Zielsetzung Die Frühgeburtsrate in Europa bewegt sich zwischen 5,5 und 8,1%. Die Mortalität liegt bei etwa 1 in 100 und ist über die letzten Jahren gesunken, aber trotz medizinischer Fortschritte bleibt die Morbidität unter Frühgeborenen im Wesentlichen unverändert. Interventionen wie antenatale Kortikosteroidgabe haben zu einer Senkung der Morbidität geführt; das optimale Timing der antenatalen Kortikosteroidgabe wird heute jedoch nach wie vor kontrovers diskutiert.
Material und Methoden In dieser retrospektiven Kohorten-Analyse haben wir das Timing der antenatalen Kortikosteroidgabe von 534 Kindern unter 1500 Gramm (SSW 22+0 bis 29+6) analysiert. Der zeitliche Abstand zwischen antenataler Kortikosteroidgabe und Geburt (≤/> 24 Stunden, ≤/> 14 Tage) sowie die Outcome-Parameter Surfactantgabe, bronchopulmonale Dysplasie, persistierender Ductus arteriousus, Retinopathia praematurorum, nekrotisierende Enterokolitis, periventrikuläre Leukomalazie, intraventrikuläre Hämorrhagie, Cerebralparese, Tod und neurologisches Outcome nach zwei Jahren wurden erfasst.
Ergebnisse Bei einem Abstand zwischen antenataler Kortikosteroidgabe und Geburt von 24 Stunden oder weniger traten signifikant häufiger intraventrikuläre Hämorrhagien (p = 0.001) oder ein persistierender Ductus arterious (p = 0.002) auf als wenn mehr als 24 Stunden zwischen antenataler Kortikosteroidgabe und Geburt lagen; zudem war signifikant häufiger eine Surfactantgabe notwendig (p = 0.030). Bei einer Unterteilung des Abstands zwischen antenataler Kortikosteroidgabe und Geburt in ≤/> 14 Tage zeigten sich signifikant höhere Raten an bronchopulmonalen Dysplasien (p < 0.001), persistierenden Ductus arterious (p < 0.001), und Frühgeborenenretinopathien (p = 0.003) wenn 14 oder weniger Tage zwischen antenataler Kortikosteroidgabe und Geburt lagen.
Zusammenfassung Der zeitliche Abstand zwischen antenataler Kortikosteroidgabe und Geburt spielt eine wichtige Rolle für das neonatale Outcome nach Frühgeburt.