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DOI: 10.1055/s-0041-104368
Krankenhaushygiene: WHO-5-Kampagne zeigt Wirkung
WHO-5-campaign is successfulNosokomiale Erreger werden oft durch direkten Kontakt zwischen Patienten und Pflegepersonal übertragen. Allerdings desinfizieren nur 38,7 % der Beschäftigten konsequent ihre Hände. Eine bessere Adhärenz wäre daher eine einfache und sehr effektive Maßnahme, um nosokomiale Infektionen zu verhindern.
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Die WHO hat 2005 unter dem Motto „Clean care is safer care“ das WHO-5-Programm ins Leben gerufen, um die Händedesinfektionsrate zu verbessern. Die Kampagne umfasst folgende 5 Maßnahmen:
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systemische Veränderungen (z. B. Verfügbarkeit von alkoholischem Händedesinfektionsmittel)
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Schulung und Weiterbildung (Bedeutung und korrekte Durchführung der Händehygiene),
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Evaluation und Feedback,
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Erinnerungen am Arbeitsplatz (z. B. in gedruckter Form, verbal oder elektronisch) und
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Etablierung einer Sicherheitskultur im Krankenhaus.
In einer aktuellen Metaanalyse wurde nun untersucht, ob sich die Effekte dieses Programms messen lassen. 41 Studien erfüllten die Einschlusskriterien. 5 davon wurden in Ländern mit geringem bzw. mittlerem Einkommen durchgeführt. 10 Studien waren multizentrisch.
In 19 Studien wurden zudem die Auswirkungen einer besseren Händehygiene auf die Infektionsraten untersucht. Hier zeigte sich ein Trend zu weniger MRSA-Infektionen, je mehr Desinfektionsmittel verwendet wurden. Die Rate an Clostridium-difficile-Infektionen veränderte sich nicht.
Die WHO-5-Kampagne verbessert die Einhaltung der Händedesinfektion durch das Krankenhauspersonal. Konkrete Zielsetzungen und Anreize durch Belohnungen und Prämien könnten den Autoren zufolge den Erfolg des Programms weiter steigern. 2 randomisierten Studien zufolge nahm dadurch die Händedesinfektions-Adhärenz nach einem Patientenkontakt um weitere 35 % zu.
Dr. med. Christoph Feldmann, Köln
Kommentar aus der Praxis


Händehygiene gilt als Schlüsselelement der Infektionsprävention. Die Grundidee der gezielten Händehygiene in der Medizin geht auf Ignaz Semmelweis zurück: Er führte bereits 1847 das Händewaschen mit 4 %-igem Chlorkalkwasser ein, um das Kindbettfieber zu vermeiden. Der Erfolg war enorm, die Letalität der Wöchnerinnen sank von 12,3 auf 1,3 %!
150 Jahre später hat die WHO in ihrer weltweiten Kampagne „Clean care is safer care“ diese Erkenntnis aufgegriffen. Eines der vorrangigen Ziele ist es, Maßnahmen einzuführen, die die Händehygiene steigern – um letzlich die Patientensicherheit zu verbessern. In Deutschland geht die „Aktion Saubere Hände“ auf diese Initiative zurück. Dadurch wurde das Bewusstsein für Händedesinfektion bei Ärzten und Pflegenden seit 2008 deutlich geschärft.
Die Empfehlungen im Alltag umzusetzen, ist allerdings eine Herausforderung. Die Händehygiene-Compliance in den Kliniken verharrt seit vielen Jahren bei sehr variablen Werten um 40 %. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Eine nicht unerhebliche Rolle spielt dabei aber sicher die zunehmende Ökonomisierung des Gesundheitswesens, die u. a. mit einer Arbeitsverdichtung einhergeht.
10 Jahre nach dem Start der weltweiten WHO-Kampagne haben Luangasanatip et al. nun mit ausgefeilten statistischen Methoden eine Meta-Analyse durchgeführt. Diese überprüft die Effektivität der propagierten 5 Maßnahmen zur Steigerungen der Händehygiene. Darüberhinaus wurde der Einfluss von weiteren Maßnahmen, wie z. B. Belohnung, untersucht. Je mehr Maßnahmen ergriffen wurden – d. h. je mehr man sich kümmerte – desto mehr stieg die Händehygiene-Compliance.
Diese nicht ganz unerwartete Erkentnis muss jetzt nur noch im Alltag umgesetzt werden. Würde man also in den Abteilungsbesprechungen
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gleich viel Elan und Zeit für die Optimierung der Händedesinfektion verwenden wie für Diskussionen über Optimierung der Fallzahlen und Verkürzung der Liegedauer und
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würde man die „Balanced Scorecards“ statt für das Controlling zur Optimierung der Händehygiene einsetzen,
würde sich die Compliance sicher deutlich verbessern. Dies hätte nicht nur positive Auswirkungen auf die Patientensicherheit. Vielmehr ist das Engagement bei der Prävention nosokomialer Infektionen auch ökonomisch sinnvoll, wie sich in einer zunehmenden Anzahl von Studien zeigt.
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Interessenkonflikte: Keiner

