Fragestellung:
Die sonographische Trias fetale Hepatosplenomegalie, Ventrikulomegalie und Anhydramnie
legt in erster Linie konnatale Infektionen oder Stoffwechselstörungen nahe. Im vorliegenden
Fall führte die seltene Diagnose kongenitale akute myeloische Leukämie mit extramedullärer
Manifestation zu perinataler Reanimationspfichtigkeit und rasantem Multiorganversagen.
Methodik:
Die Vorstellung der 33-jährigen 0-Para erfolgte nach unauffälligem Schwangerschaftsverlauf
und Feindiagnostik mit 27+3 SSW auf Grund abnehmender Kindsbewegungen. Sonographisch
zeigte sich eine Bradykardie um 70 bpm bei ausgeprägter fetaler Hepatomegalie mit
Zwerchfellhochstand, Anhydramnie und hydropischer Plazenta. Nach Aufklärung über die
schlechte kindliche Prognose wurde im Konsens mit den Eltern die Indikation zur eiligen
Sectio caesarea gestellt und ein asphyktisches, eutrophes männliches Frühgeborenes
mit ausladendem Abdomen entbunden (1165 g; NSA-pH 6,89; APGAR 0/0/2) Der Junge wurde
reanimiert auf die neonatologische Intensivstation verlegt. Er zeigte ein Krankheitsbild
mit Kreislauf- und Niereninsuffizienz, Lebersynthese- und Blutgerinnungsstörung sowie
Anämie und Thrombozytopenie bei Lymphozytose und Erythroblastozytose. Angesichts des
sonographischen V.a. Hirn-, Leber-, Milz- und Niereninfarzierung war eine Kuration
nicht möglich. Das Frühgeborene wurde im Einvernehmen mit den Eltern palliativ versorgt
und verstarb nach 24 Stunden.
Ergebnisse:
Die TORCH-Serologie war unauffällig. Die klinische Obduktion ergab ein Multiorganversagen
mit Hepatosplenomegalie sowie hypertropher Plazenta bei kongenitaler Erythroleukämie.
(AML M6).
Schlussfolgerung:
Eine intrauterine Erythroleukämie ist eine extrem seltene Diagnose, die hier postmortal
gestellt wurde. Bereits pränatal führte die extramedulläre Infiltration durch hämatopoetische
Blasten zu Organdysfunktionen. Angesichts des foudroyanten Krankheitsverlaufs musste
ohne Kenntnis der Grunderkrankung die schlechte kindliche Prognose der maternalen
Morbidität bei Entbindung per Sectio caesarea gegenübergestellt und das Therapiekonzept
individuell im Einvernehmen mit den Eltern entschieden werden.