Hintergrund:
Flug-, Straßen- und Schienenverkehrslärm können die Schlafqualität beeinträchtigen.
Eine kurze Schlafdauer und Nachtarbeit können die Risiken für Brustkrebs erhöhen.
Ziel dieser Untersuchung war es den Zusammenhang zwischen 24-Stunden-, Tages- oder
Nachtverkehrslärm und dem Risiko für Brustkrebs in Abhängigkeit vom Östrogenrezeptor-Status
mittels Sekundärdatenanalyse zu untersuchen.
Methoden:
Um die lärmbedingten Risiken von Brustkrebs zu untersuchen, wurden die pseudonymisierten
Abrechnungsdaten von drei großen gesetzlichen Krankenkassen (2005 – 2010) für Frauen
ab 40 Jahren in der Region rund um den Frankfurter Internationalen Flughafen verwendet.
Die Analyse erfolgte adressenspezifisch mit akustischen Daten für Flug-, Straßen-
und Schienenverkehrslärm. Mittels logistischer Regression wurden die Lärmpegel von
Frauen mit inzidentem Brustkrebs (n = 6.643) und der Kontrollpersonen (n = 471.596)
untersucht. Dabei wurde für Alter, Bildung und Beruf (wenn verfügbar) sowie den regionalen
Anteil von Personen mit langfristiger Arbeitslosenunterstützung als sozioökonomischer
Indikator adjustiert. Zudem wurden die Analysen mittels Anti-Östrogen- oder Aromatasehemmer-Verschreibungen
(ATC-Code: L02BA, L02BG) nach dem Östrogenrezeptor-Status stratifiziert.
Ergebnisse:
Eine erhöhte Odds Ratio (OR) wurde bei Östrogenrezeptor-negativen Tumoren (n = 1.998)
bei 24-Stunden-Fluglärmpegeln zwischen 55 und 59 dB (OR55 – 59dB= 1,40, 95% Konfidenzintervall (KI) 1,04 – 1,90), aber nicht für Östrogenrezeptor-positiven
Brustkrebs (OR55 – 59dB= 0,94, 95% KI 0,75 – 1,19; n = 4.645) beobachtet. Eindeutige Assoziationen zwischen
Straßen- und Schienenverkehrslärm wurden nicht gefunden.
Schlussfolgerungen:
Die Ergebnisse zeigen, dass Fluglärm ein ätiologischer Faktor für Östrogen-negativer
Brustkrebs sein könnte. Weitere Untersuchungen sind erforderlich, um zu verstehen,
wie Umweltlärm an der Pathogenese von Östrogen-negativem Brustkrebs beteiligt sein
könnte.