungen mit Antibiose und Kortikosteroiden hatten keine Besserung erbracht.
Aus den Hautknoten (▶
Abb.
[1]) wurden
zytologische Proben mittels Feinnadelaspiration und Abklatschverfahren entnommen
(▶
Abb.
[2]).
Abb. 1 Kater mit Hautknoten im Kopfbereich.
Abb. 2 Zytologisches Bild (Diff-Quick®-Färbung).
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Welche Befunde können Sie anhand der Abb. 2 erheben?
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Welche Diagnose würden Sie stellen?
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Welche weiterführenden Untersuchungen würden Sie durchführen?
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Welche Therapie würden Sie einleiten?
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Zytologische Befunde
Zahlreiche pleomorphe, hefepilzartige Strukturen mit muzinöser Kapsel (ca 2–15 µm
groß).
➊ die unverkapselten Hefen färben sich blau-lila, sind leicht granulär und zeigen eine
„wespentailienartige“ Einengung im Bereich ihrer randständigen Aussporungszone
➋ die verkapselte Form erscheint durch ihre dickere, muzinöse, nicht anfärbende
„geisterartige“ Kapsel homogener und größer
Umgeben werden die Erreger von:
➌ Makrophagen
➍ Erythrozyten
➎ einem neutrophilen Granulozyt
➏ einem Lymphozyt
Insgesamt zeigt sich nur eine geringe Entzündungsreaktion auf die Erreger.
Abb. 1 Hautknoten im Bereich der Pinna.
Abb. 2 Zytologisches Bild (Diff-Quick®-Färbung).
Kryptokokkose
Die Kryptokokkose ist eine Systemmykose, die durch einen ubiquitär lebenden, weltweit
vorkommenden Saprophyten (Cryptococcus neoformans) verursacht wird. Sie ist eine
seltene Erkrankung, die Infektion erfolgt i. d. R. durch Inhalation der Sporen.
Immungeschwächte Tiere sind bevorzugt betroffen. Eine Untersuchung auf andere
begünstigende, immunschwächende Erkrankungen (z. B. FeLV, FIV, Diabetes, Neoplasien) ist
daher sinnvoll.
Das hauptbetroffene Organsystem und die Eintrittspforte für die Infektion ist bei der
Katze der Respirationstrakt, von hier gelangen die Erreger dann sekundär in Auge, ZNS
und Haut. Nur sehr selten kommt es zur alleinigen Infektion der Haut (perforierende
Verletzungen).
Bei der weiterführenden neurologischen und ophthalmologischen Untersuchung zeigte der
Kater keine zusätzlichen Augen- oder ZNS-Symptome. Im CT des Kopfes und in der
Rhinoskopie zeigte sich eine mykotische Rhinitis, die Liquoruntersuchung verlief
unauffällig. Ein serologischer Antigentest (Latex-Agglutionationstest) ist zur
Diagnosebestätigung sowie zur Verlaufskontrolle der Therapie nützlich.
Bei dem Kater wurden außer einer Steroidtherapie keine weiteren immunschwächenden
Faktoren gefunden, die Infektion ließ sich auf den oberen Respirationstrakt und die Haut
begrenzen.
Bei nicht zu schwerwiegend betroffenen Patienten sind die antifungalen Azole (v. a.
Itraconazol, aber auch Fluconazol oder Ketoconazol) die Therapie der Wahl. Eine
Langzeittherapie ist in den meisten Fällen erforderlich. Vor oder kurz nach Beginn der
Therapie können die Hautknoten soweit wie möglich chirurgisch entfernt und nasale Massen
endoskopisch und durch starkes Spülen der Nasehöhle gelöst werden.