Einleitung Tabakentwöhnung ist die wirksamste und kosteneffektivste Einzelmaßnahme zur Reduktion
des Erkrankungsrisikos bzw. der Progredienz von COPD. Die höchsten Abstinenzquoten
in der Tabakentwöhnung bei COPD werden bei Kombination von Verhaltenstherapie und
medikamentöser Therapie erzielt. Ungeachtet dessen verbietet das SGB V in Deutschland
die Kostenübernahme für Maßnahmen zur Tabakentwöhnung als heilkundliche Kassenleistung.
Methoden Im Rahmen des Modellprojekts ATEMM-Studie (AOK PLUS-Studie zur strukturierten Tabakentwöhnung
durch pneumologische Facharztpraxen und Psychotherapeuten in Sachsen und Thüringen
mit Minimalintervention vs. Maximalintervention) erhielten 807 Patienten mit drohender
oder bestehender COPD leitliniengerechte und kassenseitig vollfinanzierte Tabakentwöhnungs-behandlungen.
Die Praktikabilität und Akzeptanz der Angebote wurde aus Perspektive der Behandler
als auch der Patienten evaluiert.
Ergebnisse Die 12-Monatsabstienzquote beträgt in der Maximalintervention (inkl. Kostenübernahme
für medikamentöse Unterstützung) 47 % (Intention-to-treat: 38 %), in der Minimalintervention
(einmalige ärztliche Kurzberatung) 8 % (Intention-to-treat: 6 %). Die Angebote ließen
sich gut in den Praxisalltag implementieren und erzielten eine hohe Akzeptanz bei
Anbietern wie Patienten. Bei allen beteiligten Ärzte besteht Interesse an einer Fortführung,
jedoch mehrheitlich nur unter geänderten sozialrechtlichen Rahmenbedingungen.
Diskussion Ein vollfinanziertes krankheitsspezifisches Tabakentwöhnungsangebot mit Verhaltenstherapie,
medikamentöser und telefonischer Unterstützung ist in der Facharztpraxis umsetzbar
und erzielt hohe und nachhaltige Abstinenzerfolge.