Einleitung Die Endoskopische Vakuumtherapie (EVAC) gilt als etabliertes, jedoch weiter zu evaluierendes Verfahren bei postoperativen Leckagen und Perforationen im oberen Gastrointestinaltrakt.
Ziele Ziel dieser Studie war die Analyse von Erfolgs-, Komplikations- und Überlebensraten in einem großen Zentrumskollektiv.
Methodik Retrospektive Analyse von EVAC-Therapien, die zwischen 2012-2020 an der Medizinischen Hochschule Hannover erfolgten. Labor-, demographische und intensivmedizinische Parameter sowie das Outcome wurden aus der endoskopischen und klinischen Datenbank recherchiert.
Ergebnis Im Studienzeitraum wurde bei 116 Patienten (m=84; w=32) eine EVAC-Therapie im oberen GI-Trakt durchgeführt. Folgende Indikationen führten zur EVAC-Therapie: postoperative Leckage (n = 94, 81%), iatrogene Perforationen (n = 7, 6%) sowie andere Erkrankungen (n = 15, 13%). Ein alleiniger Defektverschluss durch EVAC-Therapie gelang bei 74,1% der Patienten (n = 86) und konnte bei 79,3% (n = 92) durch Kombination mit weiteren endoskopischen Verfahren erreicht werden. Die Therapie erfolgte im Median über 18 Tage (Interquartilbereich (IQR) 10-33) mit 4 Schwammwechseln (IQR 2-8). Die Intensivtherapie betrug 28 Tage (IQR 13-48) mit einer 30 Tage Mortalität von 8,6% (10/116). Bei 2 Patienten (1,7%) trat eine letale Arrosionsblutung auf und im Follow-up entwickelte sich bei 8,6% der Patienten (n = 10) eine behandlungsbedürftige Ösophagusstenose. Es zeigte sich eine signifikant reduzierte 30 Tage Mortalität (p < 0,01) bei Therapieerfolg mit reduzierter Rate an operativen Revisionen (p < 0,01). Im Verlauf der EVAC-Versorgung war der CRP-Wert (p = 0,01), die Zahl der Thrombozyten (p> 0,01) und der Hb-Wert (p = 0,01) signifikant verändert im Vergleich zu nicht erfolgreicher EVAC-Therapie.
Schlussfolgerung Die EVAC-Therapie ist ein sicheres und erfolgsversprechendes Verfahren zur Behandlung von Perforationen und postoperativen Leckagen im oberen GI-Trakt. Auch im selektierten Kollektiv zeigten sich durchgehend hohe Erfolgsraten, sodass die EVAC-Therapie eine breite Anwendungsmöglichkeit im gesamten oberen GI-Trakt darstellt. Es zeigte sich bei Therapieerfolg eine prognostische Relevanz des CRP-Wertes, der Zahl der Thrombozyten und des Hb-Wertes.